Großeinsatz der Berliner Polizei im Kampf gegen Kinder- und Jugendpornografie: Seit den frühen Morgenstunden sind 40 Beamte im Einsatz, durchsuchen über 20 Wohnungen in der Stadt. Es ist unfassbar, was da zu Tage kommt. So war die Polizei bei einem Spandauer (40). Er soll  Nacktbilder einer 13-Jährigen verbreitet haben. Die Bilder bekam er offenbar von dem Vater des Mädchens!

Dem Spandauer wird vorgeworfen, dass er seit Dezember 2020 mit dem ebenfalls beschuldigten Vater des Mädchens über eine Social-Media-Plattform gechattet und so die Nacktbilder des Kindes erhalten habe. Dazu sollen sexualisierte Chatnachrichten geschrieben worden sein, berichtet die Polizei über Twitter.

Seit 6 Uhr sind die Beamten unterwegs. Die Razzien laufen unter anderem in Reinickendorf, Pankow, Prenzlauer Berg, Wedding, Hohenschönhausen, Kreuzberg, Charlottenburg-Wilmersdorf, Tempelhof-Schöneberg, Spandau und Neukölln. Alle Polizeidirektionen der Stadt sind bei dem Großeinsatz involviert.

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In Neukölln packen zwei Polizisten einen Computer und Kisten mit Beweismaterial in den Einsatzwagen, nach dem die Wohnung eines Verdächtigen wegen Kinderpornos durchsucht wurde. 
In Neukölln packen zwei Polizisten einen Computer und Kisten mit Beweismaterial in den Einsatzwagen, nach dem die Wohnung eines Verdächtigen wegen Kinderpornos durchsucht wurde.  Twitter/Polizei Berlin

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Die Ermittlungen richteten sich gegen 20 Verdächtige, sagt eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Durchsucht würden deren Privatwohnungen. Von der Aktion veröffentlicht die Polizei Fotos. Darauf ist zu sehen, wie Beamte Kisten mit gesicherten Festplatten und Smartphones abtransportieren.

Kinderpornos: Tatverdächtig sind auch zwei Jugendliche – sie sind gerade einmal 16 und 17 Jahre alt

Computer-Festplattenspeichern haben die Polizisten offenbar auch in einer Wohnung in Neukölln gesichert. Unter Verdacht steht ein Mann (57), der zwischen Mai und Juli 2022 mehrere Bilddateien in die Cloud einer Suchmaschine hochgeladen haben soll, auf denen Mädchen zwischen 9 und 16 Jahren das Geschlechtsteil in die Kamera halten, teilt die Polizei mit.

Die Fälle, über die die Polizei während der Razzia über den Twitter-Nachrichtenkanal informiert, sind schockierend. So durchsuchten die Ermittler in Schöneberg die Wohnung eines 31-Jährigen, der im Juni 2022 über einen Messenger-Kanal Videodateien verbreitet haben soll, die die Penetration eines Kleinkindes zeigen würden.

In diesen Kisten haben Beamte Smartphones und Festplattenspeicher gesichert. 
In diesen Kisten haben Beamte Smartphones und Festplattenspeicher gesichert.  Twitter/Polizei Berlin

In Pankow ist die Polizei bei einem Mann (47), der im Juli 2022 über seinem Account in einem Netzwerk eine kinderpornografische Datei zum Herunterladen bereitgestellt haben soll. Das Video zeige sexuelle Handlungen zwischen einem Mädchen (unter 14 Jahren) und einem Mann.

Die Grausamkeiten kennen offenbar keine Grenzen. Erschreckend ist, dass neuerdings Kinderpornos auch von Jugendlichen zu „Unterhaltungszwecken“ verbreitet werden, so die Polizei. Daher finden bei der Razzia auch zwei Wohnungsdurchsuchungen bei Jugendlichen statt.

Erschreckend ist nicht nur die Tat, der man sie verdächtigt – auch ihr Alter. Ein Junge aus Wedding ist gerade einmal 16 Jahre alt, ein anderer aus Tempelhof ist 17. Sie stehen unter Verdacht, kinder- und jugendpornografische Videos über soziale Medien verbreitet zu haben.

Eine LKA-Ermittlerin wertet Bilder eines Kinderporno-Videos aus.
Eine LKA-Ermittlerin wertet Bilder eines Kinderporno-Videos aus. Imago/Localpic

Die Informationen zu allen Verdächtigen seien laut Staatsanwaltschaft über Whatsapp-Gruppen ermittelt worden oder stammten von der US-amerikanischen Nicht-Regierungsorganisation NCMEC („National Center for Missing and Exploited Children“, deutsch: Nationales Zentrum für vermisste und ausgebeutete Kinder). Amerikanische Internetanbieter sind laut Polizei verpflichtet, Verdachtsfälle an diese Stelle zu melden. NCMEC leitet die Informationen dann an Ermittlungsbehörden weiter.

Laut Polizei sind aufgrund dieser Verpflichtung die Fallzahlen zu Besitz, Herstellung und Verbreitung von Missbrauchs-Inhalten inzwischen deutlich gestiegen. Allein 2021 wurden wegen Verbreitung, Besitz und Herstellung von Kinderpornografie 1.032 Ermittlungsverfahren in Berlin geführt.