Auch Achterbahnen gibt’s bei den Maientagen in der Hasenheide – doch mit dem Rummel-Spaß soll bald Schluss sein. imago/Stefan Zeitz

Hinter Berlins Schaustellern liegt eine schwere Zeit, die ganze Familien ins Unglück zu stürzen drohte: Weil während der Corona-Pandemie Volksfeste nicht stattfinden konnten, mussten Buden-Betreiber in der Hauptstadt und im Umland ums Überleben kämpfen. Nun geht es endlich wieder los, die Saison läuft – doch in Neukölln wird sie mit einer schlechten Nachricht eröffnet. Zwar starten am Freitag die Maientage in der Hasenheide … Doch es soll das letzte Mal sein!

Rummel-Traum vorbei! Die Maientage starten das letzte Mal

Ab heute drehen sich wieder die Karussells in der Hasenheide, laden Bahnen und Fressbuden zum Verweilen ein. Doch es soll das letzte Mal sein! Der Grund: Der Hasenheide gehe es schlecht, teilte Stadtrat Jochen Biedermann (Grüne) bereits Ende März mit. „Die Maientage verursachen trotz aller Bemühungen der Veranstalter erhebliche Schäden und Folgeschäden: Der Boden wird stark verdichtet, die Veranstaltung findet zur Brut- & Aufzuchtzeit vieler Vögel und Fledermäuse statt und andere Flächen werden zusätzlich übernutzt“, hieß es unter anderem.

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Die Parkanlage leide sowieso, auch fernab des Rummels. „Die Hasenheide leidet stark unter dem Klimawandel, vor allem unter der extremen Trockenheit der letzten Jahre. Allein zwischen 2018 und 2020 musste fast jeder zehnte Baum vorzeitig gefällt werden“, schreibt Biedermann. Er sei froh, „dass Neukölln kürzlich den Zuschlag für das Pilotprojekt ‚Klimaresiliente Hasenheide‘ erhalten hat, das im Rahmen des Bundesprogramms ,Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel‘ mit über 5 Millionen Euro gefördert wird.“

Das Ende vom Lied: „Auch wenn ich viele gute Erinnerungen an die Maientage habe, so kann es doch keine andere Entscheidung geben. Volksfeste wie die Maientage gehören zu und nach Berlin, aber sie gehören nicht (mehr) mitten in eine sensible Grünanlage.“ Der Bezirk wolle sich für einen neuen Standort einsetzen.

Zahlreiche Besucher kommen jedes Jahr zu den Neuköllner Maientagen. imago/Stefan Zeitz

Im Internet wurde nun eine Petition für die Rettung der Maientage ins Leben gerufen. Denn: Die Bezirkspolitiker hätten sich dafür ausgesprochen, dass es den Rummel auch weiterhin geben soll. „Darum kommt es jetzt darauf an, dieses Versprechen einzufordern. Es geht darum, dass Bezirk und Stadt für die Neuköllner Maientage einen neuen Platz bereitstellen“, heißt es auf der Website www.rettet-die-maientage.de.

Findet sich ein neuer Ort für die Maientage aus der Hasenheide?

„Das könnte zum Beispiel das Tempelhofer Feld sein; in unmittelbarer Nachbarschaft der Hasenheide am Columbiadamm. Ein Teil dieses ehemaligen Flughafens gehört zum Bezirk Neukölln. Die Politiker könnten also auf die Landespolitik zugehen und gemeinsam eine Lösung verabreden.“

Doch wer Berlins Verhältnis zum Rummel kennt, der weiß: Das dürfte nicht leicht werden. Bereits während der Corona-Pandemie gingen Berlins Schausteller auf die Straße, weil sie einen Platz für ihre Geschäfte suchten. Da forschte auch der KURIER nach, ob das Tempelhofer Feld eine Möglichkeit sein könnte.

Die Nachfrage bei der landeseigenen Grün Berlin GmbH ergab: „Auf dem Tempelhofer Feld bietet das Gesetz für den Erhalt des Tempelhofer Feldes keinen Spielraum für eine kommerzielle Nutzung“, teilt eine Sprecherin mit. „Davon nicht betroffen ist das betonierte Vorfeld, das jedoch nicht durch Grün Berlin, sondern die Tempelhof Projekt GmbH bewirtschaftet wird.“

Für das Tempelhofer Feld lehnte man Rummel-Pläne immer ab

Bei der Tempelhof Projekt GmbH argumentierte man mit Bauarbeiten, geplanten anderen Veranstaltungen und einem strategischen Entwicklungskonzept für das Gelände, beschlossen 2020. „Damit wurden inhaltliche Setzungen geschaffen, auf deren Grundlage THF schrittweise als Ort für Kunst, Kultur, Kreativwirtschaft und zur Unterbringung der öffentlichen Verwaltung genutzt werden soll. Aus unserer Sicht – und der Sicht unseres Auftraggebers – passen Volksfeste nicht in dieses Entwicklungskonzept“, heißt es.

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Nun hoffen die Veranstalter, dass möglichst viele Berliner unterschreiben. „Die Regierende Bürgermeisterin von Berlin, Franziska Giffey, hat sich einst, als sie noch Bezirksbürgermeisterin von Neukölln war, immer für den Erhalt der Neuköllner Maientage eingesetzt“, heißt es auf der Petitionsseite. „Auch ihr Nachfolger und Parteifreund Martin Hikel hat sich für den Verbleib des Volksfestes im Bezirk ausgesprochen. Es kommt jetzt also darauf an, dass schnell gehandelt wird – über Parteigrenzen hinweg. Dafür braucht es Unterstützung aus der Bevölkerung – von uns allen. Lasst Euch die Neuköllner Maientage nicht wegnehmen!“