In diesem Club gilt die 2G-Regel, doch in der Nacht zu Sonntag um 1:35 Uhr beendeten Polizei und Gesundheitsamt die Party. Künstler, einige Gäste und auch ein Türsteher waren nicht geimpft. imago

Die Diskussion ist entbrannt: Nun wird auch in der Hauptstadt überlegt, ob Clubs oder Fitnesscenter nur noch gegen Corona Geimpfte und davon Genesene einlassen können. Seit Samstag gilt in Hamburg dieses sogenannte 2G-Optionsmodell. Es bedeutet, dass sich Gastronomen, Clubbetreiber oder Kinobesitzer dagegen entscheiden können, Ungeimpfte trotz negativem Corona-Test einzulassen. Dafür können sich die Gäste und Kunden ohne Abstand und Maske frei bewegen.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller sieht allerdings noch einige offene Fragen. „Ich halte den Hamburger Weg, mit der sogenannten 2G-Regel wieder mehr Normalität zu ermöglichen, in dieser Form noch nicht für praktikabel“, sagte Müller der Deutschen Presse-Agentur. „So weit sind wir noch nicht, weil es hier noch viele offene, auch verfassungsrechtliche Fragen gibt“, warnte der SPD-Politiker, der auch Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz ist.

Was ist mit Kindern und Menschen, die sich nicht gegen Corona impfen lassen können?

So gebe es zwar Bereiche, in denen private Anbieter oder Betreiber auf diese Weise regeln können, dass nur Geimpfte und Genesene zum Beispiel in ein Restaurant dürften. „Nicht geklärt ist aber die Regelung für unter 12-Jährige oder Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können“, sagte Müller. „Das wird dann zum Beispiel bei Sport- und Kulturveranstaltungen problematisch.“

Müller sieht insgesamt gute Chancen für einen Herbst ohne erneuten Lockdown. „Wir haben heute mit den Erfahrungen, Erkenntnissen und dem Wissen über diese weltweite Pandemie viele Möglichkeiten, einen erneuten Lockdown zu vermeiden“, sagte der Regierende Bürgermeister. „Wir sind sensibler geworden, wir haben gelernt, dass wir rechtzeitig reagieren können und müssen.“

Hamburger Kiez-Club trotz 2G wegen Corona-Verstößen geschlossen

Die 3G-Regel in den Bereichen, in denen Corona-Regeln wieder gelockert worden seien, sei dafür ein Beispiel. „Wir haben so viele Erfahrungen, dass wir viel besser einschätzen können, wann wir reagieren müssen oder uns weitere Lockerungen noch nicht erlauben können.“ Hinzu komme der Impffortschritt, sagte Müller. „Und wir haben gelernt, wie wir mit Maske, Testen und Abstand Infektionen verhindern können. Das ist eine völlig andere Situation als vor rund einem Jahr.“

In Hamburg hat ein Teil der Gastronomen und Clubbetreiber die 2G-Regel bereits eingeführt, andere wollten ungeimpfte Gäste nicht aussperren. Im Club Große Freiheit 10 in St. Pauli gab es einen Corona-Polizeieinsatz, obwohl der Club die 2G-Regel beschlossen hatte. Anlass war, dass Künstler und Gäste sowie ein Türsteher nicht geimpft waren.