Inzwischen gibt es sogar Wörterbücher für Amtsdeutsch und Behördisch.
Inzwischen gibt es sogar Wörterbücher für Amtsdeutsch und Behördisch. dpa/Sören Stache

Der brandenburgische Landkreis Barnim nordöstlich von Berlin ist nicht für Revolutionen und Aufstände bekannt. Jetzt aber meutern dort Politiker. Die BVB/Freien Wähler machen ihrem Ärger Luft – und zwar gegen das um sich greifende Amtsdeutsch.

Jeder kennt es, wenn er einen Behördenbrief bekommt. Amts- und Beamtendeutsch ist allgegenwärtig. Gewollt ist die absolute Präzision, doch das endet nicht selten in grammatikalischen Block-Konstruktionen mit verschachtelten Sätzen, in denen mehr Hauptwörter als Zeitwörter vorkommen.

Verständlich ist das in der Regel nicht, und darum fordern die BVB/Freien Wähler in Barnim jetzt, dass Beschlüsse künftig auch in leicht verständlicher Sprache zur Verfügung stehen sollen.

Auf RBB24 heißt es dazu: „Ein Blick in den aktuellen Haushalt des Landkreises zeigt das Problem. So heißt es zum Beispiel in einer Passage zur Jugendhilfe: ,Das Jugendamt leistet ambulante Hilfen im Bereich der Schulplanung. Aufgrund des Rechtsanspruches auf Beschulung an Regelschulen für Kinder und Jugendliche mit Anspruchsgrundlage nach § 35a SGB VIII in Verbindung mit einem Sozialpädagogischen Gutachten (bei vorliegender Beeinträchtigung der Teilhabe am Leben in der Gesellschaft) ist eine Fallzahlverringerung nicht möglich.‘“

In Bernau soll mit dem Amts-Kauderwelsch bald Schluss sein

Und weil das alles nicht mehr zu verstehen ist, soll in Bernau mit dem Amts-Kauderwelsch bald Schluss sein. Schon ab dem kommenden Jahr sollen die politischen Beschlüsse auch in leicht verständlicher Sprache verfasst sein. Aktuell suchen die Verwaltungsmitarbeiter dafür Übersetzungstools im Internet, erklärte Pressesprecherin Linda Standhardt dem RBB.

Besonders bei Wahlunterlagen führt Amtsdeutsch zu echten Problemen.
Besonders bei Wahlunterlagen führt Amtsdeutsch zu echten Problemen. imago/Eckhard Stengel

„Wir suchen Werkzeuge, wo wir einfach diese Texte einspeisen können. Sie werden übersetzt und man kann einfach mit kleinen Hilfestellungen nachjustieren, sodass sie in einfach und verständlich formulierte Sprache umformuliert werden.“

Für solche Tools müsse aber erst einmal Geld in die Hand genommen werden. Gleiches gelte für das Amtsblatt: Die darin veröffentlichten Beschlüsse sollen ab 2023 in zwei Versionen abgedruckt werden: eine einfache und die komplizierte. Dadurch dürfte das Amtsblatt natürlich um einiges umfangreicher ausfallen.

Amtsdeutsch treibt irre Stilblüten

Für die Stadt bedeutet das Mehrkosten von rund 3000 Euro pro Auslage. Die BVB/Freien Wähler in Barnim sind trotzdem dafür, dass Maßnahmen gegen das Amtsdeutsch zügig umgesetzt werden.

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Wer von Beamtendeutsch nicht genug bekommen kann, für den präsentiert der KURIER an dieser Stelle die Hitliste der gruseligsten Amtsphrasen, die gerade in Umlauf sind. Aber Vorsicht: Beamtendeutsch treibt irre Stilblüten! Hier die ultimative Aufzählung, die der Sprachschul-Gigant Berlitz zusammengestellt hat. Sie werden nicht glauben, welches Gefasel sich deutsche Beamte ausdenken können:

nicht lebende Einfriedung

= Zaun

raumübergreifendes Großgrün

= Baum

Beelterung

= Pflegefamilie vermitteln

Deutscher Staatsbürger anderweitiger Nationalität

= eingebürgerter Ausländer

Lautraum

= Diskothek

Gelegenheitsverkehr

= Taxis und Mietwägen

Grundstücksentwässerungsanlage

= Regenrinne

Einachsiger Dreiseitenkipper

= Schubkarre

Versagung

= Ablehnung

Anleiterbarkeit

= Möglichkeit, eine Leiter an ein Fenster zu lehnen

Luftverlastung

= Hubschraubertransport

Restmüllbeseitigungsbehälterentleerung

= Abholung durch die Müllabfuhr

Personenvereinzelungsanlage

= Drehkreuz

Grüngutsammelplatz

= Komposthaufen

Mehrstück

= Kopie

Bedarfsgesteuerte Fußgängerfurt

= Ampel

Lebensberechtigungsbescheinigung

= Stammbuch

Bestallung

= Vormundschaft

Kennen Sie weitere Amtsphrasen? Dann melden Sie sich bitte unter karim.mahmoud@berlinerverlag.com

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