Björn T. (37) ist der Angeklagte in einem bizarren Prozess. Pressefoto Wagner

Als die Polizei kam, schnappte sich die Frau ihren Hund und stürmte aus der Wohnung. Stundenlang soll sie in der Gewalt eines falschen Polizisten gewesen sein. Mieser Menschenraub oder bizarre Räuberpistole? Björn T. (37, Namen geändert) steht nun vor Gericht. Er soll sich am 15. März 2021 als Polizist ausgegeben haben, um an die Adresse von Ricarda R. zu gelangen. Sie soll er dann überrumpelt und als Druckmittel gegen ihren Freund festgehalten haben, um Schulden einzutreiben.

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Björn T. – tätig als technischer Objektleiter – nun kopfschüttelnd. Gegenüber einem Polizisten soll er damals gesagt haben: „Alles Unfug.“ Er und Ricarda hätten in der Wohnung auf einen Kumpel gewartet. Nun hüllte sich T. in Schweigen.

Erstes Opfer laut Anklage: Paul S. (30) aus Prenzlauer Berg. Bei ihm soll T. geklingelt und gerufen haben: „Polizei!“ S.: „Ich öffnete, er drückte mich in die Wohnung, wollte Ricardas Adresse.“

„Er stieß sie gegen die Wand, nahm ihr das Handy ab, verschloss die Tür, steckte den Schlüssel ein“

Es kam laut Anklage zu einem Gerangel. S.: „Weil ich zuerst nichts sagen wollte.“ T. soll gedroht haben: „Steche dich ab!“ Als er die Adresse hatte, sei er zu Ricarda R. nach Reinickendorf gefahren.

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Arglos soll sie ihm geöffnet haben. Er habe sie überrumpelt. Die Anklage: „Er stieß sie gegen die Wand, nahm ihr das Handy ab, verschloss die Tür, steckte den Schlüssel ein.“

Nun keine Spur von Zeugin Ricarda R. – sie soll sich derzeit in Serbien aufhalten

Üble Drohungen schilderte Ricarda R. bei der Polizei: Er werde sie „totmachen“, vor dem Haus würden sieben Personen in einem Auto warten, ihr Freund schulde einer Familie Geld, er warte auf ihn.

Er soll sie mit einem Staubsaugerrohr geschlagen und ein Foto von ihr gemacht haben, um es ihrem Freund zu schicken. Der wiederum alarmierte anonym die Polizei: „Meine Freundin wird festgehalten.“ Und auf ihn würden vor dem Haus Clan-Männer warten.

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Als die Polizei um 19.45 Uhr eintraf, stand allerdings niemand vor dem Haus. Die Frau öffnete. Ein Beamter: „Erst sagte sie, alles okay, wir fragten noch einmal – da griff sie den Hund und rannte aus der Wohnung.“ Und schilderte einen erpresserischen Menschenraub.

Nun keine Spur von Zeugin Ricarda R. – sie soll sich derzeit in Serbien aufhalten. Fortsetzung: Donnerstag.