Ein neunjähriger Junge verdient sein Taschengeld durch Sammeln von Pfandflaschen. In Berlin sind besonders viele Kinder armutsgefährdet.
Ein neunjähriger Junge verdient sein Taschengeld durch Sammeln von Pfandflaschen. In Berlin sind besonders viele Kinder armutsgefährdet. imago 

Die Zahlen sind dramatisch und werden  schlimmer. Vor allem in Berlin stecken junge Menschen oft in der Armutsfalle. Warum das so ist und was das für ihr Leben bedeutet – ein Überblick.

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Wie viele Menschen sind in Berlin armutsgefährdet?

Fast jedes vierte Kind und jeder dritte junge Erwachsene in Berlin sind einer Studie zufolge von Armut bedroht. 2021 waren demnach 143.906 Kinder (23,3 Prozent) und 88.656 junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren (34,2 Prozent) von Armut bedroht, wie aus einer am Donnerstag von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichten Analyse hervorgeht.

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Alleinerziehende und Familien mit mehr als drei Kindern waren der Studie zufolge am stärksten betroffen. Die große Betreuungsverantwortung mache es den Eltern in diesen Fällen oftmals unmöglich, voll erwerbstätig zu sein. Viele von ihnen seien auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen.

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Was bedeutet das Wort armutsgefährdet, wie arm sind diese Menschen?

Als armutsgefährdet gelten Kinder und Jugendliche in Familien mit einem Einkommen unter 60 Prozent des mittleren Haushaltseinkommens in Deutschland. Viele dieser jungen Menschen benötigen staatliche Hilfen, um über die Runden zu kommen.

Was bedeutet die Armut für Kinder und junge Erwachsene?

„Wer als junger Mensch in Armut aufwächst, leidet täglich unter Mangel, Verzicht und Scham und hat zugleich deutlich schlechtere Zukunftsaussichten“, sagte Anette Stein von der Stiftung laut Mitteilung.

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Warum stecken so viele junge Erwachsene in der Armutsfalle?

Viele befinden sich in Ausbildung oder Studium. Ein Blick auf die Quote der Hartz-IV-Bezieher vermittelt laut Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung bei jungen Menschen deshalb auch nur bedingt ein Bild der Lage. Sie beziehen Leistungen wie etwa Bafög oder Wohngeld. Der Anteil der Bezieher von Hartz-IV-Leistungen in dieser Altersgruppe lag bei nur sieben Prozent.

Wie steht Berlin in Sachen Armut im Vergleich da?

Bundesweit gab es 2021 laut der Analyse rund 2,88 Millionen (20,8 Prozent) von Armut bedrohte Kinder und 1,55 Millionen (25,4 Prozent) von Armut bedrohte junge Erwachsene.

Es gibt einen großen Unterschied zwischen Osten und Westen. 32,5 Prozent der jungen Erwachsenen in Ostdeutschland sind armutsgefährdet, in Westdeutschland waren es dagegen im Schnitt 24,2 Prozent. Doch Berlin liegt sogar noch über dem ostdeutschen Schnitt.

Frauen sind der Analyse nach gefährdeter als Männer, in die Armut zu rutschen.

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Für gesunde Mahlzeiten reicht das Geld in Familien, die armutsgefährdet sind, oft nicht aus.
Für gesunde Mahlzeiten reicht das Geld in Familien, die armutsgefährdet sind, oft nicht aus. imago/photothek

Warum steigen die Zahlen der armutsgefährdeten Menschen so rasant?

Die Zahlen der Betroffenen sind nach Angaben der Bertelsmann-Stiftung zuletzt erstmals seit fünf Jahren deutlich gestiegen. Als einen der Hauptgründe nennt die Analyse, dass viele aus der Ukraine geflüchtete Minderjährige hinzukamen.

Was kann gegen die Armutsgefährdung junger Menschen getan werden?

Die geplante Einführung der Kindergrundsicherung müsse „die Verteilung mit der Gießkanne beenden und gezielt denjenigen helfen, die besonders darauf angewiesen sind“, forderte die Bertelsmann-Bildungsexpertin Anette Stein. Sie müsse sich „an den tatsächlichen Bedarfen junger Menschen für gutes Aufwachsen, Bildung und Teilhabe“ orientieren. Höheres Kindergeld bringe dagegen nichts. Dieses komme bei Familien im Hartz-IV-Bezug (jetzt: Bürgergeld) gar nicht an.

In der von der Ampelkoalition geplanten sogenannten Kindergrundsicherung sollen finanzielle Unterstützungsleistungen gebündelt werden. Dazu gehören das Kindergeld, Sozialhilfezahlungen für Kinder, der Kinderzuschlag sowie Teile des Bildungs- und Teilhabepakets. Ziel ist es, durch eine einfachere Struktur und leichteren Zugang mehr Familien zu erreichen und Kinderarmut zu bekämpfen. Erstmals ausgezahlt werden soll die Kindergrundsicherung 2025.

Die Stiftung forderte darüber hinaus von der Regierung weitere Maßnahmen, um die Lage armutsgefährdeter junger Menschen zu verbessern. Dazu zählte sie eine Reform der Ausbildungsförderung Bafög sowie die Einführung einer Ausbildungsgarantie. Beide Projekte seien „unerlässlich“.