Ex-Puhdys-Drummer Klaus Scharfschwerdt dpa/Britta Pedersen

Die Ostrock-Welt trägt Trauer: Klaus Scharfschwerdt, der frühere Schlagzeuger der DDR-Kultband Puhdys, ist tot. Er wurde nur 68 Jahre alt. Einst gefiel ihm die Musik der Puhdys gar nicht. Dann saß er mehrere Jahrzehnte bei der Band am Schlagzeug. Aus dem Puhdys-Hit „TV Show“ kennen die Fans auch seine Stimme.

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Klaus Scharfschwerdt ist am vergangenen Freitag in einer Klinik „nach langem Kampf gegen Lungenkrebs“ gestorben, bestätigt die Managerin seiner Band Scharfschwerdts Neuland, Daniela Wintoch, am Dienstag unter Berufung auf das engste Umfeld. Seine Familie sei bei ihm gewesen und bitte um Verständnis, in aller Stille trauern zu wollen. Auch die Beisetzung solle nur im engsten Familienkreis erfolgen.

Zuvor hatte die Familie den Tod über ein Facebook-Posting bekannt gegeben. „Tiefer Schmerz erfüllt uns, wir sind ohne Worte“, heißt es darin. Scharfschwerdt habe seinen Kampf gegen den Krebs verloren. „Er war immer stark und voller Hoffnung. Wir teilten diese Hoffnung und waren fest davon überzeugt: Er packt es! Es sollte leider nicht so kommen.“

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Scharfschwerdts Neuland

Klaus Scharfschwerdt litt seit langem an Lungenkrebs

Eine große Trauerfeier wird es also offenbar nicht geben. Dabei gibt es sicher sehr viele Fans und ehemalige Weggefährten, die Klaus Scharfschwerdt auf seinem letzten Weg gerne begleiten würden. Denn der virtuose Drummer, der von 1984 bis 1986 zum besten Schlagzeuger der DDR gewählt wurde, hat nicht nur bei den Puhdys die Trommelstöcke geschwungen: Bevor er 1979 als Nachfolger von Udo Jacob und Gunther Wosylos ein Puhdy wurde, spielte er etwa bei der Stern-Combo Meißen oder Prinzip.

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Puhdys-Gitarrist „Quaster“ Hertrampf: Klaus Scharfschwerdt war doch der Jüngste von uns Puhdys ...

Scharfschwerdt ist nach Bassist Harry Jeske, der im August 2020 im Alter von 82 Jahren starb, der zweite Puhdy, der für immer von der irdischen Bühne abtritt. Die Bildzeitung zitiert seinen früheren Bandkollegen, Puhdys-Gitarrist Dieter „Quaster“ Hertrampf (77), mit den Worten: „Klaus war doch der Jüngste von uns Puhdys, hatte eigentlich die Option, als Letzter zu gehen. Jetzt ist er der zweite Puhdy, den es nicht mehr gibt. Ich bin fassungslos und in Gedanken bei seiner Frau und seinem Sohn.“

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Unter dem Facebook-Post auf der Seite seiner Band Scharfschwerdts Neuland kondolieren die Fans. „Oh je, 68 ist doch noch kein Alter, es erwischt immer die falschen. Möge er in Frieden ruhen, mein aufrichtiges Beileid allen Angehörigen“, schreibt einer. Auch CDU-Politiker Mario Czaja verabschiedet sich hier: „So unfassbar traurig.  Mach‘s gut, Klaus. Mit dir geht ein Stück deutscher Musikgeschichte. Mein Beileid allen Angehörigen, Freunden und Bandkollegen.“

Klaus Scharfschwerdt trommelte seit seinem zwölften Lebensjahr – und fast vier Jahrzehnte lang bei den Puhdys. In der erfolgreichen Band mit Wurzeln in der DDR war Klaus Scharfschwerdt der Jüngste. Mehrfach wurde er zum besten Schlagzeuger in der DDR gewählt. Als die Puhdys sich 2016 auflösten, war er 62 Jahre alt. Nach einer kleinen Bühnen-Pause gründete der Drummer danach eine neue Band.

