Rongrong und ihr Mann Ralf Szydlewski züchten exotische Gemüse und Kräuter, ihr Start-up heißt „Fresh Tasia“. Foto: Sabine Gudath

In einer ehemaligen Gärtnerei in Kladow hat Rongrong Szydlewski gefunden, was sie jahrelang gesucht hat. Besser gesagt: Sie hat das 1400 Quadratmeter große Gewächshaus nach ihren Vorstellungen gestaltet, damit sie ihr Lieblingsgemüse auch fernab der Heimat genießen kann. Riesige Schwammgurken hängen von Sträuchern herab, Wasserspinat macht es sich in einem Becken bequem und Heizmaschinen sorgen für die passenden klimatischen Bedingungen. „Für einen solchen Gemüseanbau, wie wir ihn hier betreiben, braucht man vor allem zwei Dinge: Viel Wärme und viel Licht“, sagt Ralf Szydlewski, der Ehemann von Rongrong.

Vor rund einem Jahr haben die beiden ihr Start-up „Fresh Tasia“ gegründet und mit dem Anbau von asiatischen Gemüse- und Kräuterspezialitäten begonnen. Vor allem seiner Frau fehlte es in Deutschland lange Zeit an einer größeren Auswahl an asiatischem Gemüse, erzählt Ralf. „Und wenn es doch mal ein paar exotischere Sorten gab, waren sie entweder nicht ganzjährig verfügbar oder von schlechter Qualität geprägt durch die Importe.“

Rongrong, die gebürtige Chinesin ist und Sprachwissenschaften studiert hat, und Ralf, der als Elektrotechniker arbeitete, erkannten einen Absatzmarkt. „Die Vielfalt an Gemüsen ist so gigantisch. Für mich ist es schwer zu verstehen, dass das bisher nicht aufgegriffen wurde. Das lag vielleicht auch an der einhelligen Meinung, dass Fleisch und Fisch auf den Teller gehören. Das wandelt sich jetzt aber langsam“, sagt Ralf. In China liege der pro Kopf Verbrauch von Gemüse pro Tag bei einem halben Kilo. „In Deutschland ist man von dieser Zahl noch weit entfernt“, sagt Ralf. Laut Statistik des Deutschen Fruchthandelsverbands lag der pro Kopf-Verzehr von Gemüse pro  Tag  2019 bei 360 Gramm.

Rund 15 verschiedene Gemüse und Kräuter bieten die Szydlewskis auf ihrer Webseite und in bisher vier ausgewählten Märkten in Berlin an. „Das reicht aber nicht aus. Ein Kunde fährt nicht 20 Kilometer zu einer Verkaufsstelle, um sich dann 1 Kilo Schlangenbohnen für 18 Euro zu kaufen“, sagt Ralf. Auch indischer Spinat und vietnamesischer Koriander sind mit 20 Euro pro Kilo in einer ähnlichen Preiskategorie zu finden. Da für jeden Schwung an importierten Samen aus Asien eine neue Zertifikatsprüfung erforderlich sei, ergäben sich die Preise von „Fresh Tasia“ automatisch. Um ihr Gemüse in mehreren Märkten auslegen und größere Mengen produzieren zu können, wollen die Unternehmer in den kommenden Tagen eine Crowd-Investment-Kampagne starten. Ziel sei es, mindestens 400 Kilogramm Gemüse pro Woche in den Umlauf zu bringen. 900 verschiedene Einzelkunden in ganz Deutschland beliefern die Szydlewskis bereits.

Apfel-Bittermelonen brät man am besten zusammen mit Ei an
Foto: Sabine Gudath

Dazu zählen auch etliche Berliner Fine-Dining-Restaurants wie das „Rutz“ oder das „Grill Royal“. Genau das stellte Rongrong und Ralf zu Beginn der Corona-Zeit aber vor größere Herausforderungen. „Restaurants haben uns bis dato immer die größten Mengen unserer Ware abgenommen“, sagt Ralf. Ihren Shanghai Pak Choi, Pilzkraut oder Apfel-Bittermelonen wollen sie fortan auch verstärkt dem Endverbraucher schmackhaft machen. Gelingen soll das künftig über ein eigenes Rezeptportal, in dem die Fine-Dining-Köche verschiedene Gerichte mit ihrem Gemüse kochen.

Und was bereitet die Chefin selbst am liebsten zu? „In die Shiso-Blätter kann man Fleisch einwickeln. Die Bittermelone ist zwar sehr bitter, aber extrem gesund. Einfach in Scheiben schneiden, ein bisschen Salz draufgeben und mit Ei zusammen braten. Und die Schlangenbohnen eignen sich super für den Grill“, sagt Rongrong.