Die Anzeige wurde am späten Dienstagnachmittag auf Facebook veröffentlicht Fotos: BK

Über manche Dinge kann man sogar in Berlin nur mit dem Kopf schütteln. Im Netz sorgt derzeit ein besonderes Wohnungsangebot für Furore. Eigentlich müsste man darüber lachen – aber die Anzeige, die in den sozialen Netzwerken kursiert, ist auch zum Heulen, denn sie ist Ausdruck der katastrophalen Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt. Hier wird ein WG-Zimmer in Neukölln angeboten, zu einem Preis von 100 Euro pro Woche. Ein Traum – auf den ersten Blick. Der Haken: Das „Zimmer“ ist eines der beiden Bäder der WG.

„Wir vermieten eines unserer Badezimmer in einer Top-Lage in der Weserstraße“, heißt es in der Anzeige, die auf Facebook kursiert, „nur 100 Euro pro Woche mit allem inklusive!“ Es möge zwar wie ein seltsames Angebot erscheinen, heißt es weiter. „Aber auf diesem Weg wollen wir den Menschen in Berlin helfen, ein billiges Zimmer auf diesem verrückten Mietmarkt zu bekommen.“

Interessenten können die Matratze des Vormieters übernehmen

Was folgt, hört sich stark nach Satire an – eine KURIER-Anfrage an die Vermieter des gefliesten Schlafzimmers blieb bisher leider unbeantwortet. Es heißt unter anderem, in der WG gebe es zwei Toiletten, die vermietete werde nicht mehr als Klo verwendet. „Aber natürlich können Sie sie gern als Toilette nutzen, wenn Sie wünschen“, schreibt der Anbieter. Es gebe in der WG allerdings einen Dusch-Plan, der auch die Dusche in jenem Badezimmer einschließt. „Während dieser Zeit dürfen Sie auf unserer supergeräumigen L-förmigen Couch entspannen, ein Nickerchen machen oder mit unserem dreibeinigen Hund Jodi spielen.“

Eine Matratze, die in das Badezimmer passt, müsse mitgebracht werden – wenn nicht die des Vormieters übernommen wird. Gäste dürfen mitgebracht werden. „Fabrizio, der derzeitige Mieter, hatte seine Freundin in den letzten sechs Wochen bei sich im Zimmer und sie passte problemlos in die Badewanne mit einigen Decken, die als Matratze dienen.“ Die anderen Mieter der Wohnung seien zwischen 27 und 42 Jahre alt. „Wir sind alle kreative Seelen, die eine Leidenschaft für den Gemeinschaftsgeist und den Akt des Gebens haben. Deshalb haben wir begonnen, unser Badezimmer zugunsten derjenigen aufzugeben, die Schwierigkeiten haben, zu mieten.“

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Unklar ist, ob das Angebot ernst gemeint ist. In der Überschrift heißt es: „Nur ernste Antworten. Wenn Sie das Angebot nicht mögen, schreiben Sie nicht. Wir hatten viele glückliche Mieter in unserem Bad.“ Die Facebook-Nutzer reagieren jedenfalls amüsiert, aber auch empört. „Das muss ein Witz sein“, schreibt einer. Ein anderer: „Man kann eine Toilette nicht wie ein Zimmer vermieten. Wenn ihr anderen Leuten helfen wollt, gebt ihnen den Raum umsonst.“ Andere reagieren wütend. „Ich hoffe, dass ihr euren Mietvertrag verliert und selbst mit dem Miet-Markt kämpfen müsst.“ Mehrere Nutzer forderten das Entfernen der Anzeige - am Abend wurde sie gelöscht.