Rentner Rudi W. verlässt den Gerichtssaal. Er stand wegen dem Nachbarkrieg von Pankow vor einem Richter. Pressefoto Wagner

Es klatschte Kaffeesatz gegen das Fenster, es flogen Apfelgriebsch, Kaugummi oder Kieselsteine über den Zaun: Nun trafen sich die Nachbarn vor Gericht.

Rentner Rudi W. (72, Name geändert) auf der Anklagebank. Er soll gegen ein Paar von nebenan tief in die Pöbel-Kiste gegriffen haben – „Vollidioten! Die ist doch krank, die Frau …“

Ein älteres Anwesen haben W. und seine Frau, die ungeliebten Nachbarn wohnen in einem Neubau. Nicht Zaun an Zaun begegnen sie sich, doch man teilt sich einen Weg.

Der Richter: „Wieso kommt es denn zum Streit?“ Rentner W.: „Seitdem sie eingezogen sind, gibt es Probleme. Die schmeißen immer was rüber.“

Nachbarkrieg von Pankow schaukelte sich immer mehr hoch

Die Nachbarn würden ihre Kinder aufhetzen, behauptet der Rentner. „Die werfen dann Kieselsteine.“ Einmal sei Kaffeesatz gegen ein Fenster geklatscht. Und an dem Tag, an dem er beleidigt haben soll, seien „Gurkenschalen und Speck geflogen“.

Die Nachbarin (37) stand nach seiner Version hinter der hohen Hecke. Rudi W.: „Sie brüllte rum.“ Da habe seine Frau gesagt: „Sie muss doch krank sein.“ Gegen den Mann der Nachbarin sei kein Wort gefallen.

Der Richter kopfschüttelnd: „Warum das alles?“ W. behauptet: „Sie kommt nicht mit der Pflege des Weges klar.“ Der Richter: „Haben Sie Essensreste auf das Grundstück der Familie A. geworfen?“ Rudi W. wehrte ab: „Nicht von mir, ich warf höchstens mal was zurück.“

Was geschah im Februar 2021 bei dem Zoff in Pankow? Die Nachbarin im Zeugenstand: „Am Tattag hörte ich, dass etwas Festes gegen die Haustür flog – Apfelreste!“ Sie habe sich auf die Treppe gestellt, um über den hohen Zaun zu schauen – „da kam noch mehr geflogen“.

Akademikerin stellte wegen Nachbarkrieg von Pankow regelmäßig Strafanzeigen

Ihr Mann habe eine Klärung vorgeschlagen. Da soll W. gepoltert haben: „Möchte mich mit einem Vollidioten nicht unterhalten.“

Die Akademikerin stöhnte: „Wir stellen regelmäßig Strafanzeigen, bisher ohne Erfolg, wird immer eingestellt.“ Der Richter: „Mal versucht, die Sache durch ein Gespräch zu befrieden?“ Die genervte Nachbarin: „Sie wollen nicht mit uns reden.“

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Der Richter hat schließlich genug gehört: „Es ist für Sie alle belastend, doch Sie müssen nebeneinander wohnen.“ Sein Vorschlag: „Wären Sie bereit für eine Mediation?“ Zögerliches Nicken. Der Richter: „Ich stelle das Verfahren gegen einen Täter-Opfer-Ausgleich ein.“ Demnächst werden die Nachbarn von den Sozialen Diensten der Justiz eingeladen – für einen Dialog. Rudi W. noch skeptisch, aber willig: „Na ja, einen Versuch ist es wert.“