Der Angeklagte steht zu Prozessbeginn am Dienstag in Berlin hinter seinen Anwälten. Pressefoto Wagner

Die Beute falscher Polizisten soll er an die Hintermänner in der Türkei geleitet haben: Salih F. (37). Es geht um mehr als eine Million Euro.

War er eine Art Statthalter einer skrupellosen Betrügerbande, die ältere Menschen um ihr Erspartes brachte? Zwölf Fälle sind in der Anklage aufgelistet. Geld und Schmuck im Wert von insgesamt 1,25 Millionen Euro wurden deutschlandweit erbeutet.

Die miese Masche: Schockanrufe bei älteren Menschen mit Lügen von angeblich anrückenden Räubern. Senioren verunsichern und so lange auf sie einreden, bis sie Geld und Schmuck zusammenpacken – in der irrigen Annahme, die Polizei würde ihren kleinen Schatz in Sicherheit bringen.

Der Aufbau solcher Banden: Auf der unteren Stufe die „Abholer“, die Beute einsammeln. Geld und Schmuck gehen dann an „Logistiker“, die den Transport zum Sitz des Callcenters organisieren. Dort sitzen die „Keiler“, die anrufen und sich als Polizisten oder Staatsanwälte ausgeben. Die Beute landet schließlich beim Callcenter-Betreiber.

Vor allem Gold und Bargeld wollten die falschen Polizisten

Salih F. aus Kreuzberg soll sich bereit erklärt haben, gegen Lohn Wertgegenstände – vor allem Gold und Bargeld – entgegenzunehmen. Die Anklage: „Es erfolgte nach kurzfristiger Ankündigung von Kurierfahrern.“

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Der mutmaßliche Hehler soll wie ein Buchhalter an die Arbeit gegangen sein. Aufgaben von F. aus Sicht der Ermittler: „Die Gegenstände kontrollieren, sie zu schätzen, aufzulisten, zu fotografieren, zu verpacken und dann weiteren Komplizen zu übergeben, die an der Überführung in die Türkei mitwirken sollten.“

Goldbarren und Münzen im Wert von 134.000 Euro

Der erste Beutezug, der durch seine Hände gegangen sein soll: Am 10. September 2020 fiel ein 80-Jähriger auf falsche Polizisten rein, holte Goldbarren und Münzen im Wert von 134.000 Euro aus einem Schließfach in Braunschweig.

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Weitere Taten: Ein Ehepaar (88, 86) wurde ausgeplündert – 1000 Gold- und Silbermünzen im Wert von 50.000 Euro und 13.000 Euro Bargeld weg. Ein promovierter Mann (87) aus Bayern wurde so lange angerufen und unter Druck gesetzt, bis er alle seine Schätze (Gesamtwert 230.000 Euro) samt EC-Karte in einer Tasche vor die Tür stellte.

Der Angeklagte wird sich im Prozess um Bandenhehlerei eventuell am 24. März äußern.