Rodelbahn ohne Schnee: Trotz Minusgraden war sogar der Boden aufgetaut und matschig. Foto: privat

Die Eltern und Kinder, die am Mittwoch zur beliebten Rodelbahn in der Parkaue in Lichtenberg kamen, konnten es einfach nicht glauben: Über Nacht war eine riesige schneelose Fläche auf der Rodelbahn entstanden – 15 Meter breit, 20 Meter lang. Wie ein dunkler Scheitel zog sich die Schneise über einen weiten Teil des weißen Hügels und Rodeln war nur noch auf den schmalen Rändern des Abhangs möglich. Sollte der Schnee tatsächlich restlos getaut sein in einer Nacht mit minus zehn Grad? Schnell war der Verdacht zu hören: Das kann doch nur ein Anschlag auf die Rodelbahn gewesen sein.

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Während die Eltern oben an den verbleibenden rodeltauglichen Abhängen standen, sinnierten sie darüber, wie der Schnee verschwunden war. Salzhaltige Lauge? Chemische Substanzen? Oder doch Tauwetter? Letzteres wohl kaum. Da waren sich die Eltern sicher. So ein bisschen Wärme kann wohl kaum dafür sorgen, dass so viel Schnee so schnell taut und dass der Boden auch noch ganz nass ist, obwohl das Thermometer doch Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt anzeigt.

Selbst als noch ganz wenig Schnee lag und viel gerodelt wurde, war deutlich mehr Schnee auf dem Hügel. Foto: Berliner Zeitung/Blankennagel

Einige äußerten den Verdacht: Das konnte nur das Grünflächenamt gewesen sein, mit dem Ziel, die ganze wilde und ausgelassene Rodelei zu beenden, weil sich die vielen Leute beim Anstehen oben am Berg nicht an die vorgeschriebenen Abstände halten.

Doch dieser Verdacht ließ sich nicht erhärten. Der zuständige Lichtenberger Bezirksstadtrat für Öffentliche Ordnung und Umwelt, Martin Schaefer (CDU), sagte dem KURIER: „So etwas würden wir natürlich nicht machen.“ Weder wegen Corona noch aus anderen Gründen. „Grundsätzlich würden wir auf Wiesen in Parks kein Salz oder Ähnliches einsetzen“, sagt er. „Das wäre total kontraproduktiv, weil wir damit doch die Grasnarbe zerstören würden.“

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Seine Vermutung: Wenn die rasante Schneeschmelze am Rodelberg tatsächlich auf den Einsatz von chemischen Hilfsmitteln zurückzuführen sei, dann könnte es vielleicht ein Anwohner gewesen sein, der sich gestört fühlte, oder jemand, der sich ärgert, wenn dort am Rodelhang so viele Leute so eng zusammen sind. „Vielleicht hat da jemand das Recht in die eigene Hand genommen“, sagte Schaefer.

Wenn es tatsächlich darum gegangen sein sollte, lange Schlangen zu verhindern, so hat es nicht geklappt. Denn nun drängelten sich alle am Rand des Hügels, um wenigsten noch den verbliebenen Schnee zum Rodeln zu nutzen.