Der an den Rollstuhl gefesselte Brite Noel Martin bei einem Berlin-Besuch im Jahre 2001 .   Foto: dpa/lbn

 

Die Tat von jungen Rechtsradikalen in Brandenburg veränderte vor 24 Jahren tragisch das Leben des Briten Noël Martin. Am Dienstag ist er in seiner Heimatstadt gestorben. Sein Schicksal berührte die Menschen. Er fand trotzdem den Mut, für die Verständigung der Menschen zu werben. Durch seinen unerschütterlichen Willen und seine klare Haltung, sich für ein gewaltfreies Miteinander einzusetzen, sei er für Viele zu einem Vorbild geworden, so Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD).

Martin war im Alter von 60 Jahren gestorben. Am 16. Juni 1996 wurden der damalige Bauunternehmer und seine Kollegen von jungen Rechtsradikalen in Mahlow-Blankenfelde (Landkreis Teltow-Fläming) angepöbelt und mit dem Auto verfolgt. Steine wurden auf die Autos geworfen. Der damals 36-Jährige prallte mit seinem Wagen gegen einen Baum. Durch den Unfall war der gebürtige Jamaikaner vom Hals an gelähmt und saß seitdem im Rollstuhl. Die beiden Täter mussten mehrjährige Haftstrafen verbüßen.

„Nenn es: mein Leben“ überschrieb Martin 2007 seine Biographie. Darin schilderte der Brite sein Leben: vom Kind armer Eltern in Jamaika über das Migrantendasein in Großbritannien, auch mit rassistischen Anfeindungen. Er arbeitete sich bis zum erfolgreichen Bauunternehmer hoch. In Mahlow baute er dann bis zu dem Anschlag Wohnhäuser mit.

„Ich habe meine Würde verloren“, bezeichnete er in dem Buch seine Situation. Der kräftige Mann musste fortan rund um die Uhr von Pflegerinnen umsorgt werden. Viele offene Wunden quälten ihn. Mit einer Hebevorrichtung musste er in den Rollstuhl gehoben werden, wo er aber kaum sitzen konnte wegen der Schmerzen.

2007 kündigte er an, sich an seinem 48. Geburtstag selbst töten zu wollen. Er wollte damals in die Schweiz fahren und mit einem Strohhalm ein Gift zu sich nehmen. Freunde konnten ihn aber von dem Vorhaben abhalten.

Martin hatte 2003 mit den Entschädigungsgeldern der Landesregierung den Noël- und Jacqueline-Martin-Fonds gegründet, der auch den Namen seiner im Jahr 2000 an Krebs gestorbenen Frau trägt. Sie hatte ihn bis zu ihrem Tod gepflegt.

2008 wurde der Fonds in eine Stiftung umgewandelt, die bei der Stiftung «Großes Waisenhaus zu Potsdam» angesiedelt ist.  

Mit seinem unermüdlichen Kampf gegen Rassismus habe Martin viel bewegt und viele Menschen inspiriert, betonten die Brandenburger Landesvorsitzenden der Grünen, Alexandra Pichl und Julia Schmidt. Martins Tod zeige, dass Rassismus schon immer zu Taten führte und am Ende Leben koste, sagte der Linken-Fraktionschef Sebastian Walter. Das bleibe so, wenn nicht gegengehalten werde. In Mahlow erinnert heute ein Mahnmal an die rechtsextremistische Tat vor 24 Jahren.