Die Angeklagte Katharina B. vor Gericht Pressefoto Wagner

Sie kratzten verzweifelt an der Tür, sie bellten, winselten: Tayo und Kira waren eingesperrt. Allein gelassen. Drei Wochen lang. Als Retter kamen, lag Spitz-Mix Kira (6) tot in Exkrementen.

Ein Polizist (40) beschrieb nun vor Gericht: „Bestialischer Gestank, alles zugekotet. Ein Tier tot, das andere dem Tode nahe. Sie waren im Wohnzimmer eingesperrt.“

Ein entsetzlicher Fall von Tierquälerei in Reinickendorf. Angeklagt ist eine Verkäuferin: Katharina B. (32). Sie und ihre Ex-Partnerin hatten sich die Hunde vor einigen Jahren zugelegt.

Man hörte die Hunde kratzen und bellen

Als die Beziehung der Frauen in die Brüche ging, blieben Tayo und Kira bei Katharina B. – in Absprache, so ihre Ex (29). Erzieherin D.: „Ich habe ihr vertraut. Sie versicherte, dass sie sich um die Hunde kümmert. Ich zahlte die Hundesteuer, bot weitere Hilfe an – zum Beispiel Geld für Futter.“

Mai 2020. Die Erzieherin war auf der Suche nach einem neuen Hund. Ihr fiel eine Anzeige auf: „100 Euro wollte eine Anbieterin aus Berlin für ein Tier.“ Sie stutzte, denn die Beschreibung der beiden angebotenen Hunde passte ziemlich genau auf Kira und Tayo. Sie schrieb ihrer Ex, erhielt jedoch keine Antwort und machte sich große Sorgen.

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Die Erzieherin: „Ich fuhr hin, klingelte, nichts.“ Sie ging um das Mehrfamilienhaus – „man hörte einen Hund kratzen und bellen“. Mit einer Nachbarin ging sie dann in die Wohnung. Ihr stockte der Atem: „Eine unglaubliche Verwahrlosung. Kot und Urin überall, Fetzen von Schaumstoff.“ An der Loggia-Tür lag Kira – „sie stand nicht mehr auf“.

Nachbarin, die mit in der Wohnung war, wird die Bilder nicht los

Tayo wurde gerettet. Die Erzieherin: „Das Fell hing herunter, die Nase war eingetrocknet. Er schleckte viele Wasserschüsseln aus.“ Sie befreiten ihn von Fäkalien.

Die Nachbarin, die mit in der Wohnung war, wird die Bilder nicht los: „Grausam! Ich träume nachts davon.“ Nachdenklich die Frau (39): „Vielleicht hätte man eher etwas tun müssen.“ Doch die Wohnung habe von außen nicht verlassen gewirkt: „Es schien alles in Ordnung zu sein. Der Fernseher lief, Licht ging an und aus.“ Tatsächlich war eine Zeitschaltuhr angeschlossen.

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24 Tage lang soll die Verkäuferin Kira und Tayo alleingelassen haben. Die Anklage: „Sie ließ die Hunde im Wohnzimmer zurück und unterließ es, sie zu füttern, zu tränken, auszuführen, zu pflegen.“ Sie habe „durch Unterlassen ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund getötet“. Zugleich habe sie den Tieren „länger anhaltende und sich wiederholende erhebliche Leiden zugefügt“.

Der Verteidiger für die Angeklagte: „Ein großer Fehler, sie ist bis heute noch sehr mitgenommen.“ Mit viel Stress habe Katharina B. damals umgehen müssen, sei krank gewesen und überfordert. „Tiere hat sie seitdem nicht mehr.“

Freispruch forderte der Anwalt: „Es waren die Hunde von Frau D. Sie hatte sie angemeldet, war als Halterin angegeben.“ Die Richterin aber: „Die Angeklagte vernachlässigte die beiden Tiere über einen längeren Zeitraum. Sie hätte sich Hilfe holen können, auch eine Nachbarin aus dem Haus hatte sich angeboten.“ Das Urteil: Wegen Tierquälerei 2400 Euro Strafe.