Felicitas Hänel (13) mit ihrer Mama Stephanie (41), gemeinsam gehen sie durch dick und dünn. Foto: Berliner KURIER/Sabine Gudath

Gerade erst ist Felicitas Hänel 13 Jahre alt geworden – und schon jetzt liegt eine Geschichte hinter ihr, die andere in die Knie zwingen würde. Im Februar bekam das Mädchen, das alle „Feli“ nennen, die Diagnose Leukämie. Für sie und ihre Familie brach eine Welt zusammen. Eine lange Chemo folgte, lange Aufenthalte in der Klinik – ohne Erfolg. Nun muss ein bestimmtes Medikament her, um eine weitere Behandlung zu ermöglichen. Freunde von Feli sammeln deshalb Spenden im Netz. 

„Wir sind momentan einfach nur überwältigt von der Spendenbereitschaft und den Hilfsangeboten, die wir bekommen haben“, sagt Felis Mutter Stephanie Hänel (41) dem KURIER. „Es ist großartig, wenn man sieht, wie lieb und toll viele Menschen sind. Momentan wachen wir morgens gefasst auf, realisieren aber jeden Tag, was in unserem Leben gerade passiert. Der Rückhalt hilft.“

Im Februar bekam Felicitas die Diagnose Leukämie

Im Februar bekam Feli, die gerade 13 Jahre alt wurde, die niederschmetternde Diagnose: Leukämie. „Es waren Ferien. Am 4. Februar war Feli Shoppen mit ihren Freundinnen“, erzählt Mama Stephanie. „Am 5. Februar gingen wir zum HNO-Arzt, weil sie geschwollene Mandeln hatte und Flecken an den Beinen.“ Die Ärztin habe sofort reagiert, Blut für einen Test abgenommen. „Der Anruf kam schon zwei Stunden später. Wir mussten sofort ins Krankenhaus, auf die Onkologie.“

Die Diagnose: Leukämie, eine aggressive und schwere Form. Ein Schock sei es gewesen, für die Familie, aber vor allem für das Mädchen. „Sie hat mich verängstigt angeschaut und fragte, ob sie jetzt die Haare verliert und sterben muss. Man kann als Mutter zwar schauspielern, aber das Kind kennt einen doch.“ Zudem ahnte Hänel, was bevorstehen sollte: Sie arbeitete selbst als Krankenschwester in der Charité.

Bei den normalsten Alltagstätigkeiten muss Felicitas eine Maske tragen, weil ihr Immunsystem von den Chemotherapien zerstört ist. Foto: Berliner KURIER/Sabine Gudath

Ihren Job hatte sie erst im Dezember gekündigt, um in einem Klinikum näher am Wohnort neu anzufangen. Doch der neue Job wurde vorerst auf Eis gelegt, stattdessen kümmerte sie sich in den folgenden Monaten um Feli. Eine erste Chemotherapie folgte, der Erfolg blieb allerdings aus. „Eine schreckliche Zeit, es war Horror“, sagt Hänel. „Durch die Medikamente sah Feli aus, als wäre sie verbrannt.“ Immer wieder: Untersuchungen, Therapien, Hoffnung und Enttäuschung.

Von der Therapie hat sie sich erholt, doch der Krebs ruht nicht. Hoffnung gibt eine spezielle Form der Chemotherapie, die auf Felis Leukämiezellen bereits getestet wurde – die Behandlung schlug an. „Das Medikament ist aber für Felis Erkrankung nicht zugelassen. Die Krankenkasse prüft unseren Antrag, aber wir können so lange nicht warten“, sagt sie. „Die letzte Chemo ist fünf Wochen her – schon in zwei, drei, fünf Tagen können die Krebszellen wieder die Oberhand gewinnen.“ Die Chemo sei wichtig, um Feli für die nötige Knochenmarktransplantation vorzubereiten.

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Freunde der Familie starteten deshalb die Spendenkampagne „Feli soll leben!“, die Resonanz: überwältigend. Mehr als 80.000 Euro kamen inzwischen zusammen. „Damit können wir die Therapie erst einmal bezahlen. Am Mittwoch wollen die Ärzte entscheiden, ob wir noch am gleichen Tag damit beginnen können.“ Und das Sammeln geht weiter. Am 26. September gibt es an einer HEM-Tankstelle in Schwanebeck etwa eine Autowasch-Aktion: Jugendliche waschen hier Autos, putzen Scheiben und saugen, nebenbei gibt’s Kuchen, Bockwurst und T-Shirts gegen Spende.

Auch das Haus von Felis Familie muss umgebaut werden

Aus Mediziner-Kreisen erfuhr der KURIER, dass man optimistisch ist, dass die Krankenkasse die Kosten übernehmen werde. Und auch die Familie bleibt zuversichtlich. Was in dem Fall, dass die Kasse zahlt,  mit dem Geld passiert, kann auch Stephanie Hänel noch nicht sagen. „Darüber denken wir erst nach, wenn es so weit ist. Aber Feli hat auf jeden Fall gesagt, dass sie etwas spenden möchte.“

Zudem müsse das Haus der Familie umgebaut werden. „Denn es ist sehr alt. Der Teppichbelag muss etwa raus, weil das nach der Chemo nicht hygienisch genug ist. Und Feli muss zeitweise im Rollstuhl sitzen, weil ihr die Kraft fehlt, auch dafür sind Umbauten nötig.“ Zudem musste die Familie einen Kredit aufnehmen, um über die Runden zu kommen und Feli einen Herzenswunsch zu erfüllen: Sie wünschte sich einen eigenen Wohnwagen als kleinen Rückzugsort. Ein anderer Wunsch des Mädchens lässt sich finanziell derzeit noch nicht stemmen: Die 13-Jährige möchte einmal in ihrem Leben in das Disneyland in Paris reisen.

Dramatisches Vorher-nachher-Bild: Feli vor der Diagnose (links) und während der Chemotherapie. Fotos: privat

Der Rückhalt der vielen Spender hilft der ganzen Familie. Denn auch Felis kleiner Bruder und ihre große Schwester leiden sehr unter den Umständen. „Wir sind einfach nur dankbar für alles“, sagt Hänel. „Auch und vor allem für die Unterstützung der Kinderonkologie im Helios-Klinikum Buch. Wenn man die Station betritt, schlägt einem so viel Liebe und Wärme entgegen. Aber es macht auch nachdenklich: So viele Kinder leiden an schweren Krankheiten und es werden immer mehr.“ Alle Eltern, sagt Hänel, müssen deshalb gut auf ihre Kinder achten. Und hoffen, dass ihnen eine Leidensgeschichte wie die von Feli erspart bleibt.