Ein Zug der S3. Auch diese Linie war am Montag von Störungen betroffen. Foto: dpa/Kira Hoffmann

Kaputte Züge, gestörte Weichen, Schneeverwehungen und Schnee im Antrieb: Der Wintereinbruch macht der Berliner S-Bahn zu schaffen. „Witterungsbedingt kann es durch Störungen an der Infrastruktur und Fahrzeugstörungen zu Verspätungen und Ausfällen kommen“, warnte das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn am Montagmorgen. Es sollte Recht behalten. Im Tagesverlauf nahm die Zahl der Linien, auf denen es Probleme gab, immer weiter zu.  Schnee legte Fahrzeugantriebe und Weichen lahm. „Wir müssen sehen, wie sich die Lage entwickelt“, sagte eine Sprecherin. Das lässt für die nächsten Tage nichts Gutes erwarten.

Zunächst setzte der Schnee einem bestimmten Zugtyp besonders zu. „Wir stellen fest, dass die Baureihe 485 bei diesem Wetter offenbar Probleme hat“, hieß es. Zu DDR-Zeiten entwickelt, sind die Serienfahrzeuge der Baureihe 485 inzwischen rund drei Jahrzehnte alt. Beim Personal sind die robusten S-Bahnen beliebt. Doch der massive Schneefall, der am Sonntag begann und am Montag weiterging, sorgt offenbar für Probleme – vor allem bei den Antrieben. „Betroffen sind vor allem die Batterieladegeräte“, sagte die Sprecherin.

Ein Zug nach dem anderen fiel am Montag aus

Ein Fahrer sagte, dass aber auch die anderen Zugtypen nicht gefeit seien. „Die haben alle ihre Macken.“ So war die Baureihe 481, die den Großteil der Flotte bildet, ebenfalls von Antriebsstörungen betroffen. Wegen zugefrorener Sandrohre (Sand wird zum Bremsen genutzt) durften einige Züge dieses Typs nur noch Tempo 60 fahren.

Nach und nach nahmen die Probleme zu. Bis 14.35 Uhr stieg die Zahl der betroffenen Linien auf zehn. Auf dem Ring war nur noch ein Zehn-Minuten-Takt möglich. Auf dem Teilstück der S7 zwischen Westkreuz und Wannsee, das durch den Grunewald führt, fuhr gar keine S-Bahn mehr. „Zwei Weichenstörungen, eine in Westkreuz, die andere in Grunewald, sind der Grund“, hieß es. Bei der nächsten Aktualisierung um 16.10 Uhr wurde auch für die S8 ein Totalausfall gemeldet. Zwischen Blankenburg und Hohen Neuendorf wurde wie entlang der S7 ein Schienenersatzverkehr eingerichtet, hieß es. Es war am Montag der zweite Streckenabschnitt im S-Bahn-Netz, der ohne Zugbetrieb war. Schuld war auch in diesem Fall eine Weichenstörung, sagte die Bahnsprecherin.

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Weichenstörungen waren am Montag sehr häufig. Ein weiterer Ausfall dieser Art, der sich am Morgen in Lichtenrade ereignete, führte dazu, dass auf dem Südabteil der S2 nur alle 20 Minuten Züge fahren konnten. Eine andere Störung hatte Einschränkungen auf der S3 zur Folge. Zuständig für die Infrastruktur ist DB Netz. Die Weichen im S-Bahn-Netz, rund tausend an der Zahl, werden beheizt, so die Sprecherin. „Schneeverwehungen können aber dazu führen, dass eine Weiche beim Stellen nicht in die Endlage kommt.“

„Die Situation ist angespannt“, sagte ein S-Bahner. Wie sie sich entwickelt, hänge vor allem davon ab, ob und in welchem Ausmaß es weiterhin schneit. Pulverschnee ist für S-Bahnen besonders problemträchtig, weil er leicht in die Technikbereiche eindringen kann. Zwar hat das Unternehmen einen großen Teil der Flotte mit hohem Aufwand für Winterwetter nachgerüstet. Anlass waren massive Ausfälle in früheren Jahren. Trotzdem sei es nicht ausgeschlossen, dass es bei strengem Winterwetter erneut zu Problemen kommt, hieß es.

Nur die Züge der neuen Generation machen keine Probleme

Immerhin: Von denen Zügen der neuesten Fahrzeuggeneration der S-Bahn, die seit Jahresbeginn auf der Linie S47 zwischen Spindlersfeld und Hermannstraße verkehrt, wurden keine Störungen gemeldet. „Mit ihnen haben wir keine Probleme“, sagte ein S-Bahner. Winterfestigkeit war eine der Anforderungen, denen die Neubaureihe 483/484 gerecht werden muss. Die Fahrzeuge wurden im längsten Klima-Wind-Kanal der Welt in Wien bei Minustemperaturen umfangreich getestet. Dass die S47 am Nachmittag auf Spindlersfeld-Schöneweide verkürzt wurde, lag auch dort an einer Weichenstörung.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) meldeten einen regulären Betrieb. Am Sonntag entgleiste eine Straßenbahn der Linie 12. In Außenbezirken kamen Busse auf glatten Straßen langsamer voran – doch das war es auch schon. Für Elektrobusse ist der Winter ein Härtetest, aber auch dort habe es bisher keine Probleme gegeben, so Sprecherin Petra Nelken. „Wir verzeichneten keine Ausfälle. Die E-Busse fahren“ – bis jetzt.