Die Eltern haben in Annas Kinderzimmer Bilder ihrer Tochter aufgestellt, um an sie zu gedenken. Fotos: privat

Annas Eltern haben in ihrem Kinderzimmer Bilder aufgestellt. Davor brennen Teelichter und sie haben rote Rosen für ihre Tochter niedergelegt. Ein Foto zeigt Anna und ihren drei Jahre ältere Bruder Willy, als sie noch klein waren. Sie waren eng miteinander verbunden, aber jetzt ist Willy allein zurückgeblieben. Seine Schwester starb vor zwei Wochen plötzlich an Herzversagen. Nun muss die Familie aus Brandenburg an der Havel die Beerdigung vorbereiten, doch ihr fehlt das Geld, um ihr geliebtes Kind würdevoll zu bestatten.

„Unsere Tochter ist mit nur 15 Jahren, an einem unerkannten Herzleiden, plötzlich und völlig unerwartet in meinen Armen verstorben. Sie sagte, wenn sie einmal sterben müsste, dann würde sie sich eine naturnahe Beerdigung, inmitten vieler Tiere wünschen. Diesen letzten Wunsch möchten wir ihr gerne erfüllen“, mit diesen dramatischen Sätzen bietet Annas Vater in einem Spendenaufruf bei Facebook um Hilfe. 

Ein aktuelles Handyfoto von Anna: Die Schülerin liebte es, ihre Haare bunt zu färben.  Privat

„Annas Mutter ist Hausfrau und der Vater selbst schwer krank. Er wurde früh berentet. Sie sind nicht in der Lage, von ihrem Geld eine Beisetzung in einem Friedwald zu finanzieren“, sagt Peter Pflock (57), der Anna im Kampfsport unterrichtete und den Spendenaufruf mit initiert hat. Da ihre Eltern momentan nicht dazu imstande sind, ein Interview zu führen, spricht er stellvertretend und mit ihrem Einverständnis mit den KURIER-Reportern.

Anna brach plötzlich im Flur zusammen 

Das Drama passierte am 5. Mai. Der Vater habe seinem Sohn gerade beim Homeschooling unterstützt, als er ein Poltern im Flur hörte. „Anna ist dort aus heiterem Himmel bewusstlos zusammengebrochen“, erzählt Peter Pflock, der „Pflocky“ genannt werden möchte, weil alle seine Schüler ihn so nennen. Auch Anna redete ihn mit seinem Spitznamen an.

Ihr Vater und Bruder hätten noch versucht, Anna per Herzdruckmassage und Mund-zu Mund-Batmung zurückzuholen, bis der herbeigerufene Notarzt eintraf. Doch vergeblich. Auch die Ärzte, die 75 Minuten um Annas Leben gekämpft hätten, hätten nichts mehr für sie tun können. Wenig später sei das Mädchen im Krankenhaus an einer Herzinsuffizienz verstorben. 

Lesen Sie dazu auch: Lebensretter gesucht! Eine Mutter fleht: „Bitte helft meiner Tochter. Sie hat doch noch so viel vor!“ >>

Für ihre Familie und für ihren Trainer ist das unbegreiflich. „Anna war fit und gesund und kam zwei Mal die Woche zum Training. Sie hatte große Freude am Sport und steckte voller Energie. Dass sie eine Herzschwäche hatte, davon hat niemand etwas bemerkt“, sagt Pflocky. Er und seine Kollegin Nancy Petsch, die in Brandenburg ein soziales Kleidungsprojekt für Bedürftige leitet, stehen Annas Eltern und ihrem Bruder in diesen schweren Stunden zur Seite. Sie haben zusätzlich zum Spendenaufruf auch ein Video gedreht, in dem sie um Hilfe für die Familie bitten.

Anna liebte Tiere und hatte zwei Zwergkaninchen – „Johannes und Ninia“. Sie habe immer gesagt, dass sie nach der Schule „einmal was mit Tieren machen wollte“, berichtet ihr Karate-Trainer. Und als sie einmal mit der ganzen Familie beim Abendbrot gesessen hätten, habe Anna gesagt, dass, wenn sie einmal sterben müsse, sie bei den Tieren im Wald begraben werden wolle. Diesen letzten Wunsch möchten ihre Familie und Freunde ihr unbedingt erfüllen und bitten deshalb um Spenden.

„Auch wenn wir ihren Eltern und ihrem Bruder den tiefen Schmerz niemals nehmen können, wollen wir wenigstens für sie da sein“, erklärt Pflocky. Er selbst kennt Anna schon, als sie noch ein Baby war und im Kinderwagen lag. Die beiden Familien sind seit Jahren befreundet. Er dürfe gar nicht daran denken, wenn seiner Tochter oder seinem Enkelkind so etwas zustoßen würde, sagt er leise. 

Foto: Gerd Engelsmann
Annas Trainer Peter Pflock und Nancy Petsch unterstützen die trauernde Familie und haben ein emotionales Video ins Netz gestellt. Darin rufen sie zu Spenden auf, um von dem Geld Annas Beerdigung zu finanzieren.

„Anna war ein Sonnenschein und immer fröhlich“

Er werde nie vergessen, wie es war, als Annas Vater ihn nur wenige Stunden nach ihrem Tod angerufen habe. „Pflocky, ich weiß gar nicht, was ich machen soll. Ich bin unter Schock und völlig hilflos“, habe er gesagt und dabei geweint. Als er die Verzweiflung seines Freundes gespürt habe, sei ihm das so nahe gegangen und er habe erst einmal mit seinem eigenen Schrecken fertig werden müssen. „Anna war ein Sonnenschein, immer fröhlich und positiv eingestellt. Sie war besonders liebevoll zu ihren Mitmenschen und half immer gern“, so beschreibt er das Mädchen, das ihre Haare so gern bunt färbte. „Deine herzliche Freude und Dein Lächeln brachten Liebe, Licht, Wärme und Glück in dieses Haus“, so beschreibt Annas Vater in seinem Spendenaufruf seine Tochter.

Lesen Sie dazu auch: Köpenicker Familie: „Covid-19 hat unser Glück von heute auf morgen zerstört!“ >>

5000 Euro haben sich die Unterstützer als Spendenziel gesetzt. Überschüssige Einnahmen sollen an eine Eulen-Auffangstation fließen. „Das wäre in Annas Interesse gewesen“, sagt Pflocky. Wer der Familie helfen möchte, um Anna eine würdevolle Bestattung zu ermöglichen, kann sich direkt bei Nency Petsch melden kleiderursel.de oder unter https://www.betterplace.me/beerdigung-fuer-kuerzlich-verstorbene-tochter direkt spenden.