Früh übt sich. Ein Mädchen im Straßenverkehr Foto:  imago images

In der Stadt kamen in diesem Jahr schon 15 Radfahrer bei Verkehrsunfällen ums Leben. Der Berliner Radsport Verband hat wegen der vielen Unfälle immer wieder gefordert, das Fahrradfahren an den Schulen flächendeckend zu unterrichten. Mit Erfolg: Der Senat hat am Dienstag angekündigt, dieser Forderung nun nachzukommen. Entweder im Fach Sport oder als eigene Arbeitsgemeinschaft (AG) soll künftig Radfahren geübt werden.  An einer Grundschule findet der Radfahr-Unterricht schon statt.

Ähnliche Pläne gab es immer wieder mal in den letzten Jahren, doch sie scheiterten an der Ausbildung der Lehrkräfte. Der Vorstand des Berliner Radsport Verbands hat der Senatsbildungsverwaltung nun ein ausgearbeitetes Konzept vorgestellt, mit dem der Verband die Lehrer selbst fortbilden will.

Offenbar hat das Konzept mit dem Namen „bike-fit-training“ das Haus von Senatorin Sandra Scheeres (SPD) überzeugt. Martin Klesmann, Sprecher der Bildungsverwaltung, sagt dem KURIER: „Das Fahrradfahren wird künftig besonders an Grundschulen eine größere Rolle spielen. Wir haben an einer Grundschule im Märkischen Viertel einen Testparcour eingerichtet und probieren dort alles aus.“ Weitere Schulen sollen hinzukommen.

„Der Unterricht könnte dazu beitragen, dass die Zahl der Unfälle in Berlin sinkt“, sagt Konstantin Henschen vom Berliner Radsport Verband. Bei einigen Berliner Radfahrern gebe es flächendeckend Mängel bei den zehn wichtigsten Fertigkeiten. „Wir sagen nicht, dass alle unfähig sind. Aber nicht alle beherrschen das reibungslose Anfahren oder Bremsen sowie das Überwinden von Hindernissen. Sie tun sich beim Überqueren von Bahnschienen und Bordsteinkanten schwer“, erklärt er. Das Fahren mit einer Hand am Lenker sei elementar für das Anzeigen der Fahrtrichtung.  „Das Raushalten des Arms muss mindestens drei Sekunden dauern. Viele können das nur eine Sekunde“, so Henschen weiter.

Konstantin Henschen hofft, die Kinder und Jugendlichen in der Schule  am besten zu erreichen. Er schätzt, dass 30 Prozent der Mädchen und Jungen das Radfahren nicht richtig können. Dabei geht es ihm nicht um den Sicherheitsaspekt allein. Der Verband will Anreize schaffen, dass die Berliner das Fahrrad auch als Sportgerät entdecken, als Mountainbike oder als Rennrad. 

Die Verkehrserziehung an den Berliner Schulen, die die Polizei in der vierten Klasse durchführt, bleibt von den Neuerungen unberührt. Doch sie reicht nicht mehr aus. 

„Wir ergänzen die Verkehrserziehung in Kooperationen mit den Bezirken, um die Schüler im Straßenverkehr noch sicherer zu machen“, so Sprecher Martin Klesmann weiter.