Innensenator Andreas Geisel (SPD). Foto: dpa/Fabian Sommer

Innensenator Andreas Geisel (SPD) hat sich bei den Opfern der rechtsextremistischen Anschlagsserie in Neukölln entschuldigt. „Wir müssen uns immer wieder selbstkritisch fragen, ob wir mit den Opfern von Gewalt und Rassismus und Diskriminierung angemessen umgehen“, sagte Geisel am Donnerstag bei der Plenarsitzung des Berliner Abgeordnetenhauses. „Und da antworte ich ganz offen: Nein, leider nicht immer. Und das müssen wir ändern.“

Bei den Opfern der mehr als 70 Anschläge in Neukölln zwischen 2016 und 2018 sei das Gefühl entstanden, der Staat würde sie nicht ausreichend schützen, sagte Geisel. „Ein solches Gefühl darf in unserem Land nicht entstehen. Und ich bitte um Verzeihung bei den Angehörigen der Opfer, bei den Betroffenen, dass dieses Gefühl entstanden ist“, so der SPD-Politiker.

„Das Gift heißt Rassismus“

„Es trifft die Ermittlerinnen und Ermittler im Kern, es trifft mich im Kern dieser Vorwurf“, sagte Geisel. „Die Hinwendung zu den Opfern, die Empathie mit den Menschen, die mit den Folgen der Tat leben müssen, bleibt leider zu oft auf der Strecke.“

Der Innensenator sagte, bei dem Anschlag in Hanau vor einem Jahr seien Menschen umgebracht worden, weil ein Rassist nicht damit klargekommen ist, dass Deutschland eine Vielfaltsgesellschaft sei. „Neukölln und Hanau darf man nicht miteinander vergleichen. Aber machen wir uns nichts vor: Von Neukölln nach Hanau ist es nur ein kleiner Schritt“, sagte Geisel. „Das Gift heißt Rassismus, Ausgrenzung, Hass, Terror. All das schafft Verunsicherung, traumatisiert Menschen, bringt Opfer hervor“, so der SPD-Politiker. „Ihnen muss unsere volle Solidarität und Unterstützung gehören.“