Kultursenator und Bürgermeister Klaus Lederer. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Angesichts der hohen Infektionszahlen hat der Berliner Senat neue Pläne zur Eindämmung der Corona-Pandemie vorgestellt. Neben der Etablierung von mobilen Testteams, die vor allem in Schulen und Kitas zum Einsatz kommen sollen, möchte der Senat auch 500 Hotelplätze anmieten – um eine sichere Quarantäne zu gewährleisten. Das sagte Kultursenator und Bürgermeister Klaus Lederer (Linke) nach der Senatssitzung. Über die Vergabe der künftigen Plätze solle in Abstimmung mit den Gesundheitsämtern entschieden werden.

Die konkrete Ausgestaltung des Vorhabens ist noch im Unklaren. Man mache sich aber, wie Lederer sagte, „mit Fiebereifer“ an die Aufgabe. Gleichzeitig räumte der Politiker ein, dass 500 Plätze für eine Metropole wie Berlin nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“ seien. Dennoch würden sie helfen, Infektionsketten zu unterbrechen. Weil Infizierte und Kontaktpersonen durch die Hotel-Quarantäne besser isoliert werden könnten, verhindere man, dass Menschen „in einer Ansteckungssituation dauerhaft gefangen bleiben“.

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Bernd Siggelkow, Gründer des christlichen Kinder- und Jugendwerks „Die Arche“ stellt sich zu dem Ansinnen des Senats die Frage: „Wer kommt überhaupt in den Genuss der Quarantäneplätze?“ Zu seiner Klientel zählten vor allem viele alleinerziehende Mütter mit mehreren Kindern: „Sie können nicht einfach mit einem ihrer Kinder in ein Quarantäne-Hotel gehen. Wer würde denn dann die Betreuung der restlichen Kinder übernehmen?“ Von daher sehe er in den Bemühungen um Quarantäneplätze in Hotels für seine Zielgruppe keinen Nutzen.

Der Armutsbeauftragte beim Diakoniewerk Simeon, Thomas de Vachroi, begrüßt hingegen diese Idee: „Gerade in beengten Wohnverhältnissen steigt auch die häusliche Gewalt in der Quarantänezeit, weil viel Druck und Aggressionspotenzial entstehen. Wenn die Betroffenen gesondert untergebracht werden, können sie dort ein paar Tage zur Ruhe kommen.“ Doch wie Siggelkow sieht auch er jenen Nachteil, dass Familien auseinander gerissen würden: „Was passiert mit den Kindern oder der pflegebedürftigen Mutter?“ Dieser Aspekt dürfe bei der Entscheidung, jemanden in ein Quarantäne-Hotel zu schicken, nicht vergessen werden.

„Wer checkt die neuen Gäste ein?“

Die Umsetzung des Vorhabens beschäftigt auch Thomas Lengfelder, den Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes Dehoga. So seien die Berliner Hotels grundsätzlich gerne bereit, Quarantäne-Plätze zur Verfügung zu stellen, um einen Beitrag zur Pandemie-Bekämpfung zu leisten. Gleichzeitig gebe es aber dringenden Klärungsbedarf. Lengfelder nennt wichtige Überlegungen: „Wer checkt die neuen Gäste ein? Wie soll deren Versorgung stattfinden? Gibt es medizinisches Personal vor Ort und einen Sicherheitsdienst, der überprüft, ob die Quarantäne eingehalten wird?“

Diese Fragen, die die Dehoga bereits der Senatsverwaltung übermittelt habe, hätte man gerne beantwortet. Außerdem sei unklar, ob der Senat ganze Häuser anmieten möchte oder nur einzelne Etagen. „Auf dem 3. Stock die Weihnachtsgäste und auf dem 4. Stock die Infizierten oder Kontaktpersonen“, sagt Lengfelder, „das kann ich mir nur schwer vorstellen.“

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Der Vorstoß des Senats wirft auch ein Schlaglicht auf die gebeutelte Hotel-Branche: „Überbrückungshilfen, die im Mai beantragt worden sind, wurden vielfach immer noch nicht bezahlt. Hunderte Häuser haben noch keinen Cent erhalten und stehen vor der Insolvenz.“ Die Notlage betreffe damit einen Sektor, von dem berlinweit insgesamt 250.000 Arbeitsplätze abhingen.