Das Krokodilhaus im Tierpark Berlin. 1987 wurde es eröffnet, gilt als Energiefresser.
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Der Tierpark Berlin nimmt Abschied. Von seinem Krokodilhaus, das noch in diesem Jahr abgerissen werden soll. Das Gebäude soll Platz für die Wissenschaft machen. Denn ein Teil des Areals benötigt das benachbarte Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) für den Bau einer neuen Forschungsstätte.

Für Besucher liegt das Krokodilhaus noch hinter dem Schloss Friedrichsfelde recht abseits im nördlichen Teil des Tierparks. Manche der dortigen Bewohner, wie der Sunda-Gavial „Pancho“, sind bereits in das sanierte Alfred-Brehm-Haus gezogen. Geblieben sind zwei China-Alligatoren, zwei Mississippi-Alligatoren, acht verschiedene Wasser- und Sumpfschildkrötenarten, ein Grüner Leguan  und ungefähr ein Dutzend Vögel wie Sonnenrallen oder Paradiestangare. Aber auch sie müssen bald innerhalb des Tierparks, in den Berliner Zoo oder in andere Tiergärten wechseln. Denn das Krokodilhaus hat keine Zukunft mehr.

Dieser Grüne Leguan gehört zu den letzten Bewohnern des Krokodilhauses. Foto: Freunde der Hauptstadtzoos

Das 1987 eröffnete Gebäude ist technisch gesehen veraltet. Vor allem die Heizanlage, die für die nötiger feuchtwarme Luft für die Reptilien sorgt und gilt als Energiefresser. Die Struktur der dortigen Anlagen ermöglicht keine zukunftsfähige Tierhaltung mehr und das Haus ist mit seiner Einfachverglasung heute nicht mehr nachhaltig zu betreiben, so Tierpark-Sprecherin Philine Hachmeister. „Das Gebäude ist allein für etwa zehn Prozent des gesamten Wärmebedarfs des 160 Hektar großen Tierparks verantwortlich, hat einen jährlichen Energieverbrauch, der dem von rund 150 nicht sanierten Einfamilienhäusern entspricht“, sagt sie.

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Eine Sanierung des Krokodilhauses scheint daher unmöglich. „Auch eine liebgewonnene Tierhaltung rechtfertigt nicht eine solche Energie- und Klimasünde, wie wir sie mit der Aufrechterhaltung dieses Gebäude begehen würden“, sagt Tierpark-Direktor Andreas Knieriem. Deshalb würde man nun dem IZW diese Fläche für ihr geplantes Erweiterungsgebäude zur Verfügung stellen. Damit der Bau 2023 beginnen kann, soll bereits zum Jahresende das Krokodilhaus abgerissen werden. Die Kosten für den Abriss wird aus den Mitteln für den Bau des Forschungsgebäudes mitfinanziert, der bis 2025 entstehen soll.

Blick in das Innere des Krokodilhauses: Zwei Alligatoren dösen am Wasserbecken. Foto: Imago/stock & people

Seit Jahren besteht zwischen dem IZW und den Berliner Tiergärten eine enge Verbindung. In dem Forschungsinstitut wurde unter anderem das Rätsel um den Tod von Zoo-Eisbär-Star Knut gelöst, der vor zehn Jahren an den Folgen einer seltenen Autoimmunerkrankung im Alter von vier Jahren starb. IZW-Forscher waren auch als Experten dabei, als 2017 im Zoo das Panda-Weibchen Meng Meng künstlich befruchtet wurde.

Als Ersatz für das Krokodilhaus plant nun der Tierpark in der Nähe des IZW-Neubaus ein sogenanntes „Science-Forum“. Die soll eine Art Zentrum für Artenschutz werden, „in dem die Besucher künftig die wissenschaftliche Arbeit beider Einrichtungen eindrucksvoll erleben sollen, die dem Schutz und der Erhaltung von Tierarten dienen“, sagt Tierpark-Sprecherin Hachmeister.