Yousuf H. schweigt seit Wochen vor Gericht. Es geht um Schwestermord im Namen der „Ehre“.
Yousuf H. schweigt seit Wochen vor Gericht. Es geht um Schwestermord im Namen der „Ehre“. imago/Olaf Wagner

Die Brüder auf der Anklagebank starrten zu Boden, einem der mutmaßlichen Killer wurde schlecht: Schock-Bilder im Prozess um den Mord an Maryam H. (34). Eine Rechtsmedizinerin (57) in Berlin-Moabit im Zeugenstand – schaurige Ergebnisse der Obduktion. Auf einer großen Leinwand dazu Fotos: Die Leiche zusammengekauert. Die Hände gefesselt mit Panzerband. Eine blaue Plastiktüte über dem Kopf.

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Die afghanischen Brüder Yousuf H. (27) und Mahdi H. (23) sollen ihre Schwester eiskalt umgebracht, die Leiche in einen Koffer gestopft, von Berlin nach Bayern gebracht und dort verscharrt haben - in der Nähe des Wohnortes des älteren Bruders in Donauwörth. Ein Polizist aus Bayern (40) über den Ort, an dem man die Leiche fand: „Ein kleines Waldstück, hüglig, alles zugewachsen.“ Die Geliebte von Yousuf H. hatte die Ermittler dorthin geführt. Der Beamte: „Alles war flächig bewachsen, nur an einer Stelle waren Grasbüschel auffällig – wie aufgesetzt.“

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Vorsichtig wurde gegraben. Der Polizist: „Vier Stunden dauerte die Bergung.“ Das war drei Wochen nach dem Verschwinden von Maryam H. aus Berlin. Wie starb Maryam H.? Es gab nicht einen, sondern mehrere tödliche Angriffe. Die Rechtsmedizinerin: „Drei Komplexe haben wir für einem möglichen Todeseintritt.“ Mit einem Tuch von hinten angegriffen und erdrosselt. Mit Klebeband wurden Mund und Nase verschlossen – „ein Ersticken wäre möglich“. Schließlich ein tiefer Halsschnitt. Die Obduzentin: „Alles muss in einem zeitlich engen Zusammenhang erfolgt sein.“ Zuletzt vermutlich der Schnitt.

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Ein Schwestermord im Namen der „Ehre“? Die Staatsanwältin geht davon aus: „Sie wurde getötet, weil die Angeklagten nicht damit einverstanden waren, dass sie entgegen der Moralvorstellung der beiden Männer eine teilweise modernere Lebensführung verfolgte.“ Und sie hatte nach der Scheidung eine neue Liebe gefunden. Ihre Brüder sollen ihr den Kontakt zu dem neuen Mann verboten haben. Sie hätten ihre große Schwester kontrolliert, ihr Vorschriften gemacht, sie gedemütigt, auch geschlagen.

Yousuf und Mahdi H. schweigen seit vier Monaten vor Gericht. Sie wurden drei Wochen nach der Tat am 13. Juli 2021 verhaftet. Ein Fall, der erschütterte. Der eine Debatte um den Begriff „Ehrenmord“ auslöste und auch um gescheiterte Integration von Flüchtlingen. Maryam H. lebte zuletzt mit ihren beiden Kindern (14, 10) in einem Flüchtlingsheim in Alt-Hohenschönhausen. Sie war als 16-Jährige in Afghanistan zwangsverheiratet worden. 2018 trennte sie sich in Berlin von dem Mann. Der Prozess geht am Mittwoch weiter.