Ein Berliner Polizist (Symbolfoto)
Ein Berliner Polizist (Symbolfoto) dpa/Christophe Gateau

Die Fälle häufen sich und sie werfen ein dramatisches Licht auf die Berliner Polizei: Vor einigen Wochen hatte ein Polizist ein syrisches Ehepaar in dessen Wohnung rassistisch beleidigt und am Freitag wurden Vorwürfe der Opferberatungsstelle Reachout laut, dass ein 64 Jahre alter Schwarzer infolge „massiver brutaler Gewalt“ im Polizeigewahrsam gestorben ist. Die Organisation spricht von Rassismus und sogar von Mord. Am gleichen Tag veröffentlichte die Berliner Polizei eine von der Berliner Innenverwaltung in Auftrag gegebene zu Alltagsrassismus in der Polizei. 

Aus der qualitativen Studie der TU Berlin lassen sich anders als quantitativen Studien nicht konkreten Zahlen, sondern vielmehr Tendenzen und Stimmungen ablesen. So stellt die Studie keine repräsentative Erhebung dar, rechtsextreme oder rassistische Gesinnungen wurden nicht abgefragt, sondern der Alltag von Polizistinnen und Polizisten untersucht. Eine quantitative Studie soll es aber noch geben, das hatte die rot-grün-rote Landesregierung in ihrem 11-Punkte-Plan gegen (Rechts-)Extremismus in den Sicherheitsbehörden angekündigt.

Studie: Berliner Polizei rassistisch, aber nicht mehr als der Rest der Deutschen

In der nun veröffentlichten quantitativen Studie, für die die Forschenden Berliner Polizistinnen dreieinhalb Monate bei Einsätzen im gesamten Stadtgebiet begleiteten und längere Interviews führten, kam nun heraus, dass es Alltagsrassismus in der Polizei gibt, wenn auch nicht mehr oder weniger als im Rest der Bevölkerung, erklärte Studienleiterin Christiane Howe. Ob eine Instanz, deren Beamte mit Waffen und unzähligen Befugnissen ausgestattet sind, nicht etwas weniger rassistisch als der Durchschnitt sein sollte, beantwortet die Studie hingegen nicht.

Hinweise auf „Racial Profiling“, also das Kontrollieren von Menschen aufgrund äußerer Merkmale wie Haut- oder Haarfarbe hätte es zumindest in Gegenwart der Forschenden nicht gegeben, erklärte Howe, die auf Rückfrage davon ausging, dass Polizisten sich nicht über drei Monate hinweg verstellen könnten. 

Dennoch werden in der Studie PoC (Person of Colour) zitiert, die schlicht Angst vor der Polizei haben. Eine Person schildert, das Gefühl, wenn sie einen Polizisten erblickt aufgrund ihrer Erfahrungen so: „Du musst vorsichtig sein, im besten Fall begegnest du Polizei niemals allein.“ Eine andere klagt an: „Unsere Wahrnehmung oder das, was wir auch immer wieder aus der Community mitbekommen, ist, dass sie einfach nicht Anzeige erstatten wollen, weil dann irgendwie eine Täter-Opfer-Umkehr passiert, ihnen ein eigenes Verschulden für das Passierte zugeschrieben wird.“

Studie: Berliner Polizisten unbewusst rassistisch

Die Autorinnen und Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass sich Berliner Polizisten oftmals nicht bewusst seien, wie sie auf andere Menschen wirken, zudem würden sichere Räume in ihrem Arbeitsalltag fehlen, um ihr Verhalten zu reflektieren. Bestes Beispiel dafür scheint der rassistische Polizeieinsatz bei der syrischen Familie, der nur ans Licht gekommen war, weil die Frau ihn mitgefilmt hatte und nicht etwa, weil die anderen am Polizeieinsatz beteiligten Beamten ihren Kollegen gemeldet hätten.

Auch der Rassismus, der bei den Polizeieinsätzen zum Vorschein komme, fließe meist nicht bewusst in die Handlungen oder Ansprachen der Polizistinnen ein, vielmehr sei es gesellschaftlich gelernter Rassismus, der zum Vorschein komme. Daher fordert die Studie auch weitere Sensibilisierungen durch Schulungen zu den Themen Rassismus und deutschem Kolonialismus. Zudem empfiehlt sie das Tragen von Bodycams, um Einsätze transparenter zu machen.

Lesen Sie auch: Zweifel an Verfassungstreue: AfD-Richterin Birgit Malsack-Winkemann soll in den Ruhestand versetzt werden – Entscheidung naht >>

Und auch bei der Ausbildung gibt es reichlich Verbesserungspotenzial. Da liege laut Studie der Schwerpunkt auf Recht, Einsatz- und Verhaltenstraining und Schießen, kommunikative Fähigkeiten würden nicht trainiert. Dabei bestehe Polizeiarbeit laut Wissenschaftlerin How „zu zwei Dritteln aus Sprechen“.