Alexandra und Bernd Seidel mit dem Kronleuchter, der nun den Besitzer wechseln soll. Foto: Berliner KURIER/Gerd Engelsmann

Sie wollten schon immer mit einem Kronleuchter Ihr Wohnzimmer schmücken? Dann kommt jetzt die Gelegenheit – allerdings nur für dicke Geldbörsen. Am Wochenende steigt in Potsdam die Messe „Art&Antique“, bei der Kunsthändler ihre Schätze an den Mann bringen wollen. Unter den Schmuckstücken: Ein Leuchter, der vermutlich im Berliner Stadtschloss hing!

Von diesem besonderen Leuchter ließ sich schon das königliche Berlin erhellen – nun soll das Kunstwerk aus versilbertem Messing und Glas einen Sammler oder eine Sammlerin glücklich machen. Angeboten wird der Kronleuchter von der Firma „Seidel und Sohn“ – Bernd Seidel (80) führt das Familiengeschäft, gegründet 1905 von seinem Großvater, in der dritten Generation.

„Den Kronleuchter kaufte ich vor etwa zwei Jahren einem Sammler aus Potsdam ab“, erzählt er dem KURIER. „Der Überlieferung zufolge hing er zu Zeiten von Friedrich II. im Stadtschloss. Woher der Mann, von dem ich ihn bekam, den Leuchter hatte, kann ich nicht mehr sagen.“ Wohl aber, wie ein Kronleuchter aus dem Schloss überhaupt in private Hände kommen konnte. „Auch früher wurden die Räume in Schlossern immer wieder modernisiert. Der alte Plunder kam raus, neues kam rein. Objekte wie dieses wurden dann an verdiente Kammerherren abgegeben – und die verkauften sie später unter Umständen weiter.“ Heute ist der „alte Plunder“ ein Sammlerstück und äußerst wertvoll. Für 24.500 Euro soll der Kronleuchter am Wochenende den Besitzer wechseln. „Das ist gar nicht so teuer“, sagt Seidel. „Solche Leuchter haben schon früher sehr viel Geld gekostet.“

Der Kronleuchter wurde längst elektrifiziert, enthält nun sogar neue Kabel. Foto: Berliner KURIER/Gerd Engelsmann

Wer auch immer das Kunstobjekt kauft, hat leichtes Spiel. „Der Leuchter war bereits elektrifiziert, als wir ihn bekamen. Die Kabel darin waren aber noch uralt. Es war lebensgefährlich, das Ding überhaupt anzuschalten.“ Deshalb tauschte Seidel bereits das Innenleben aus. Wer so etwas kauft? „In einer Altbauwohnung macht sich das sicher gut. Unsere Decken hier sind mit 2,70 Metern etwas niedrig.“ Seidels Tochter Alexandra (52), die mit ihrem Vater das Geschäft führt, habe sich schon den Kopf gestoßen, sagt sie und lächelt. „Wir haben hier eben kein Schloss“, sagt ihr Vater.

Dieses Marmorrelief des venezianischen Bildhauers Giovanni Bonazza, datiert auf das Jahr 1714, ist für 45.000 Euro zu haben. Foto: Berliner KURIER/Gerd Engelsmann

Stattdessen wirkt das kleine Ladenlokal in der Keithstraße wie ein Museum. Große Glasvitrinen, viele Objekte, jedes hat eine eigene Geschichte. Überall alte Helme, Schwerter, Gemälde, Kunstobjekte, mehrere Jahrhunderte alt. „Sie könnten auch einfach eine Kordel vor den Eingang hängen und Eintritt verlangen“, sagt der KURIER-Fotograf. Seidel lächelt – den Witz hört er nicht zum ersten Mal.

In den Verkauf sollen auf der „Art&Antiques“ (2. bis 4. Oktober, tgl. 11 bis 19 Uhr, Palais am Stadthaus Potsdam) auch zwei Sessel aus dem italienischen Quirinalpalast in Rom gehen, der Sommerresidenz der Päpste. Aus Holz geschnitzt, reich verziert, vergoldet und gepolstert, Preis: 24.500 Euro. Außerdem eine „Reisekassette für Wertobjekte“ – eine Truhe, in der Anfang des 18. Jahrhunderts Geld, Dokumente und Schmuck aufbewahrt worden. „Man konnte sie sogar am Boden festschrauben, damit sie nicht einfach gestohlen werden konnte“, sagt Seidel. Preis: 25.000 Euro. Und auch ein „königlich preußischer schwarzer Adler“ wechselt hoffentlich den Besitzer – die etwas speziellere, aus Holz geschnitzte, 90 Zentimeter hohe Wanddekoration ist für 16.500 Euro zu haben. Wem das nicht reicht: Ein Marmorrelief des venezianischen Bildhauers Giovanni Bonazza, datiert auf das Jahr 1714, gibt es für 45.000 Euro.

Dieser „königlich preußische schwarze Adler“ ist für 16.500 Euro zu haben. Foto: Berliner KURIER/Gerd Engelsmann

Doch eines der speziellsten Stücke bleibt der Leuchter aus dem Schloss. Zur Messe wird er hängend transportiert – in einer großen Kiste. Alles andere wäre zu gefährlich. „Darum kümmert sich eine Spedition“, sagt Alexandra Seidel. Die Kunsthändler hoffen nun, dass viele Käufer kommen, dass sie ihre wertvollen Schätze loswerden können. Denn die Corona-Krise verhagelte auch ihnen in den letzten Monaten das Geschäft. Käufer, die sonst aus der ganzen Welt kommen, um das eine oder andere Schmuckstück zu erstehen, konnten nicht anreisen. „Und wenn man sich die Zahlen anschaut, könnte die Messe am Wochenende für längere Zeit die letzte sein.“