Sebastian Klussmann und sein Buch „Besserwissen mit dem Besserwisser“. Foto: Berliner KURIER/Sabine Gudath

Er gehört zu den schlausten Berlinern – und hat es mit seinem riesigen Wissensschatz sogar ins Fernsehen geschafft: Sebastian Klussmann (31) ist seit 2013 regelmäßig als Jäger in der erfolgreichen Quizshow „Gefragt - Gejagt“ (ARD) zu sehen. Nun hat der Quiz-Meister ein Buch geschrieben – und will damit dafür sorgen, dass die Menschen wieder Freude am Lernen entwickeln.

Lernen – viele Menschen verbinden damit dicke Bücher, staubige Bibliotheken und mehr oder weniger unnützes Wissen aus der Schulzeit. Doch für Sebastian Klussmann ist Lernen etwas völlig anderes. „Ich mache das automatisch, den ganzen Tag. Es ist gar nicht schwer“, sagt er. Bei ihm passiere es nebenbei: „Wenn ich einen Straßennamen sehe, den ich bisher nicht kannte, schaue ich nach, warum die Straße so heißt. Und im Supermarkt gehe ich geografischen Begriffen aus den Namen von Wurst und Käse nach. So entdecke ich neue Dinge – und es fühlt sich nicht nach Schule an.“ Die Automarke „Renault Clio“ sei etwa nach Clio benannt, der Muse der Geschichtswissenschaft. Hätten Sie’s gewusst?

Der Quiz-Meister steht in „Gefragt - Gejagt“ vor der Kamera

Der heute 31-Jährige lernte schon immer gern. „Ich habe sehr früh angefangen, meine Nase in viele Dinge zu stecken“, verriet er dem KURIER. Mit vier nahm er etwa einen Atlas in die Hand, lernte Hauptstädte auswendig. Später entdeckte er das Quizzen für sich. Mit seinem Wissen hat es Klussmann weit gebracht: Er gehört seit 2010 zur Quiz-Nationalmannschaft. 2011 gründete er den Deutschen Quizverein, der heute fast 800 Mitglieder in 30 Städten hat. Er ist amtierender Berliner Quizmeister, Deutscher Meister, gewann mit seinem Team 2018 und 2019 die Europameisterschaft – und steht in der Quizshow „Gefragt - Gejagt“ (ARD) als einer der Jäger vor der Kamera.

Klussmann steht auch für die ARD-Show „Gefragt – Gejagt“ vor der Kamera. Foto: ARD/Uwe Ernst

Nun schmückt auch ein Buch seine Vita: „Besserwissen mit dem Besserwisser“ (Ullstein, 10 Euro) soll vor allem: neugierig machen. „Ich möchte damit Menschen überzeugen, dass Allgemeinbildung wichtig ist, auch wenn man alles auf Google findet. Ich will, dass die Leute rausgehen und sagen: Ich habe Lust, mal wieder etwas zu lernen!“ Das funktioniere nur, wenn es auch Spaß macht – und wenn eine gewisse Neugier vorhanden ist. „Aber das kann man lernen. Ich schaue mir beispielsweise regelmäßig an, nach welchen Dingen die Menschen bei Google suchen. Dabei lernt man so viel über das, was gerade gesellschaftlich interessant ist.“ Überhaupt komme viel Inspiration aus dem Internet, aus sozialen Netzwerken. Erst heute habe Klussmann gelernt, dass es unter Schauspielern momentan den Trend gibt, eigene Spirituosen auf den Markt zu bringen. „Der Gin von Ryan Reynolds wurde von einem Fachmagazin zu einem der besten gewählt“, sagt er und lacht.

Wer lernen will, muss aber vor allem offen sein für Neues. „Das heißt: Man sollte für sich herausfinden, wo die eigenen Interessen liegen – und dann Themengebiete miteinander verknüpfen“, so Klussmann. Es gebe beispielsweise viele Menschen, die Erdkunde in der Schule nicht mochten, aber dann über den Sport lernen, aus welchen Ländern verschiedene Mannschaften kommen. Oder: Wer etwas über Naturwissenschaft lernen möchte, kann sich mit Kriminaltechnik befassen – ein spannendes Thema, für das beispielsweise auch Chemie, Physik und Biologie eine wichtige Rolle spielen. „Ich verknüpfe selbst Dinge, die mich interessieren, mit denen, die mich nicht interessieren – und lerne so neues dazu.“ 

Vielen könne es auch helfen, bildlich zu lernen. „Bücher mit Textwüsten sind eher nicht spannend – aber wenn mich ein Thema interessiert, suche ich nach Bildern oder Videos und Dokumentationen, die sich darum drehen.“ Und: Der Experte rät dazu, Wissen auszutauschen. „Man kann auch zu Hause ein Buch lesen, aber viel mehr Spaß macht es, mit Freunden darüber zu sprechen. Man kann seine Freunde beispielsweise fragen, welche Filme sie in der letzten Zeit geschaut haben – dadurch kann wieder Inspiration für neue, spannende Themen entstehen.“ Für alle, die nicht gern lesen, empfiehlt Klussmann Podcasts. „Es gibt so viele spannende Formate, die man auch bei einem Spaziergang oder beim Joggen hören kann.“

Zum Allgemeinwissen gehört auch das „Dschungelcamp“

Nur eines sei nicht immer ganz klar: Welche Fakten wichtig sind – und welche nicht. „Allgemeinbildung hat sich stark verändert. Natürlich sollte jeder wissen, welche Bundesländer es gibt, welche Nachbarländer Deutschland hat und wann der Erste und Zweite Weltkrieg stattfanden“, sagt er. „Aber heute gibt es so viele verschiedene Wissensbereiche, dass man sich nicht so leicht einigen kann auf die 100 Fakten, die jeder kennen muss.“ Es sei eben auch wichtig, das „Dschungelcamp“ und Capital Bra zu kennen. Und, noch viel wichtiger: Überhaupt Dinge zu wissen. „Denn Allgemeinbildung ist der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält, eine Gesprächsgrundlage unter Fremden.“

Damit Sie auch noch etwas lernen, gibt’s hier sieben Fragen vom Quiz-Champion. Alle drehen sich übrigens um Berliner U-Bahnhöfe. Hätten Sie’s gewusst?