Viel zu viel Schulessen wird einfach für die Mülltonne produziert. Ein Skandal.
Viel zu viel Schulessen wird einfach für die Mülltonne produziert. Ein Skandal. imago stock&people / Gärtner

In den Berliner Grundschulen werden während des Schulbetriebs offenbar täglich tonnenweise Lebensmittel weggeschmissen. Caterer berichten, dass ein beträchtlicher Teil der Schülermittagessen jeden Tag unangerührt in der Mülltonne landet. Seit dem 1. August 2019 zahlt das Land die Mahlzeiten. Die Eltern bestellen zwar Mahlzeiten, aber viele Kinder holen sie nicht ab. Seit der Kostenfreiheit ist dieser Anteil größer geworden. In dem Bericht der Berliner Zeitung heißt es weiter:

Ziel dieser sozialpolitischen Maßnahme war und ist es, jedem Kind eine warme Mahlzeit am Tag zu ermöglichen. Wenige Monate nach Einführung jubelte die damalige Bildungssenatorin Sandra Scheeres bei einem Pressetermin: „Das kostenlose Schülermittagessen kommt gut an.“ Doch offenbar nicht gut genug.

Skandalöse Verschwendung von Lebensmitteln – oft landet sogar Bioware im Müll

„Es gibt Tage, da liefern wir 400 Essen an eine Schule und müssen 200 Essen wieder mitnehmen,“ sagt Klaus Kühne, der Geschäftsführer des Catering-Unternehmens 3 Köche, das täglich 20.000 Mittagessen an Berlins Grundschulen liefert. Durchschnittlich entsorge man 25 Prozent der gekochten Schülermittagessen direkt.

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Am Anfang des Schuljahres seien die Kinder noch ziemlich zuverlässig und holten die bestellten Essen auch ab, sagt Maria Girrbach-Heger, die die Essensausgabe im Evangelischen Gymnasium zum Grauen Kloster beaufsichtigt. „Aber am Schuljahresende ist es dann so, dass von 130 angelieferten Mahlzeiten täglich etwa 50 nicht abgeholt werden. Weil die Kinder dann lieber in die Pause gehen, um zu spielen.“

Bei Krankheit vom Essen abmelden

Fast alle Eltern der Schule haben ihre Kinder bei dem kostenlosen Mittagessen angemeldet, berichtet Girrbach-Heger in der Berliner Zeitung.  Der Vertrag, den sie mit dem Caterer schließen, verpflichtet sie, ihre Kinder vom Essen abzumelden, wenn diese zum Beispiel krank sind. Dennoch gibt es eine wachsende Anzahl von Eltern, die dieser Verpflichtung nicht nachkommen.

Der Caterer Kühne würde seine übrig gebliebenen Essen gern bei der Tafel vorbeibringen, aber das dürfe er nicht, weil die Hygienevorschriften in Deutschland so streng seien. „Ein frisch gekochtes Essen darf nur drei Stunden bei 65 Grad warm gehalten und die Wärmeketten dürfen nicht unterbrochen werden, sonst könnte das Essen schon verdorben sein“, schildert Kühne.

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Deshalb müssen die übrig gebliebenen Speisen sehr schnell entsorgt werden. Es handelt sich um etwa 1200 Kilogramm täglich, die direkt in die Biogasanlage wandern. „Zu DDR-Zeiten haben wir damit die Schweine gefüttert. Aber das ist heute auch nicht mehr erlaubt, aus Angst vor Seuchen“, sagt Kühne.

Ist die Verschwendung an allen Schulen gleich ausgeprägt? An den Schulen, wo die Pausen länger seien und die Lehrer mit ihren Schülern gemeinsam in die Mensa gingen, werde weniger weggeschmissen, aber immer noch viel zu viel.

Verschwendung von Steuergeld in Millionenhöhe

Für das Land Berlin ist das eine teure Angelegenheit. Eine parlamentarische Anfrage von Katharina Günther-Wünsch, der bildungspolitischen Sprecherin der CDU, hat ergeben, dass das Land Berlin für das kostenlose Mittagessen 2021 rund 112 Millionen Euro ausgegeben hat. 2022 – so die Prognose – sollen es sogar rund 177 Millionen Euro sein.

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Dabei essen aber nur 65  Prozent der Schüler ihr Mittag auch wirklich – genauso viele wie vor der Einführung des kostenlosen Schulmittagessens.

Ein Sprecher der Bildungsverwaltung sagte gegenüber der Berliner Zeitung, dass man diese Verschwendung durchaus als Problem sieht: „Jedes weggeworfene Mittagessen ist ärgerlich, nicht nur aus finanziellen Gründen. Zusammen mit den Bezirken, die ja die Vertragspartner der Caterer sind, wollen wir genau das auch verhindern.“

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Warum es nicht möglich sein soll, Einrichtungen für Bedürftige in der Nähe von Schulen mit dem Mittagessen zu versorgen, erschließt sich dem gesunden Menschenverstand nicht.