Nach aktuellem Stand sind in Berlin sieben Schulen geschlossen. Foto: AFP

Am Donnerstagnachmittag war klar, dass die Stimmung unter Deutschlands Bildungspolitikern sich langsam dreht. „Wir können zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausschließen, dass es zu weitreichenden Schulschließungen kommen kann“, sagte Stefanie Hubig, Präsidentin der Kultusministerkonferenz, am Donnerstag nach einer Beratung mit den Ressortkollegen der Länder.

Tagelang hatten Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci, Hubig und andere wiederholt: Flächendeckende Schulschließungen in Deutschland sind nicht geplant. Doch der Druck steigt, genau wie die Zahlen der Infizierten. Ein Drittel aller EU-Länder hat sich inzwischen zu Schul- und Kitaschließungen entschieden. So kündigte Präsident Emmanuel Macron  gestern an, dass ab Montag alle Kindergärten, Schulen, Hochschulen und Universitäten in Frankreich bis auf Weiteres geschlossen werden.

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Hunderte Schüler und Lehrkräfte in Quarantäne

In Niedersachsen empfahl der Krisenstab der Landesregierung Medienberichten zufolge, die Schulen ab Montag bis zum regulären Ende der Osterferien zu schließen. Nicht unwahrscheinlich, dass auch Berlin also bald von seiner Linie abweicht, die bezirklichen Gesundheitsämter im Einzelfall entscheiden zu lassen. Inzwischen sind Hunderte Schüler und Lehrkräfte in Quarantäne. Und die Liste der Schulen, die auf Wochen ganz geschlossen sind, wird täglich länger: Die Senatsschulverwaltung bietet seit Donnerstag auf ihrer Homepage unter „Aktuelles“ Updates an.

So klein und doch so wirkungsvoll. Das Virus legt Schulen in der Stadt lahm. Foto:

Im Bildungsbereich geht Angst um vor einem gewaltigen Chaos bei den Abitur- und anderen Abschlussprüfungen, die in den meisten Bundesländern in den nächsten Wochen beginnen. Könnten sie trotz Schulschließungen unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen stattfinden, wie es der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, vorgeschlagen hat? Oder müssten sie verschoben werden?

Prüfungen sollen stattfinden

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Die Frage brennt besonders Berliner Schülern auf den Nägeln: Hier beginnen die ersten Abiturprüfungen schon am 27. März. Ralf Treptow, Schulleiter des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums und Vorsitzender des Berliner Verbands der Oberstudiendirektoren, sagte: „Es muss die Aufgabe der Bildungspolitik sein, verlässliche Regelungen für das Abitur herzustellen in einer Situation, wo keine verlässliche Planung der nächsten Woche mehr möglich ist.“

In der Kultusministerkonferenz habe man sich darauf geeinigt, dass die angesetzten Prüfungen grundsätzlich stattfinden sollten. Sei das für einzelne Schulen nicht möglich, würden sie nachgeholt. Mit den Hochschulen habe man vereinbart, dass Zulassungsfristen für Abiturienten im Zweifel angepasst werden müssten. „Wir werden mit der Wirtschaft besprechen, dass das gleiche auch für Ausbildungen gilt. Klar sei: „Den Schülerinnen und Schülern dürfen keine Nachteile entstehen.“

Ein Sprecher der Bildungsverwaltung teilte mit, man befinde sich wegen der Abiturprüfung mit Brandenburg in sehr enger Abstimmung: „Ein zusätzlicher Nachprüfungstermin wird vorbereitet.“

Neue Untersuchungsstellen

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Unterdessen war Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci in den neuen Untersuchungsstellen unterwegs. Am Donnerstag besuchte sie die Einrichtungen im Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge in Lichtenberg und im Vivantes-Klinikum Prenzlauer Berg an der Fröbelstraße.

Tags zuvor hatte sie in den DRK-Kliniken Westend am Spandauer Damm vorbeigeschaut. Die neuen Untersuchungsstellen sollen vor allem die regulären Notaufnahmen der Krankenhäuser und auch die niedergelassenen Ärzte entlasten.

Zuletzt war es wiederholt vorgekommen, dass Notaufnahmen vorübergehend geschlossen werden mussten, weil sich ein Infizierter dort aufgehalten hatte. Krankenhauspersonal wurde in die häusliche Isolierung geschickt, um eine mögliche Verbreitung des Virus zu verlangsamen.