Kai Bruchmann ist Schuhputzer - und kann seinem geliebten Job wegen der Pandemie nicht mehr nachgehen. Foto: Berliner KURIER/Markus Wächter

Vielen Menschen in Berlin macht die Corona-Krise zu schaffen – immer wieder ist die Rede vor allem von Gastronomen, Künstlern und Kulturschaffenden. Doch die Pandemie trifft auch ganz andere Berufe schwer. Erst im Juni berichtete der KURIER über Kai Bruchmann, einen der letzten Berliner Schuhputzer. Er poliert vor allem bei Veranstaltungen die Schuhe der Besucher. Doch die Corona-Krise ließ ihm fast alle seiner Aufträge platzen. Die gute Nachricht für alle mit schmutzigen Tretern: Pünktlich zum Nikolaustag greift Bruchmann wieder zur Schuhcreme!

So schlimm die aktuelle Situation auch ist: eines steht für Kai Bruchmann fest. „Ich werde nicht zum Jobcenter gehen, so bin ich nicht erzogen“, sagt er. „Solange ich lebe und es kann, will ich mein eigenes Geld verdienen.“ Seit 2011 tut er genau das als Event-Schuhputzer, einer der letzten seiner Art in Berlin. Auf Veranstaltungen und Messen poliert er die Schuhe der Besucher auf. „Aber momentan ist durch die Corona-Krise meine Lieblingsbeschäftigung gestorben“, sagt er.

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Schon im Juni, als der KURIER Bruchmann traf, sah es nicht rosig aus. Anfang des Jahres war er für die ITB engagiert, doch die Reise-Messe fiel ins Wasser. „Da war ich sogar froh, denn zu Pandemie-Zeiten hätte ich es schwierig gefunden, in Messehallen mit vielen Menschen zu arbeiten“, sagt er. Doch es blieb nicht die einzige Absage: Alle Events, auf denen der 52-Jährige normalerweise putzt, fielen dem Virus zum Opfer.

Für Bruchmann ist vor allem die anstehende Weihnachtszeit schwierig, hier jagt zu normalen Zeiten ein Auftrag den nächsten. Vor allem am Nikolaustag, wenn alle saubere Schuhe haben wollen. „Im vergangenen Jahr hatte ich fünf, sechs Aufträge – und musste mich sogar entscheiden, welchen ich annehmen kann.“

Am Wochenende packt Bruchmann wieder die Putzutensilien ein, poliert am Wilhelmsruher Damm die Schuhe der Passanten. Foto: Berliner KURIER/Markus Wächter

Auch die Zeit der Lockerungen zwischen den Lockdowns habe keine wirkliche Entspannung gebracht. „Denn die Abstandsregeln machen meine Arbeit schwierig. Der Mensch, dessen Schuhe ich poliere, müsste über zwei Meter groß sein, damit wir uns nicht in die Quere kommen.“ Um seinen Stuhl müsste er, wenn er Passanten auf der Straße seine Dienste anbietet, einen Kreis von 1,50 Metern Radius ziehen, damit sich niemand zu nah an seinen Arbeitsplatz begibt. „Und meine Kunden und ich müssen Masken tragen.“ Auf der Straße war Bruchmann aber schon lange nicht mehr unterwegs, nur in der Anfangszeit. „Aber vielleicht fange ich damit wieder an. Das geht nur im Winter schlecht – bei den Temperaturen mal eine Stunde, nicht länger.“

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Seinen Job lebt er mit Leidenschaft – Bruchmann liebt die Begegnungen mit den Menschen, die auf seinem Stuhl Platz nehmen. „Wenn ich beispielsweise im Märkischen Viertel Schuhe putze, freue ich mich sehr, wenn Kinder aus dem sozialen Brennpunkt sich für einen Moment wie Könige fühlen dürfen“, sagt er. An den Nagel hängen will er seinen Beruf deshalb auf keinen Fall. Er habe sich Arbeit in der Firma eines Bekannten gesucht, außerdem schreibt er Gedichte, die er als Buch verkaufen will. „Aber ich werde kämpfen bis zum Ende.“

Pünktlich zum Nikolaus packt er am Sonnabend seine Putzutensilien ein, um vor dem „Chicken & Burger Stall“ am Wilhelmsruher Damm 170 ab 18 Uhr die Schuhe von Kindern zu polieren, damit der Nikolaus auch kommt. „Aber das mache ich nicht gegen Gebühr, sondern nur für mich. Die Leute sollen sehen, dass es mich noch gibt.“