Kniend auf dem Beet sticht Reimund Groß den Spargel – ein Knochenjob für den Schauspieler. Foto: Bernd Friedel

Vor Corona spielte er Theater in Wien oder Berlin. Doch jetzt ist Schauspieler und Sänger Reimund Groß (57) arbeitslos. „Statt zu jammern, dass ich derzeit nicht auftreten darf, helfe ich lieber da, wo ich gerade gebraucht werde“, sagt er. Der Schauspieler arbeitet dieser Tage auf einem Spargelfeld.

Nach vielen Jahren in Berlin, etwa am Atze-Musiktheater, hat es Groß ins Havelland verschlagen. Dort ist der Schauspieler unter anderem mit der szenischen Touri-Führung „Von Birnen und Menschen“ durch Ribbeck unterwegs. In Garlitz, wo Groß auf einem Bauernhof zur Miete lebt, macht er mit Dorfbewohnern eine Art Volkstheater.

Doch dann kam die Corona-Krise. „Ich hatte noch eine Platte aufgenommen, wollte mit dem Programm ,Von Einem der auszog, um nur mit Wasser zu kochen’ auf Tour gehen“, sagt er. „Auch diese Auftritte platzten, Einnahmen fehlen.“

"Spargelbauern brauchen in der Saison jede helfende Hand"

Jetzt ein Klagelied anstimmen, das will Groß aber nicht. Er schwingt sich lieber aufs Fahrrad, radelt zu einem 20 Minuten entfernten Bio-Hof und leistet dort vier Mal in der Woche bis zu fünf Stunden am Tag Nachbarschaftshilfe beim Spargelstechen.

Der Hof, auf dem 45 Menschen leben und arbeiten, gehört zum Therapeutischen Zentrum Kieck, das von der Berliner Suchthilfeeinrichtung „Sin Alkol“ betrieben wird. Die Bewohner halten Kühe, Hühner und beackern ein Spargelfeld. Täglich bis zu 250 Kilo von dem weißen Gold, auf das die Kunden im Hofladen sehnsüchtig warten, werden geerntet. Groß weiß: „In der Saison brauchen Spargelbauern jede helfende Hand. Da ich ja nichts zu tun habe, bot ich meine Hilfe an.“

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Spargelstechen ist ein Knochenjob

Groß kann Feldarbeit, sogar Kühe melken. Schließlich wuchs er auf einem Bauernhof in Hessen auf, ist gelernter Landwirt. Aber Spargelstechen? „Das kann nicht jeder Depp. Ich musste es erst einmal lernen.“ Etwa, wie man das Spargelmesser  in den Boden führt, um dort die Spargelstange genau über der Wurzel zu treffen, um sie dann zu stechen. „Oft waren die Stangen, die ich erntete, zu klein. Aber nun kann ich es.“

Als Benimm-Autor Adolph Freiherr Knigge ist Groß in einer seiner Aufführungen zu sehen. Foto: privat/BK

Und: Spargelstechen ist ein Knochenjob. „Das geht tierisch in den Rücken. Nach fünf Stunden weiß man, was man gemacht hat“, sagt Groß. Für seine Hilfe bekommt er den Mindest-Stundenlohn von 9,35 Euro. „Das hilft mir, um in der Corona-Krise etwas über die Runden zu kommen“. Das ist nicht alles: Beim Spargeljob bekommt Groß auch Ideen für seine weitere künstlerische Arbeit, wie für neue Songs. Etwa den „Spargelstecher-Blues“, den Groß mit seiner Gitarre in einer Pause spontan auf dem Feld anstimmt.