Die Eheleute Ruth und Guntram Müller aus Mahlsdorf feiern ihre Diamant-Hochzeit.
Foto: Berliner KURIER/Thomas Uhlemann

Rund 40 Prozent der Ehen in Deutschland werden nach einer gewissen Zeit geschieden – nicht bei jedem Paar hält die Liebe, „bis dass der Tod uns scheidet“. Umso stolzer können diese beiden sein: Ruth und Guntram Müller aus Mahlsdorf feiern am Dienstag ihre Diamant-Hochzeit! Stolze 60 Jahre sind die beiden verheiratet – KURIER besuchte das Jubel-Paar vor dem großen Jubiläum.

Dass es die beiden so lange miteinander aushielten, kommt nicht von ungefähr. „Wir haben nie verstanden, warum so viele Paare nach einiger Zeit wieder auseinander laufen“, sagt Guntram Müller. „Wenn man sich nach einigen Jahren Beziehung wieder trennt und dann mit einem neuen Partner neu beginnt, hat man doch keine gemeinsame Geschichte, die verbindet!“ Selbst in der größten Krise hätten sich die beiden auf die gemeinsame Vergangenheit besonnen. Frau Ruth ergänzt: „Wir leben von den gemeinsamen Erlebnissen und Erinnerungen.“  Sie lächelt. „Und natürlich ist Guntram auch ein kleiner Glückspilz, dass er mich gekriegt hat!“

Die Müllers lernten sich im Sport kennen, beide spielten Handball im Verein „Berliner Bär“, als sie sich 1956 trafen. Die Liebe für das Spiel verband sie schon damals. „Nach dem Training ging es immer wieder in die Gaststätte, wir aßen zusammen Bauernfrühstück und machten mit den anderen auch mal Stiefeltrinken“, sagt Ruth. „Und wir gingen zum Tanzen ins Haus Budapest.“ Einmal prellten sie dort sogar die Zeche. „Wir tranken eine Flasche Tokajer – aber der Geldbeutel war dünn. Das kam natürlich nie wieder vor.“

Ruth und Guntram Müller als junge Leute beim Tanzen.
Foto: privat

Schnell verliebten sich die beiden ineinander, sie wohnten bei Ruths Eltern in Karow. 1960 die Hochzeit, ganz bescheiden. „An der Trauung nahmen nur wir beide und meine Mutter teil – wir fuhren mit dem Linienbus von Karow zum Standesamt.“ Nach der Feier ging es mit dem Bus zurück – und noch am gleichen Abend auf Hochzeitsreise nach Schloss Reinhardsbrunn in Friedrichroda. Gunnar, der erste gemeinsame Sohn, kam noch im gleichen Jahr zur Welt. Erst lebte die kleine Familie in der Danziger Straße, später in Adlershof – und als der Platz 1972 knapp wurde, als der zweite Sohn Sirko das Licht der Welt erblickte, ging es in die Frankfurter Allee. „Aber wir fühlten uns im Hochhaus nicht wohl“, sagt Guntram. „Deshalb machten wir uns auf die Suche nach einem Grundstück.“ Fündig wurden sie in Mahlsdorf, hier begannen sie, ihr Häuschen zu bauen.

Ruth und Guntram Müller bei ihrem Hochzeitsessen. Foto: privat

Ruth Müller arbeitete bei der Feuerwehr, Guntram als Bauleiter bei der Zollverwaltung. Neben der Arbeit errichteten sie sich hier, in der Händelstraße, ihr kleines Paradies mit großem Garten. Heute wächst Gemüse auf den Beeten, der Kirschbaum steht in voller Pracht, im kleinen Teich leben 25 Frösche, gelegentlich kommt eine Ringelnatter vorbei, „wir tauften sie Elsa“, sagt Ruth. Mitten im Garten, zwischen all den blühenden Blumen und dem riesigen Kirschbaum, steht eine Emaille-Badewanne, hier machen es sich die Müllers im Sommer gern gemütlich.

In der alten Badewanne im Garten machen es sich die Eheleute gern gemütlich. Foto: Berliner KURIER/Thomas Uhlemann

Das Projekt Hausbau schweißte die beiden zusammen. „Zum einen, weil wir nicht die ganze Zeit aufeinander hocken. Ich arbeite mal hier und er mal da“, sagt Ruth. Guntram ergänzt: „Und man hat immer ein gemeinsames Ziel. Wer ein eigenes Grundstück hat und sagt, er habe nichts zu tun, der macht definitiv etwas falsch.“ Natürlich habe es in all den Jahren auch mal Auseinandersetzungen gegeben. „Aber dann geht man mal kurz seiner Wege – und dann verträgt man sich wieder.“

Ihr großes Jubiläum wollten sie eigentlich groß feiern, doch die Corona-Zeit macht das momentan noch unmöglich. Die Familie kommt, im schönen Garten wollen sie die Zeit genießen. Was den beiden niemand nehmen kann, ist der Stolz, die Diamant-Hochzeit überhaupt feiern zu können. „Alles, was wir erreicht haben, haben wir gemeinsam geschafft“, sagt Ruth. Und das soll auch so bleiben. „Jeder hat mal seine schwachen Momente, gerade im Alter. Mal ist der eine fit, mal der andere. Dann springt man eben füreinander ein.“