Die griechische Insel Kreta gehört zu den Favoriten unter den Reisezielen. Foto: Imago

Die Sehnsucht nach Urlaub war vermutlich noch nie so groß. Nach monatelangem Lockdown zieht es auch die Berliner wieder ans Meer oder in die Berge. Aber sie sind verunsichert, ab wann ein Urlaub in diesem Jahr in der Pandemie noch möglich wird. Derzeit gilt bundesweit ein Beherbergungsverbot für Touristen, die Bundesregierung rät weiter von privaten Reisen ab. Alle Hoffnungen richten sich  auf die Ministerpräsidenten-Runde mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der nächsten Woche, in der vielleicht erste Lockdown-Lockerungen ab dem 8. März beschlossen werden könnten.

Lesen Sie auch: Corona-Lockerungen: DAS plant der Berliner Senat!>>

Doch einige Länderchefs schießen quer. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) rechnet nicht mit schnellen Reiselockerungen. „Zum Urlaub möchte ich noch keine Versprechen abgeben, aber im Laufe des Jahres geht es bestimmt“, sagt er. Zuvor hatte Sachsens Länderchef Michael Kretschmer (CDU) erklärt, es wird keinen Urlaub zu Ostern geben. Mecklenburg-Vorpommern plant dagegen, die Hotels ab Ende März schrittweise zu öffnen, allerdings nur für die Bewohner des Bundeslandes.  

Ab wann sind Reisen richtig möglich?

Der Deutsche Reiseverband geht davon aus, dass Reisen erst ab dem Sommer richtig möglich sein werden. „Es herrscht allerdings nach wie vor eine große Verunsicherung – bei den Menschen, aber auch bei den Unternehmen, die Reisen anbieten“, sagt Verbandssprecher Torsten Schäfer. Wie unsicher die Kunden sind, zeigen die Buchungszahlen im Januar. Dieser ist normalerweise einer der buchungsstärksten Monate, hier werde in der Regel der Sommerurlaub gebucht. Doch in diesem Jahr hätten die Reisebüros 90 Prozent weniger Buchungen als im Vorjahr, so Schäfer.

Ein Spaziergang am Strand in Ahlbeck auf Usedom könnte im Sommer möglich sein. Foto: Imago/Krumbholz

Mit Beginn der Corona-Krise im März 2020 geriet auch die Touristikbranche in Schwierigkeiten. „Das Reisejahr 2020 war das mit Abstand schwierigste, das wir je gesehen haben“, sagt Schäfer. Um 80 Prozent ging der Umsatz bei den rund 11.000 Reisebüros und 2300 Reiseveranstaltern in Deutschland zurück. Über 28 Milliarden Euro fehlten in ihren Kassen.

Welche Ziele sind möglich?

Wie weit sich die Lage der Branche bessern wird, hängt von den politischen Entscheidungen ab. Bei dem Reiseveranstalter Tui rechne man in den nächsten Wochen mit einer „nachhaltigen Erholung des Geschäfts“, sagt Sprecher Aage Dünhaupt. Schon jetzt zeichnen sich die ersten Reisetrends für den Sommer ab. Zu den beliebtesten Zielen im Ausland gehören die griechischen Inseln Kreta, Rhodos und Kos. Zu den Favoriten gehören auch Mallorca und die Kanarischen Inseln.

Wandern am Obersee in Bayern: Das Bertesgadener Land ist bei  den Buchungen stark gefragt. Foto: Imago

Die Deutschen hoffen auf Spanien und den Mittelmeerländern, dass aufgrund der europaweiten Impfungen die Pandemie zurückgedrängt wird. Daher ist es durchaus wahrscheinlich, „dass in den Sommerferien im Juli und August die Jets auf vielen Strecken im Mittelmeerraum und auf die Kanaren schnell ausgebucht sein werden“, so Dünhaupt.

Lesen Sie auch: Erster Veranstalter beschließt: Urlaub nur noch mit Impfung!>>

Auch Inlandsziele sind stark nachgefragt, wie etwa das Bertesgadener Land (Bayern). „Ab Juli, August und September sind wir sehr gut gebucht“, sagt Teresa Hallinger, Abteilungsleiterin Destinationsmanagement in der Tourismus-Region Berchtesgadener Land. Allerdings seien Mai und Juni noch extrem schleppend nachgefragt, da die Menschen sehr verunsichert seien und auf das Go der Bundesregierung warteten. An der Ostsee sieht es ähnlich aus. „Die Nachfrage in den Sommermonaten ist ungebrochen groß“, sagt Nadine Riethdorf, Vorsitzende des Tourismusverbandes Insel Usedom.

Wie sicher sind die Buchungen?

Während in der Vergangenheit die Deutschen bei der Urlaubsplanung auf den Preis schauten, setzen sie nun auf Flexibilität, so Tui-Sprecher Dünhaupt. Zwei Drittel aller Buchungen seien sogenannte Flex-Buchungen, die bei coronabedingten Veränderungen der Reise greifen sollen. „Urlauber haben damit die Möglichkeit, bis 14 Tage vor Anreise weltweite Pauschalreisen gebührenfrei umzubuchen oder zu stornieren.“

So dicht gedrängt lagen vergangenes Jahr die Urlauber am  Strand von Playa de Palma auf Mallorca - trotz Corona . Foto: Imago/Janssen

Eine Pauschalreise könne kostenfrei storniert werden, wenn am Urlaubsort unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände auftreten und die Reise dadurch erheblich beeinträchtigt würde, etwa bei Naturkatastrophen, erklärt Irina Krüger von der Berliner Verbraucherzentrale. In der Regel sei eine kostenfreie Stornierung möglich, wenn eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes vorliege, wie beispielsweise in der Pandemie. „Diese ist jedoch keine zwingende Voraussetzung, denn auch andere Gründe können für außergewöhnliche Umstände sprechen. In der aktuellen Lage wären das etwa die Infektionsgefahr und Einschränkungen im Reiseland. Die Gründe müssen jedoch im Einzelfall gesondert geprüft werden“, so Krüger weiter.

Können Buchungen storniert werden?

Einige Anbieter werben gerade mit großzügigen Stornierungsmöglichkeiten. Diese sollten vor Buchung der Reise genau geprüft werden, denn sie greifen nicht bei allen Tarifen und nicht in allen Fällen, rät die Verbraucherzentrale. Bei einer Pauschalreise müsse der Reiseveranstalter einen Sicherungsschein herausgeben. Erst danach könne er eine Zahlung vom Reisenden verlangen. Die Insolvenzversicherung greife im Falle einer Zahlungsunfähigkeit des Reiseveranstalters. Daher rät der Deutsche Reiseverband, Pauschalreisen zu buchen, bei denen eine Insolvenzversicherung angeboten wird.

Müssen Urlauber geimpft sein?

Alle Touristikunternehmen setzen auf die bereits im Vorjahr umgesetzten Hygienekonzepte, die jetzt sogar noch durch Corona-Tests und Impfungen der Mitarbeiter am Urlaubsort erweitert werden sollen. Das Unternehmen Alltours geht noch einen Schritt weiter. So sollen in der firmeneigenen Hotelkette Allsun nur noch Gäste Urlaub machen, die bereits gegen Corona geimpft wurden. Diese Maßnahme soll voraussichtlich erst ab 31. Oktober gelten, so ein Sprecher.