SPD-Spitzenkandidatin Franziska Giffey im Gedränge vor einem völlig überfüllten Wahllokal in ihrem Wahlkreis in Berlin-Friedrichshain imago/Political-Moments

Was war das denn, Berlin? Um gleich vier Entscheidungen ging es für Wählerinnen und Wähler, und das auch noch in Corona-Zeiten – und ausgerechnet zeitgleich zum Berlin-Marathon mit zahlreichen Straßensperrungen. Die Folge: Bis zum Abend, selbst nach der offiziellen Schließung der Wahllokale, bildeten sich massive Schlangen.

Wahlberechtigte mussten mitunter länger als eine Stunde bis zum Kreuz in der Wahlkabine anstehen. Der Bezirk Mitte meldete für das Wahllokal 100 zeitweise sogar Wartezeiten von mehr als zwei Stunden. Auch kurz vor der Schließung der Wahllokale standen viele Menschen noch an, um ihre Kreuze zu machen.

„Hier stehen noch mindestens 100 Leute. Bei anderen Wahllokalen ist es genau das Gleiche, höre ich von Kollegen.“

Gleich vier Entscheidungen mit entsprechend vielen und teils langen Wahlzetteln standen an. Neben der Bundestagswahl lief auch die Wahl zum Abgeordnetenhaus. Zudem wurde über zwölf Bezirksparlamente neu bestimmt. Außerdem konnten Wählerinnen und Wähler darüber abstimmen, ob große Wohnungskonzerne mit mehr als 3000 Wohnungen enteignet werden sollen. Nach Angaben der Landeswahlleitung gab es in Berlin noch nie so viele Abstimmungen an einem Tag.

Bis Schließung der Wahllokale um 18.00 Uhr konnte nach Angaben aus der Geschäftsstelle der Landeswahlleiterin wählen, wer entsprechend rechtzeitig in der Schlange stand. Das nahmen viele Wähler auch in Anspruch, wie die Leiterin eines Wahllokals in Pankow kurz vor der Schließung sagte. „Hier stehen noch mindestens 100 Leute. Bei anderen Wahllokalen ist es genau das Gleiche, höre ich von Kollegen.“

Fehlende Stimmzettel: Woran es lag, muss noch geklärt werden.

In ihrem Wahllokal hätten Stimmzettel für die Bundestagswahl gefehlt, sagte die Leiterin. Auch ein Mitarbeiter der Landeswahlleitung bestätigte, dass teilweise Stimmzettel in Wahllokalen gefehlt hätten - seines Wissens für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus und den Bezirksverordnetenversammlungen. Wie groß das Problem gewesen sei, sei aber noch unklar. Die Gründe müssten nach der Wahl geklärt werden.

Zu weiteren Verzögerungen beim Ablauf der Wahl führten auch die coronabedingt notwendigen Hygienemaßnahmen. Zudem waren zahlreiche Wahlhelfer abgesprungen, die durch Nachrücker ersetzt werden mussten.

Vertauschte Stimmzettel: Wahllokale mussten zeitweise schließen

Verzögerungen gab es auch durch Pannen. So wurden in einigen Wahllokalen Stimmzettel für die Abgeordnetenhauswahl aus den Bezirken Friedrichshain/Kreuzberg und Charlottenburg/Wilmersdorf vertauscht. Bis die richtigen Stimmzettel vorlagen, mussten die Wahllokale zeitweise schließen.

Nur mit Hilfe der Feuerwehr konnten Wählerinnen und Wähler zweier Wahllokale in Mitte zu Wahlkabinen und Abstimmung gelangen. Wegen Problemen mit der elektronischen Schließanlage kam das Wahlteam nicht rechtzeitig wie geplant in das Gebäude der Mensa Nord des Studierendenwerkes mit den Wahllokalen 102 und 106. „Wir mussten die Feuerwehr rufen, die mit dem Notschlüssel das Gebäude öffnen konnte“, sagte Wahlvorsteher Alexander Radebach der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.