Viele wünschen sich einen Hund, doch den Tieren tut das gar nicht gut. Foto: Imago/Cavan Images

Das Bedürfnis nach Haustieren ist im Corona-Lockdown so groß wie nie zuvor. Denn viele fühlen sich einsam. Einem Menschenschlag spielt das besonders in die Karten: Illegalen Welpenhändlern. Denn der Handel boomte im vergangenen Jahr wie nie zuvor. Auch der KURIER berichtete regelmäßig über das Phänomen. Nun gibt es eine neue Studie, die schockiert.

Die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ hat die Entwicklungen zum Thema Welpenhandel genauestens untersucht. Eine repräsentative Umfrage zeigt: 15 Prozent der Deutschen haben sich im Lockdown einen Hund zugelegt, die meisten einen Welpen. 14 Prozent kauften ihr Tier über das Internet, gingen also auf Angebote auf Kleinanzeigen-Portalen oder in sozialen Netzwerken ein.

50 Prozent der Hunde zeigen auffälliges Verhalten, leiden unter Angststörungen

Schockierend dabei: Wie die Befragung ergab, zeigen 50 Prozent der Hunde auffälliges Verhalten, dazu gehören etwa Angststörungen. Der Grund: Viele dieser Hunde kommen aus illegalen Zuchtstationen im Ausland, vor allem in Ost-Ländern. Hier werden sie unter grausamen Bedingungen vermehrt, viel zu früh von ihren Müttern getrennt. Dann geht es im Transporter Tausende Kilometer quer durch Europa. „Dadurch, dass die Welpen viel zu kurz gesäugt werden, kein Sozialverhalten lernen können und bei der Aufzucht und dem Transport extrem nachlässig behandelt werden, entstehen bei den Tieren nachhaltige Angst- und Verhaltensstörungen“, heißt es in einer Mitteilung von „Vier Pfoten“. Zudem seien viele der Welpen schon vor dem Verkauf schwer krank.

„Die Wahrscheinlichkeit, ein krankes Tier zu bekommen, ist bei online inserierten Welpen wie beim Münzwurf: 50/50 – nur handelt es sich hierbei um ein fühlendes Lebewesen“, sagt Daniela Schneider, Heimtier-Expertin bei Vier Pfoten.  „Unsere Umfrage bestätigt, dass etwa die Hälfte der auf Kleinanzeigen-Portalen gekauften Welpen im Nachhinein auffälliges Verhalten zeigte und einige von ihnen sogar starben! Das zeigt wieder einmal sehr deutlich, dass die skrupellose Welpenmafia die Anonymität des Internets ausnutzt, um hier kranke und viel zu junge Tiere zu verkaufen.“

Die Tierschützer fordern ein Verkaufsverbot für Tiere im Internet

Die Tierschützer fordern ein Verkaufsverbot für Tiere im Internet – und gesetzliche Regeln, die dafür sorgen, dass die Anbieter geprüft werden. „Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner muss das Problem endlich angehen und den Online-Handel mit Tieren sicher machen! Nur so kann das Leid von Millionen Tieren und Menschen beendet werden“, sagt Schneider.

Die Tierheime verhängen aufgrund der großen Nachfrage nach Haustieren teilweise sogar einen Vermittlungsstopp. „Wegen der Corona-Krise kommt eine besondere Bedeutung zu“, erklärt Annette Rost, Sprecherin des Berliner Tierheims. Die Nachfrage nach Haustieren sei 2020 enorm gestiegen. „Trotzdem darf man nicht vergessen, dass Tiere Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen sind. Ihre Anschaffung muss wohlüberlegt erfolgen, denn ein Tier kann man nicht in die Ecke stellen und vergessen wie ein ungeliebtes Spielzeug“, sagt Rost.