Mit diesem Pritschenwagen versuchten die Täter offenbar, über den Hinterhof in die Volksbank zu gelangen. Foto: Eric Richard

Kurioser Raubüberfall am Bundesplatz! Drei oder vier unbekannte Täter sollen am Dienstagvormittag versucht haben, die Volksbank in der Detmolder Straße zu überfallen. Sie fuhren mitten am Tag mit einem Pritschenwagen auf den Hinterhof einer Volksbank. Das Fahrzeug hatten sie zu einer Ramme umgebaut. Doch dann kamen zufällig zwei Wachmänner vorbei und vereitelten den Coup. 

Die Vorgehensweise war ausgeklügelt, doch das Timing schlecht. Gegen 9.30 Uhr fuhren mehrere Männer mit einem weißen VW Pritschenwagen in einen Durchgang zu einem Hinterhof, in dem sich die Volksbank befindet. Nach KURIER-Informationen hatten die Räuber einen langen Stahlträger an der Ladefläche festgeschweißt, der nach hinten etwa einen Meter herausragte. Mit diesem Rammbock wollten die Täter offenbar rückwärts an den Hintereingang der Bank heranfahren, um ihn damit aufzubrechen.

„Doch die Männer wurden von Mitarbeitern einer Sicherheitsfirma überrascht“, erklärt ein Polizeisprecher. Ob sie die Räuber dabei störten, als sie gerade mit der Ramme in die Bank einbrechen wollten, war zunächst unklar. Fakt ist: Das umgebaute Fahrzeug richtete einen Schaden an der Fassade der Bank an. Anschließend müssen die Täter das Auto der Wachmänner gerammt haben, die sich mutig in den Weg stellten. Daraufhin feuerten die Räuber mehrere Schüsse ab. Durch ein Projektil wurde ein Sicherheitsmann verletzt, angeblich in der Schulter. Er überlebte schwer verletzt.

Polizisten haben eine Waffe gesichert, die bei der Tat benutzt wurde.  Foto: privat

Ein Augenzeuge berichtete dem KURIER, dass es einen Knall gegeben habe. Er vermutete eine Explosion. Es war jedoch das Geräusch, als die Täter etwas rammten. Der Zeuge sei daraufhin zur Pforte der Volksbank gelaufen. Vor der Schranke habe der Pritschenwagen bereits im Innenraum gebrannt. „Ein Mann und ich haben dann einen Feuerlöscher besorgt und die Flammen gelöscht.“ Während der Brandbekämpfung seien dann Polizisten mit gezogenen Waffen auf sie zugekommen.

Die Täter hatten den Pritschenwagen angezündet, um Spuren zu vernichten. Zeugen zufolge sollen sie über eine Mauer geklettert sein um über die Stadtautobahn zu entkommen. Andere Passanten haben berichtet, dass die Männer an der Stadtautobahn in einen dunklen Audi gestiegen seien und davonfuhren. Es sollen drei oder vier Räuber (Zeugenaussagen weichen ab) gewesen sein. Keiner von ihnen wurde bisher gefasst.

Die Sprecherin der Bank, Frauke van Bevern, zeigt sich erleichtert: «Bislang sehen wir nur Sachschaden», sagt sie. Zwei Angestellten, die vor der Öffnung der Filiale um 10.00 Uhr bereits vor Ort waren, gehe es den Umständen entsprechend gut. Ihnen werde eine psychologische Betreuung angeboten.

Polizisten vor der Filiale der Volksbank. Die Detmolder Straße wurde großräumig abgesperrt. 
Foto: Eric Richard

Die Polizei hatte mit einem Großaufgebot die Detmolder Straße abgesperrt. Beamte mit Maschinenpistolen standen vor jedem Hauseingang. Anwohner und Geschäftstreibende hatten erst vor Kurzem einen Überfall erlebt. Mitte Juni hatten vier maskierte Männer etwa um die gleiche Zeit vor der selben Volksbank-Filiale einen Geldboten ausgeraubt. Sie hatten ihn hinter einem geparkten Smart aufgelauert und mit Reizgas attackiert. Die Täter erbeuteten einen Geldkoffer mit 500.000 Euro, der mit einer Farbpatrone gesichert war.

Erst am Freitag hatten Unbekannte erneut in Neukölln versucht, einen Geldboten zu überfallen, der aus einer Postbank am Neuköllner Hermannplatz kam. Der Überfall scheiterte. Die Polizei prüft, ob es sich bei allen Überfällen um dieselbe Bande handelt.