Rock-Sängerin und Tesla-Fabrik-Gegnerin Julia Neigel bei der Anhörung: Nach langen Wortmeldungen wurde ihr Mikro abgedreht.  Foto: dpa

Sie sind angetreten, um Tesla in Grünheide zu stoppen. Die Kritiker der bei Berlin geplanten gigantischen Autofabrik des US-Elektroautokonzerns, die am Mittwoch zum ersten Mal seitens der Brandenburger Landesregierung angehört wurden. 115 Tesla-Gegner kamen in die Stadthalle Erkner, darunter auch Rock-Sängerin Julia Neigel. Es ging heftig zur Sache.

Über 400 Einwände gegen die Tesla-Fabrik gilt es zu erörtern, die Anwohner, Initiativen und Umweltverbände beim Brandenburger Umweltministerium eingereicht hatten. Daher wurde die Anhörung der Kritiker auf mehrere Tage verteilt, soll bis Freitag dauern, möglicherweise auch länger.

Schon der erste Sitzungstag ging bis zum späten Nachmittag und sorgte für Tumult. Zuerst, weil  die bei der Anhörung anwesenden Tesla-Vertreter ihre Wasserflaschen auf den Tisch hatten, während am Eingang den Kritikern die mitgebrachten Getränke aus Sicherheitsgründen abgenommen wurden. Dann wurde Rock-Sängerin Julia Neigel, die sich öffentlich gegen den Bau der Tesla-Fabrik (500.000 Autos/Jahr) engagiert, nach mehreren langen Wortmeldungen das Mikro abgedreht.

Sie hatte erklärt, es würden negative Folgen für das Trinkwasser in dem Gebiet drohen, wenn das Werk  2021 fertig ist. Bei der Dürre in Brandenburg könne man langfristig „von katastrophalen Umweltauswirkungen für die Region ausgehen", sagte Neigel. Diese Firma gehöre „in eine Industriebrache“.

Die Tesla-Kritiker warten vor der Stadthalle Erkner auf Einlass zur Anhörung. Foto: dpa

Buhrufe gab es im Saal, als Ulrich Stock vom Landesumweltamt, der Versammlungsleiter der Anhörung, die Sängerin zum Schweigen brachte. Einfach das Mikro abschalten: „Ich habe das Recht dazu“, sagte er.

Das war möglicherweise eine Retourkutsche. Denn Julia Neigel hatte zuvor dem Versammlungsleiter Befangenheit vorgeworfen, die Anhörung musste 45 Minuten lang unterbrochen werden. Der Vorwurf, warum Stock die Anhörung nicht mehr weiter leiten sollte:  Er habe in einem Interview erklärt, dass er angeblich keine Bedenken für eine endgültige Genehmigung der Tesla-Fabrik sehe. In der Anhörung sagte Stock, dass seitens der Behörden noch immer „die Möglichkeit einer abschlägigen Entscheidung“ bestehe.

Das scheint Tesla-Boss Elon Musk kaum zu stören, der in Kalifornien den Anlegern ein Tesla-Modell zum Schnäppchenpreis (21.000 Euro) versprach. Seine Vertreter beteuerten auf der Anhörung, dass in Grünheide das „fortschrittlichste E-Auto-Werk der Welt“ entstehe.

Die Baustelle der Tesla Gigafactory in Grünheide: Das Werk wächst und wächst, soll im Juli 2021 ferig sein. Foto: imago images/Eibner