Sarah Plack bei der Foto-Produktion von Miss Germany 2022 in Hamburg. Foto: Stephan Glathe

Sarah Plack verlor erst in der neunten Schwangerschaftswoche und ein halbes Jahr später in der sechsten Schwangerschaftswoche ein Baby. In ihrer Trauer hat sich die 32-jährige Medizinerin aus Berlin-Friedrichshain dazu entschlossen, anderen Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch zu helfen und die Gesellschaft zu sensibilisieren, offener mit erlittenen Fehlgeburten umzugehen.

Auf ihrem Yotube-Kanal, bei Instagram und auf ihrem Blog (babybauchblog.de) macht sie anhand ihrer eigenen Schicksalsschläge auf das leidvolle Thema aufmerksam. Mit ihrer Mission ist sie kürzlich zur Miss Germany 3.0-Wahl  2022 angetreten und war damit bereits unter den Top 160 von 12.000 Bewerbern aus Deutschland.

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Sarah Plack ist eine lebenslustige junge Frau. Ihr eigener unerfüllter Kinderwunsch hat dazu geführt, dass sie sich nun verstärkt für Frauen einsetzt, die kein Baby bekommen können.

„Es fängt schon damit an, dass Frauen geraten wird, erst nach der 12. Schwangerschaftswoche von ihrem Baby zu erzählen. Es soll niemand wissen, wenn es schief läuft. So als wäre die Frau dann selbst daran schuld“, sagt Sarah Plack empört. Dabei sei eine Fehlgeburt eine enorm psychisch belastende Situation und gerade dann bräuchte die Betroffene Unterstützung.

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Das traurige Schicksal von Sarah Plack und ihrem Ehemann Markus, mit dem sie seit 11 Jahren zusammen lebt,  ist in Deutschland kein Einzelfall. Laut Angaben des Bundesfamilienministeriums ist fast jedes zehnte Paar  zwischen 25 und 59 Jahren ungewollt kinderlos. 

Die junge Medizinerin  berichtet in den sozialen Netzwerken schonungslos offen über ihre beiden Fehlgeburten und hat damit anscheinend einen Nerv getroffen. Bei Instagram hat sie schon mehr als 11.000 Follower und erhält viel Zuspruch auf ihre Beiträge. „Mir schreiben viele Frauen, dass sie auch ihr Baby verloren haben und sich so allein gelassen fühlen“, berichtet Sarah Plack. Doch sie höre auch vereinzelt kritische Stimmen, denen ihre Offenheit nicht gefällt und die ihr mitteilen, „dass sie es nicht verstehen können, dass sie so intime Details von sich preisgibt".  

Zwei Fehlgeburten in der neunten und sechsten Schwangerschaftswoche

Ihre erste Fehlgeburt erlitt Sarah Plack im Oktober 2020 in der neunten Schwangerschaftswoche. „Ich erfuhr bei meiner Frauenärztin während einer Ultraschalluntersuchung davon, dass der Fötus in meinem Bauch nicht mehr lebt. Diese Nachricht hatte mich völlig aus der Bahn geworfen und ich brauchte lange, um mich von diesem Schock wieder zu erholen“, erzählt sie. Ein halbes Jahr später dann der zweite Hieb. Sarah Plack war zum zweiten Mal schwanger und diesmal verlor sie ihr Kind bereits in der sechsten Woche.

Inzwischen ist sie in einer Berliner Kinderwunschklinik Patientin, weil die Chancen, noch einmal auf natürlichem Wege schwanger zu werden, sehr schlecht für sie stehen. „Die Ärztin macht mir aber große Hoffnung, dass sie mir helfen kann, eines Tages doch noch Mutter zu werden“, so Sarah Plack.

Nach zwei erfolglosen In-Vitro-Fertilisationen (künstliche Befruchtungen) unter Vollnarkose, hat sie die dritte Eizellenbehandlung hinter sich  und fiebert nun dem nächsten Bluttest in der kommenden Woche entgegen. Auch ihre Follower warten schon gespannt auf das Ergebnis. „Sie zittern mit mir und fragen ständig nach, ob ich schon schwanger bin“, sagt sie.  Die Unterstützung im Netz gebe ihr die nötige Kraft nicht aufzugeben und die Strapazen weiter durchzustehen.

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Sarah Plack mit der derzeitigen Miss-Germany-Preisträgerin Anja Kallenbach.

Mehr innere Werte statt nur Schönheit

Ihr Kinderwunsch-Thema hat Sarah Plack auch dazu bewogen, sich bei Miss Germany 3.0 zu bewerben. Das Format hat sich neu definiert und setzt nun mehr auf innere Werte statt auf Schönheit. Gefragt ist das Engagement von Frauen wie Sarah Plack. Sie  berichten nun freizügig von Lebenskrisen wie unerfülltem Kinderwunsch, Depression, Krebs oder Jobverlust und haben den Wunsch, anderen Frauen mit Hilfe ihrer eigenen persönlichen Geschichte Mut zu machen.

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„In dieser Woche entscheidet sich, ob ich unter die Top 80 komme“, sagt Plack.  Erfahrungen auf dem Laufsteg sie bislang noch keine gemacht. „Ich bin 1,68 Meter und wiege 64 Kilo und habe noch nicht mal die Maße eines Models“, verrät die Blondine und lacht.

Im Februar kommenden Jahres findet das Finale im Europa Park in Rust statt. Vielleicht wird die Berlinerin mit ihrer Mission „unerfüllter Kinderwunsch“ dabei sein. Sarah Plack hofft das, um noch mehr Aufmerksamkeit für das schmerzhafte Problem vieler Frauen zu erzielen. Sie sagt: „Ich wünsche mir, dass sich noch mehr Frauen trauen werden, über ihre Fehlgeburten zu sprechen und wir uns alle gegenseitig bestärken und unterstützen können.“