Vier besondere Berlin-Kalender: Schornsteinfeger mit schwarzen Tieren, der „Berliner Nacktkalender '21“, Varieté-Männer mit Hunden und der Kalender „Stadt Wildnis Berlin“, der Wildwuchs in der Hauptstadt zeigt. Fotos: zVg, Montage: BK

Der dritte Advent steht vor der Tür – wer noch nicht damit begonnen hat, sollte langsam anfangen, sich um die Weihnachtsgeschenke zu kümmern. Aber: Was schenkt man einem Berliner, der schon alles hat? Die Antwort: Ein Stück Hauptstadt für die Wand! Denn: Auch für das kommende Jahr gibt es Kalender, die mit schrägen Ideen durch das Jahr führen. KURIER stellt einige Exemplare vor.

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Manchmal scheint es, als sei die große Ära der Nacktkalender vorbei, entblößte Models ein Relikt der 90er-Jahre. Doch für das Jahr 2021 wird dem Zeigen von Haut eine völlig neue Seite abgewonnen: Für den „Berliner Nacktkalender ‘21“ standen nicht professionelle Models vor der Linse, sondern echte Berliner! Hinter dem Projekt steckt die holländische Fotografin Lara Verheijden, die solche Nackedei-Kalender in den vergangenen Jahren bereits mit Menschen aus Amsterdam produzierte.

Familien-Idylle? Dieses Motiv ziert den Oktober des Berliner Nacktkalender. Foto: zVg/Lara Verheijden

Seit ihrem 16. Lebensjahr fotografiert sie, spezialisierte sich auf Porträts und Nacktbilder. „Ich mochte die Idee, hochwertige Bilder mit einem eher langweiligen Alltagsgegenstand – dem Kalender – zu kombinieren.“ Vor drei Jahren kam ihr erster Amsterdamer Nacktkalender auf den Markt, und schon damals habe sie die Idee gehabt, auch Nackedeis in anderen Städten abzulichten. „Berlin war der logische nächste Schritt. Die Stadt hat eine liberale Einstellung zu Sex und nackten Körpern.“

Fotografin Lara Verheijden hat den Nackedei-Kalender produziert - in den vergangenen Jahren gab es das Projekt schon in Amsterdam. Foto: privat/Sascha Heintze

Per Aufruf suchte sie nach Modellen, aber nicht nach Profis. „Ich mag schöne Menschen – und schön kann einfach jeder sein“, sagt sie. „Ich habe nicht gegen Models, aber es ist einfach so, dass viele wirklich schöne Menschen gar keine Models sind.“ Manche der Leute in ihrem Kalender seien Freunde oder Bekannte – oder aber Berliner, die auf ihren Aufruf reagierten. Das Ergebnis der Shootings ist im Netz zu haben – für 45 Euro unter thenudecalendarproject.com.

Für den Kalender von Tierheim und Schornsteinfeger-Innung ließen sich Berlins Essenkehrer mit schwarzen Tieren ablichten. Foto: Schornsteinfegerinnung Berlin

Es gibt allerdings auch Berliner Kalenderprojekte, bei denen Nacktheit nicht im Fokus steht, sondern sogar Pelz getragen wird. Weil die Models keine Menschen sind, sondern Hunde! Einer dieser Kalender wurde erst im Oktober im Tierheim in Falkenberg produziert (KURIER berichtete). Weil der Deutsche Tierschutzbund darauf aufmerksam machte, dass schwarze Hunde und Katzen aufgrund von Aberglaube und Vorurteilen schwerer vermittelt werden, ließen sich Berlins Schornsteinfeger mit den Tieren ablichten.

„Vorsicht, große Scheiße!“ Der Tageskalender von „Notes of Berlin“ versammelt Zettel aus dem Stadtbild. Foto: Notes of Berlin

„Wir bringen schließlich Glück“, sagte Norbert Skrobeck (60), seit Jahrzehnten auf den Dächern Berlins unterwegs, dem KURIER. „Und wollen so darauf aufmerksam machen, dass diese Tiere auch vermittelt werden müssen. Ich empfinde es als Katastrophe, dass Tiere abgegeben werden, weil die Leute nicht damit klarkommen.“ Den Kalender gibt es für 9,95 Euro unter www.schornsteinfeger-berlin.de.

Schöne Männer mit schönen Hunden: Mit dem Kalender macht sich der Tierschutzverein „Animal Eden“ stark für Tierversuchs-Tiere. Foto: Animal Eden

Auch im Berliner Varieté Wintergarten hatten einige Hunde für ein Kalender-Shooting einen großen Auftritt. Hier fotografierte der Tierschutzverein „Animal Eden“ Varieté-Künstler mit tierischen Begleitern. Es gehe um „schöne Männer, die zusammen mit Tierschutzhunden die Innigkeit und Gleichwertigkeit von menschlichem und tierischem Leben zeigen“, heißt es. Der Erlös aus dem Verkauf (29,90 Euro plus Porto, www.animaleden-derkalender.de) kommt komplett Tierversuchsopfern zugute.

Auf dem August-Blatt von „Aus der Zeit gefallen“ ist Kultursenator Klaus Lederer als historisches Porträt zu sehen. Foto: Kaiser&Plain

Auch mit einem Projekt der Musiker David Kaiser und Virginia Plain, die regelmäßig im BKA-Theater am Mehringdamm auf der Bühne stehen, wird Gutes getan: Der Erlös des Kalenders „Aus der Zeit gefallen“, in dem Berliner Promis in Form historischer Gemälde abgebildet sind, geht an „Evas Obdach“, eine Berliner Notübernachtungsstelle für Frauen. Bestellt werden kann das gute Stück für 30 Euro (plus 5 Euro Versand) unter kalender@kaiser-und-plain.de.

Der Kalender „Gelbsucht“ vom Verlag Calvendo zeigt gelbe Dinge im Berliner Stadtbild. Foto: Calvendo

Ein Dauerbrenner im Stadtgespräch ist auch der Kalender von „Notes of Berlin“ – das Internet-Projekt sammelt seit inzwischen zehn Jahren witzige Zettel aus Hausfluren, von Ampelmasten und Hauswänden. Der passende Tageskalender ist für 24,80 Euro unter www.notesofberlin.com erhältlich. Versammelt sind Fundstücke aus dem Archiv der Zettelwirtschaft. Für skurrile Berlin-Kalender ist auch der Verlag Calvendo eine gute Quelle – hier finden sich neben einem Berliner Eichhörnchen-Kalender und einem Kalender mit Bildern von Wildwuchs-Ecken in der Stadt auch der Kalender „Gelbsucht“, für den gelbe Dinge im Stadtbild fotografiert wurden. Die Stücke sind in vielen Buchhandlungen und Online-Shops zu haben.