Thomas K. (23, rechts) und Niklas G. (24) mit Liebespuppe Sarah. Ihre Gesichter wollen die Geschäftsmänner nicht in der Zeitung sehen, denn sie betreiben auch eine Immobilienfirma. Foto: Berliner Kurier / Sabine Gudath

Nicht nur Theater und Kneipen mussten angesichts der Corona-Pandemie schließen, auch Bordelle und andere Etablissements der Lust. Zwei Geschäftsleute schlagen dem ein Schnippchen: Thomas K. (23) und Niklas G. (24) eröffneten im August einen neuen Ausleihservice für Liebespuppen. Die Frauen, die bei ihnen angestellt sind, heißen Sarah, Valerie und Alena. Sie sind blond, brünett und rothaarig, haben große Brüste und eine weiche Haut – und nach dem Sex kommen sie auf den Abwaschtisch!

Ein Ausleihservice für Sexpuppen? Das hört sich im ersten Moment nach einer ziemlich schrägen Idee an. Und tatsächlich: „Das, was wir machen, müssen wir vielen Leuten erstmal erklären“, sagt Thomas K. „Als wir unsere Büroräume anmieten wollten, wurden wir vom Vermieter gefragt, was wir vorhaben. Ich sagte: Wir eröffnen einen Mietservice für lebensechte Liebespuppen. Er antwortete: Ok, Spaß beiseite, und was machen Sie wirklich?“ Doch nach den ersten Verständnisproblemen seien die Irritationen schnell beseitigt. „Schließlich sind wir in Berlin, der Stadt der Freiheit. Und Sex ist schon lange kein Tabuthema mehr“, sagt der junge Geschäftsmann.

Die Sexpuppen sollen auch bisher unerfüllte Fantasien wahr werden lassen, sagt Thomas K. Foto: Berliner KURIER / Sabine Gudath

Thomas K. (23) und sein Geschäftspartner Niklas G. (24) haben die Firma „housedoll“ gegründet – sie vermieten Sexpuppen. Ihre richtigen Namen wollen sie nicht in der Zeitung sehen, denn die Berliner betreiben auch ein Immobilienunternehmen, wollen die  Bereiche lieber nicht miteinander vermischen.

Auf die Idee des Puppen-Escortservice kam K., als er 2019 im Internet herumsurfte. „Dabei bin ich über ein VR-Bordell gestolpert“, sagt er. Ein Online-Spiel, in dem man seine eigenen Charaktere basteln und Geschlechtsverkehr simulieren kann. Außerdem stieß er auf das „Bordoll“, einen Puppen-Puff  in Dortmund. „Die Macherin hatte eigentlich ein echtes Bordell, hat dann aber irgendwann eine Sexpuppe eingekauft – und hatte plötzlich nur noch Buchungen auf die Puppe.“

Alena wartet in einer diskreten Truhe auf Auslieferung. Foto: Berliner KURIER / Sabine Gudath

Die jungen Männer machten sich schlau, kauften bei einer Spezialfirma drei Puppen und starteten ihr Unternehmen. „Die Puppen sind aus TPE, einem speziellen Silikon, das die Körperwärme schnell aufnimmt und wieder abgibt“, sagt Niklas G. „Das Metallskelett im Inneren der Puppen lässt außerdem jede mögliche Haltung zu.“ Die Kunden können die gewünschte Puppe online bestellen, die Körperform, das Outfit und die Haarfarbe wählen. Die aktuellen Modelle Sarah, Valerie und Alena sind rund 1,60 Meter groß und wiegen zwischen 28 und 49 Kilogramm.

Viele Paare wollen einen Dreier, aber ohne Eifersucht

In einer Transportkiste wird das gute Stück hygienisch verpackt ausgeliefert. Seit der Gründung seien die Mieter der Püppchen vor allem Geschäftsleute gewesen, die sich die Spielzeuge in Hotels liefern ließen. Die „menschlichen Dienstleister“ hätten ja nicht zur Verfügung gestanden, sagt K. Aber auch Paare, die sich ohne Eifersucht einen Dreier wünschten, hätten bereits geordert – und natürlich einsame Single-Männer.

Auch Valerie wartet in ihrem Regal schon auf den nächsten Kunden. Foto: Berliner KURIER / Sabine Gudath

Nach der Mietdauer (pro Nacht kostet eine Puppe 189 Euro) kommen die Silikon-Frauen zurück ins Büro, werden professionell gereinigt und desinfiziert, außerdem eingeölt und gepudert. „Das macht die Haut schön weich“, sagt K. Die Nutzung einer UVC-Lampe mit speziellem Schwarzlicht soll garantieren, dass auch wirklich alle Keime abgetötet werden. Für die grobe Vorreinigung ist der Kunde selbst zuständig – wer bucht, erklärt sich damit einverstanden, schon vor der eigentlichen Rückgabe „die Liebesöffnungen der Puppe auszuspülen“, sagt Niklas G.

Nach der Rückgabe werden die Puppen gereinigt und sogar mit UVC-Licht bestrahlt, das Viren abtötet. Foto: Berliner KURIER / Sabine Gudath

Bei ihrem Service geht es den beiden Männern aber nicht nur um den Spaß – sie gestehen ihren leblosen Angestellten auch eine wichtige Funktion zu. „Ein gesundes Sexleben ist für das eigene Wohlergeben wichtig“, sagt Thomas K. Wenn in diesem Teil des Lebens alles funktioniert, wirke sich das auch auf Beruf und Sozialleben aus. „Aber was sollen Menschen tun, die unter sozialen Ängsten leiden? Die sich für ihre Körper schämen oder sich nicht trauen, Frauen anzusprechen? Mit den Puppen können wir jedem den Zugang zu Sex ermöglichen.“ Zudem gebe es viele Singles – und Menschen, die selbst in einer Partnerschaft nicht alle Fantasien ausleben können. „Viele würden sich auch nicht trauen, in ein Bordell zu gehen. Sie würden zum Experimentieren lieber in der eigenen Komfortzone bleiben.“

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Die beiden Berliner wollen ihr Angebot weiter ausbauen, weiteres Sexspielzeug anbieten, außerdem männliche Puppen ins Sortiment aufnehmen, denn die Nachfrage sei groß. Bleibt nur eine Frage offen: Wie fühlt sich Sex mit einer solchen Puppe an? Es sei gut, sagt K. – sogar stimulierender als der echte. Er habe es selbst ausprobiert. „Ich bin da ehrlich“, sagt er und lächelt. „Ich habe vorher in einem Autohaus gearbeitet und Autos verkauft, von denen ich nicht überzeugt war.“ Auch seine Freundin sei einverstanden gewesen – es war ja im Sinne der Produktforschung.