Spitzenkoch Tim Raue macht sich Sorgen um seine Restaurants. Foto: dpa

Hunderte Berliner Restaurants müssen wegen der Corona-Krise um ihre Existenz bangen. Mit einem flehenden Brief appellieren mehr als 160 Gastronomen an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD): Helfen Sie uns, sonst ist der Ofen aus.  

Die Lage in Berlins Küchen ist dramatisch, und womöglich werden sich bald auch Gerichte damit beschäftigen müssen. Prominente Gastronomen wie Tim Raue („Brasserie Colette“, „Villa Kellermann“), Boris Radczun und Stephan Landwehr („Grill Royal“) sowie Heinz Gindullis („Cookies Cream“) beschreiben ihre Situation ungeschönt so: „… wir stehen bereits jetzt mit dem Rücken an der Wand. Unsere Existenz ist dramatisch gefährdet, denn ohne Buchungen und Gäste schauen wir in leere Kassen und Konten, sehen die stillen Räume unserer geschlossenen Betriebe und wissen schon jetzt nicht, wie wir und unsere MitarbeiterInnen den Monatswechsel überstehen werden, geschweige denn, wie wir die anstehenden Miet- und sonstigen Zahlungen des neuen Monats leisten sollen.“
„Das Wasser steht uns buchstäblich bis zum Hals“, so die Gastonomen-Gruppe, zu der nicht nur prominente Wirte zählen, sondern auch Vertreter so bodenständiger Lokale wie   „Restaurant Papaya am Boxhagener Platz“ oder auch „Lausebengel Berlin“.

Stephan Landwehr (mit Hut) und Boris Radczun („Grill Royal“) wissen nicht, ob sie im April die Löhne für ihre Mitarbeiter zahlen können.
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Was die Unternehmer fordern, dürfte Müller kaum schmecken, auch wenn er grundsätzlich Sympathie für die Restaurantszene aufbringt. Die Gastronomen erwarten unter anderem Soforthilfen, einen Nothilfefond, „um Liquiditätsengpässe abzufangen“, sofortige „Kostenübernahme der Bruttogehälter“, Fortzahlungen für ausgefallene Arbeitsstunden „unserer Minijobber*innen“, Bürgschaften für Miet- und Pachtverpflichtungen. Außerdem wollen sie die Gewerbe- und Körperschaftssteuer-Vorauszahlungen zurückbezahlt bekommen. Kommt keine Hilfe, könnte für viele Betriebe schon im April der Ofen aus sein.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sprach von einer gewaltigen Herausforderung, nicht nur für die Gastronomie. Der Staat werde nicht unbegrenzt für jeden Ausfall geradestehen können. Es sei aber schon Hilfe auf den Weg gebracht. Pop: „Wir appellieren aber auch an alle Unternehmen, ihre eigenen Möglichkeiten zu nutzen: die eigenen Rücklagen nutzen, Kredite der Hausbank beantragen und wo nötig Kurzarbeitergeld beantragen.“ Mehrere Start-ups planen, Restaurants mit Gutscheinplattformen zu retten.