Mario D. (43, li.) soll zwei Fünftklässler attackiert haben. Er aber hält dagegen: Einige Schüler spielten ein böses Spiel, würden sich lassen fallen und „Anzeige“ schreien.  Berliner Kurier

Mit dem Klassenleiter stieg der Lärmpegel im Raum: Mario D. (43) und einige Fünftklässler kamen nicht miteinander klar. Der Pauker nun vor Gericht – doch er sieht sich als Opfer.

Schüler sorgten für den Prozess: Mehrere Anzeigen gingen bei der Polizei ein. Zwei Fälle führten zur Anklage wegen Körperverletzung im Amt.

Dennis (12) wurde angeblich getreten. Zwischen 7.30 Uhr und 13.30 Uhr sei es in einer Grundschule in Lichtenberg geschehen. Während des Unterrichts soll der Fuß des Lehrers am Schienbein des Schülers gelandet sein.

Der Lehrer zeigte sich vor der Richterin nur flüsternd

Leon (12, alle Namen geändert) als zweites mutmaßliches Opfer. Am 10. August 2020, gegen 11.28 Uhr, soll der Pauker ausgetickt sein. Anklage: „Er zog während des Unterrichts den Stuhl, auf dem Schüler Leon saß, derart weg, dass er auf den Boden fiel.“ Leon habe Schmerzen am Ellenbogen erlitten.

Der Lehrer zeigte sich vor der Richterin nur flüsternd. Er tuschelte mit seinem Verteidiger, der erklärte: Was D. vorgeworfen wird, habe er niemals gemacht.

Lesen Sie auch: Sie soll Jeffrey Epstein beim sexuellen Missbrauch geholfen haben – jetzt steht Ghislaine Maxwell vor Gericht>>

Tatsächlich habe der Lehrer einige Schüler häufiger ermahnen und zur Konfliktlösung auch in die Schulstation schicken müssen. Wenn sich dann ein Fünftklässler frech nicht rührte, „drehte er manchmal den Stuhl in Richtung Tür“. Körperliche Attacken aber habe es nicht gegeben.

Ganz anders der Lehrer: „Schüler lassen sich fallen, eine Inszenierung.“ Sie würden dann laut schreien „Anzeige!“ oder „Ich verklage Sie!“ Die Klassensprecherin habe es mal so beschrieben: „Ist ein Spaß und an der Schule üblich.“

Tritt wegen eines Papierfliegers

Dennis nun als Zeuge: „Ich wollte was fragen, er trat mich. Warum weiß ich nicht.“ Etwas anders die Aussage von Dennis bei der Polizei – da segelte ein Papierflieger durchs Klassenzimmer, auf den D. mit einem Tritt reagiert habe.

Lesen Sie auch: Zoll nimmt Drogenhändler-Bande hoch>>

Leon zur Richterin: „Er hat Dennis verletzt, weil er ein bisschen störte.“ Die Richterin: „Ließen sich Kinder mal einfach so fallen?“ Leon: „Nein.“ Nur einer rief, wenn sich der Lehrer näherte: „Anzeige ist schon raus!“ Die Richterin: „Wurdest du mal vom Stuhl gerissen?“ Leon: „Glaube ich nicht.“

Widersprüche und offene Fragen – schließlich stellte die Richterin das Verfahren mit Zustimmung aller Prozessbeteiligten gegen Zahlung von 2450 Euro ein.