Wer in der Silvesternacht auf die Straße gehen wollte, musste vielerorts besonders vorsichtig sein.
Wer in der Silvesternacht auf die Straße gehen wollte, musste vielerorts besonders vorsichtig sein. Volkmar Otto

Dass diese Silvesternacht heftig wird, war abzusehen. Schon beim Verkaufsstart für Böller und Raketen am 29. Dezember standen die Menschen Schlange. Berlin hatte Lust auf Feuerwerk – und Berlin ließ es krachen. Ob das nun sinnvoll oder unsinnig ist, darüber kann man wunderbar debattieren. Nicht aber über das, was sich in einigen Kiezen abspielte.

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Da griffen Böller-Irre Rettungskräfte mit Feuerwerkskörpern an. Da lockten sie ein Feuerwehrauto in einen Hinterhalt, die Brandbekämpfer, die eine Straßen-Barrikade löschen wollten, mussten fliehen. Videos im Netz zeigen, wie in einigen Straßen kriegsähnliche Zustände herrschten – anstatt Feuerwerksbatterien auf den Boden zu stellen, werden sie aus der Hand gezündet und dazu benutzt, andere zu beschießen. Feuerwerk wird zur Waffe.

Ich bin erschüttert über so viel Dummheit, Ignoranz und Menschenhass

Ich bin erschüttert und wütend über so viel Dummheit, Ignoranz und Menschenhass. Ich liebe Feuerwerk, gebe gern selbst Geld für Raketen aus – und es kotzt mich an, dass solche dämlichen Spinner mit ihren Aktionen die ganze Feuerwerks-Szene in Verruf bringen. Denn: Nicht jeder, der gern knallt, ist automatisch verrückt! Viele, die sich leidenschaftlich mit dem Thema befassen, sehen Feuerwerk als Kunstform an. Sie zaubern Bilder in den Himmel, die jedem ein Staunen entlocken.

Am Vorabend vor dem Jahreswechsel schossen  Jugendliche in der Schöneberger Pallasstraße zahlreiche Raketen in den Nachthimmel.
Am Vorabend vor dem Jahreswechsel schossen Jugendliche in der Schöneberger Pallasstraße zahlreiche Raketen in den Nachthimmel. dpa/Paul Zinken

Doch nun sorgen solche Straßenkampf-Szenen dafür, dass sich die Böller-Debatte immer weiter zuspitzt. Die GdP fordert erneut ein Verbot – und eine solche Forderung kann man angesichts der Silvester-Bilanz niemandem verübeln. Es macht mich traurig, dass die Pyro-Chaoten mit ihren Taten in der Lage sind, am Ende allen anderen die Freude am Feuerwerk zu nehmen. Denn es gibt eben nicht nur solche durchgeknallten Verrückten! Auf der Straße sehe ich aber nicht nur Feuerwerks-Liebhaber, sondern auch Familien, die mit ihren Kindern aus Spaß ein paar bunte Sterne in den Himmel zaubern wollen.

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Sollte man allen die Möglichkeit nehmen, weil sich einige immer wieder mir ihren Taten ins Rampenlicht stellen? Nein. Wie aber löst man das Problem? Vor ein paar Wochen habe ich an dieser Stelle einen Böller-Führerschein vorgeschlagen. Auch GdP-Landeschef Stephan Weh fordert ein Verkaufsverbot für alle, die nicht verantwortungsvoll mit Pyrotechnik hantierten. Feuerwerk nur für jene, die damit umgehen können? Das ist eine hervorragende Idee!

Wer Rettungskräfte mit Feuerwerk beschießt, gehört in den Knast

Schließlich muss auch jeder, der sich in ein Auto setzt, vorher den Führerschein machen – und wenn ich nur einen Minijob im Curry-Imbiss abnehmen will, muss ich eine Hygiene-Schulung ablegen. Warum also nicht auch einen Sachkundenachweis zur Voraussetzung für den Feuerwerkskauf machen – und wer ihn nicht hat oder ihn aufgrund von Fehlverhalten verliert, der bekommt weder Böller, noch Raketen?

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In jedem Fall aber sollte man die Pyro-Chaoten hart bestrafen. Ihre Angriffe können Menschenleben kosten. Und wer in der Silvesternacht absichtlich Passanten und Rettungskräfte beschießt, der ist kein Feuerwerks-Fan mehr, sondern ein Straftäter, der in den Knast gehört.