Seine ersten Bühnenerfahrungen sammelte er bei der Cover-Band Vulcan und bei Prinzip

Wie seine Puhdys-Kollegen hatte der am 27. Februar 1954 in Ost-Berlin geborene Scharfschwerdt zunächst eine Ausbildung absolviert, die nichts mit Musik zu tun hatte. Bei ihm war es eine Tischler-Lehre. Dann studierte er Musik. Sein Onkel war Gitarrist bei den Sputniks, einer DDR-Gitarrenband. Bei einem Konzert durfte der junge Klaus Scharfschwerdt hinter dem Schlagzeuger stehen – und war begeistert von dessen Job, wie er später berichtete. Seine ersten Bühnenerfahrungen sammelte er bei der Cover-Band Vulcan und bei Prinzip.

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1979 begann Scharfschwerdt dann als Nachfolger für Gunther Wosylus als Drummer bei den Puhdys. Dem Online-Magazin „Deutsche Mugge“ berichtete er später über seinen damaligen Eindruck über diese Band: „Ich kannte sie nur aus dem Radio und wenn ich ehrlich sein soll, war das überhaupt nicht mein Ding. Mein Ding waren viel mehr Alex Harvey, Alice Cooper und wie die alle hießen. Die Puhdys waren eine ganz andere Baustelle und das, was ich aus dem Radio kannte, gefiel mir eigentlich nicht wirklich.“

In der DDR wurden die 1969 gegründeten Puhdys („Alt wie ein Baum“) zwölf Mal zur beliebtesten Rockgruppe gewählt. Auch nach dem Mauerfall blieb das Quintett erfolgreich und füllte große Hallen. Der Drummer Scharfschwerdt gab zwei Puhdys-Titeln seine Stimme: „Jahreszeiten“ und „TV Show“. 2016 löste sich die Band nach Streitigkeiten auf.

Der Ex-Puhdy gründete eine neue Band, weil er sich zu Hause langweilte: „Nur Kois füttern reicht nicht“.

Zwei Jahre später gründete ihr Schlagzeuger eine neue Band: Scharfschwerdts Neuland. Er habe sich zu Hause gelangweilt, sagte er 2018 im „Deutsche Mugge“-Interview. „Du sitzt dann eben da, nur Kois füttern reicht nicht und nur in Urlaub fahren, reicht auch nicht.“ Er tat sich mit einem Gitarristen, einem Geiger und einer Cellistin zusammen.

2019 brachten sie das Album „Made in Europe“ heraus. „Drei Saitenvirtuosen und ein Drummer präsentieren Rockmusik, die ihresgleichen sucht“, so beschrieb die Band sich selbst im Internet. Drummer Scharfschwerdt habe nach den Puhdys „einfach mal Lust auf eine härtere Gangart und auf die Umsetzung seiner musikalischen Ideen in völlig neuem Gewand“. Der Sänger bei Schwarfschwerdts Neuland war ein Urgestein der DDR-Rockmusik: Hans Wintoch alias „Hans die Geige“.

Während andere Ex-Puhdys-Mitglieder auch nach dem Ende der Band weiter deren Songs am Leben erhielten, ging der Drummer einen anderen Weg: Seine neue Band stand mit komplett neuen Titeln auf der Bühne.

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Eine schwere Krankheit warf Scharfschwerdt 2019 aus der Bahn. Er habe einen Tumor in der Lunge gehabt, berichtete er in einem Interview der Illustrierten „Superillu“. „Aber der ist jetzt weg, restlos, und es geht mir gut.“ Die Diagnose habe er nach einer Leistenbruchoperation erhalten. Dann habe er eine Reise abgesagt und mit der Chemotherapie begonnen. Scharfschwerdt damals weiter: „Komplettangriff. Feuer frei. Es gibt ja nur zwei Möglichkeiten. Und für mich gab‘s von Anfang an nur die eine: Ich will leben, ich kämpfe und ich schaffe das.“