Sabin Tambrea (l.) als Narziss und Jannis Niewöhner als Goldmund in einer Szene des Films "Narziss und Goldmund". dpa

Weltliteratur und großes Kino verschmelzen im neuen Werk von Stefan Ruzowitzky („Die Fälscher“) zu einem audiovisuellen Hochgenuss. Der österreichische Oscargewinner hat die Kulterzählung „Narziß und Goldmund“ von Hermann Hesse (1877–1962) verfilmt (das Original mit „ß“!). Könnte sein, dass der Literaturnobelpreisträger sich im Grab umdreht, denn er mochte es ganz und gar nicht, dass seine Werke verfilmt werden. Aber wenn die Vorlage so gut ist!

Was Ruzowitzky aus dem literarischen Original von 1930 gemacht hat, ist ab 12. März als „Narziss und Goldmund“ in deutschen Kinos zu sehen. Die Hauptrollen in dem bildgewaltigen Mittelalter-Streifen über eine ungewöhnliche Klosterfreundschaft haben Sabin Tambrea (Narziss) und Jannis Niewöhner (Goldmund) übernommen.

Für mich ist das ein Roadmovie ins Mittelalter.

Jannis Niewöhner

Für die, die das Buch nicht gelesen haben: Erzählt wird die Geschichte zweier Menschen mit gänzlich unterschiedlichen Lebenskonzepten. Narziss ist ein Schöngeist mit erlesener Bildung und von vornehmer Gesinnung. Er   lebt ein Leben nach klösterlichen Regeln, vergeistigt und kontemplativ. Goldmund hingegen sucht das sinnliche Abenteuer, die Kunst, das pralle Leben, er will hinaus in die Welt und das setzt seine Freundschaft zu Narziss unter Druck. Weil der aber  selbst einen Teil dieser Sehnsucht nach purem Leben in sich trägt, lässt er Goldmund, seinen Freund, ziehen.  

Berlin: Die Schauspieler Emilia Schüle (v.li.), Jannis Niewöhner, Henriette Confurius und Jessica Schwarz kommen zur Weltpremiere ihres Filmes "Narziss und Goldmund" in den Zoo-Palast. Foto: dpa

Jannis Niewöhner erklärte am Rande der Dreharbeiten im Sommer 2018 auf Burg Hardegg in Niederösterreich: „Für mich wird das ein Roadmovie ins Mittelalter, der Aufbruch und die Suche nach der eigenen Bestimmung und das Finden der Liebe.“ Wie war’s bei Hermann Hesse? Der verarbeitete in seinem Roman, der unverkennbar auch homoerotische Motive enthält, eigene Jugenderlebnisse im Kloster Maulbronn (BaWü).

Regisseur Ruzowitzky, der das Originalbuch nach eigener Aussage im Alter von 15 Jahren las, hält sich übrigens nicht immer an die Vorlage. Vor allem das Ende überrascht. André Hennicke sagte dem KURIER: „Ich spiele einen finsteren Kerl, den es im Buch so nicht gibt.“

Für die Weltpremiere am Montagabend wurde am Zoo-Palast der Galateppich ausgerollt. Unter den Darstellern und Gästen vor Ort waren auch Anna Maria Mühe, Jessica Schwarz, Alice Dwyer und Christiane Paul.