Keinen Negativ-Test dabei? Dann ab in Quarantäne. Das gilt für Reisende aus Berlin-Mitte jetzt in zwei Bundesländern. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Die Zahl der Neuinfektionen in der Berliner Innenstadt ist hoch, mit Stand von diesem Freitagabend reißen drei Innenstadtbezirke die vom Bund gesetzte Grenze von 50 Neuinfektionen gerechnet auf 100.000 Einwohner und sieben Tage: Mitte (59,6), Friedrichshain-Kreuzberg (53,7) und Neukölln (51,5). Zwei Bundesländer stufen einzelne Berliner Bezirke jetzt als Risikogebiete ein: Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein.

In Schleswig-Holstein gilt bisher nur Berlin-Mitte als Risikogebiet. Wer aus Mitte nach Schleswig-Holstein reise, stehe in der Pflicht, das Hotel oder den Betreiber seiner Unterkunft sowie das Gesundheitsamt sofort zu informieren, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums dem Berliner KURIER am Freitag. Der Berliner Reisende müsse dann für 14 Tage in Quarantäne. „Wenn das in Ihrer Unterkunft nicht geht, zum Beispiel weil die Trennung von Gästen nicht gewährleistet werden kann, dann müssen Sie wieder abreisen“, so der Sprecher. Generell „nicht zur Absonderung geeignet“ seien Campingplätze, Jugendherbergen und andere Einrichtungen mit Gemeinschaftsbädern.

Die Quarantäne-Zeit in Schleswig-Holstein könne reduziert werden, wenn der Reisende aus Berlin-Mitte bei der Anreise einen negativen Corona-Test vorlege, der nicht älter als 48 Stunden ist, sowie nach fünf Tagen Quarantäne einen weiteren Coronatest mit negativem Ergebnis vorlegen könne, hieß es weiter.

In Rheinland-Pfalz gelten nach Angaben des RBB bereits die Bezirke Mitte und Neukölln als Risikogebiete. Auch hier sollen Reisende 14 Tage in Quarantäne – außer sie können einen aktuellen Negativ-Test vorweisen, schreibt der RBB unter Berufung auf eine Sprecherin des rheinlandpfälzischen Gesundheitsministeriums.

Das Robert Koch-Institut stuft als Risikogebiete Regionen ein, in denen der Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen überschritten wird. Städte wie Berlin betrachtet das RKI als Ganzes – und nicht nach einzelnen Bezirken. Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein weichen von dieser Praxis jetzt ab.

Drei Bezirke reißen die Marke von 50 Neuinfektionen

Bei der Zahl der Neuinfektionen liegt Berlin seit Tagen an der Spitze der Bundesländer im Lagebericht des Robert Koch-Instituts. Mitte reißt schon seit langem auch die vom Bund gesetzte Grenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern und Woche – nun gesellen sich Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln hinzu. Berlinweit liegt der 7-Tage-Wert laut Gesundheitsverwaltung bei 34,5. Damit reißt er die vom Berliner Senat niedriger angesetzte Grenze von 30 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern und sieben Tagen - damit leuchtet die Infektionsampel des Senats für diesen Indikator Rot.

Die von Bund und RKI gesetzte Marke von 50 sei bei der Einstufung als Risikogebiet entscheidend, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Schleswig-Holstein. Allerdings gäbe es keinen „Automatismus“. Das Ministerium schaue auch auf andere Faktoren - werde der Wert in Landkreisen aufgrund von lokal eingrenzbaren Ausbrüchen, zum Beispiel in einer Fabrik, überschritten, erfolge diese Einstufung nicht zwangsweise.

Das Robert Koch-Institut schätzt das Infektionsgeschehen in Berlin-Mitte nicht als lokal eingrenzbar, sondern als „diffus“ ein. Es werde getragen von jungen, international Reisenden und Feiernden, die sich unterwegs und auch auf Partys ansteckten und diese Infektionen dann in ihren Haushalten und Familien verbreiteten, schreibt das RKI in seinem Lagebericht vom Donnerstag.