Im Ankunftszentrum in Reinickendorf spitzt sich die Lage zu, immer mehr Flüchtlinge können nicht schnell genug registriert werden. 
Im Ankunftszentrum in Reinickendorf spitzt sich die Lage zu, immer mehr Flüchtlinge können nicht schnell genug registriert werden.  Berliner Zeitung/Markus Wächter

Bestechlichkeit, Korruption und Erpressung, Prostitution – die Vorwürfe gegen Security-Männer am Ankunftszentrum für Flüchtlinge in Reinickendorf wiegen schwer. Neu sind sie für mit der Thematik befasste Organisationen nicht.

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Nach einem Großeinsatz von Zoll und Polizei im Berliner Ankunftszentrum für Flüchtlinge und Vorwürfe gegen dortige Wachleute hat die zuständige Senatorin Aufklärung zugesichert. Man werde den Vorwürfen gründlich nachgehen, um zu verhindern, dass die Notsituation von Flüchtlingen ausgenutzt werde, teilte Sozialsenatorin Katja Kipping (Linke) am Mittwoch mit. „Denn die Ausbeutung der Notsituation von Schutzsuchenden ist nicht nur kriminell, sondern auch zutiefst widerwärtig.“

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Hier können Security-Mitarbeiter anonym berichten 

In dem Flüchtlingszentrum in Reinickendorf solle daher eine Anlaufstelle für anonyme Hinweise von Mitarbeitern eingerichtet werden. „Ankunfts- und Unterkunftsstrukturen müssen Orte sein, in denen Schutzsuchende sich zu Recht sicher fühlen können“, so Kipping.

Laut einem Bericht des „Tagesspiegels“ hatten Zoll und Bundespolizei am Dienstag die Wachleute von Sicherheitsfirmen in dem Flüchtlingszentrum wegen Aufenthalts- und Arbeitserlaubnissen überprüft.

Rund 800 Flüchtlinge aus der Ukraine sind in Containern auf dem Tempelhofer Feld untergebracht. 
Rund 800 Flüchtlinge aus der Ukraine sind in Containern auf dem Tempelhofer Feld untergebracht.  IMAGO/Jochen Eckel

Darüber hinaus soll es aber auch um Vorwürfe wegen Bestechlichkeit, Korruption und Erpressung gegangen sein. Wachleute sollen Flüchtlinge erpresst und genötigt haben, indem Betten, Schlafplätze oder Terminkarten nur gegen Geld oder Schmuck vergeben wurden. Außerdem soll es Hinweise auf Gewaltvorfälle und Prostitution gegeben haben.

Schon früher dubiose Praktiken durch Security 

Eine Sicherheitsfirma war bereits 2021 vom Landesamt abgemahnt worden. Schon im vergangenen Jahre hatte es Hinweise auf Prostitution auf dem weitläufigen Gelände gegeben, so der Bericht des Tagesspiegel.

Der Andrang von Asylbewerbern auf das Flüchtlingszentrum ist ähnlich hoch wie 2015, täglich erscheinen 100 Menschen, dazu zahlreiche Flüchtlinge aus der Ukraine, es gibt lange Wartezeiten, Schlafplätze fehlen.

Die Hilfsorganisation Moabit schreibt zu den Vorwürfen: „Seit 2015 wissen wir, zu was unseriöse Security fähig sind und dass sie ihre Machtposition benutzen gezielt und finanziell gewinnbringend einsetzen: Prostitution, Bedrohung, Erpressung, Betrug uvm. sind in dem Bezug für uns keine Fremdwörter. “

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Security auch in anderen Unterkünften tätig 

Nicht nur das Ankunftszentrum in Tegel beschäftige Security. Auch in Unterkünften für Flüchtlinge seinen Security-Leute eingesetzt, die „insbesondere Frauen gegenüber ihre toxische Macht ausspielen“.

Es gebe sehr viele Securitys, die aus dem Dienst ausschieden aber danach aus Angst nicht mit ihrem Wissen an die Öffentlichkeit gingen. Eine Ausnahme sei eine Wohnungslosenunterkunft in der Boxhagener Straße gewesen. Nach einer Anzeige wegen Zimmerhandels Gewalt und Prostitution wurde diese geschlossen. Damals haben der Stadtrat und weitere Verantwortliche im Bezirk  Monate von den Vorfällen gewusst, bis sie handelten. „Dass Security eine Bedrohung darstellt, wurde uns gegenüber von den Verwaltungen stets müde weggelächelt. Wir warnen seit Jahren!“, so Moabit hilft. e.V. 

Im Ankunftszentrum für Asylsuchende warten Geflüchtete bis zu zwei Wochen auf ihre Registrierung. Die Menschen sind auf dem Gelände in Notunterkünften untergebracht. 

Security-Leute oft mit Clan-Bezug 

Allein in Berlin haben nach Behördenangaben bis zu zwei Dutzend Security-Firmen  Bezug zu Clan-Strukturen. Auch im Autovermietungs-Geschäft mischen die Clans mit. Private Security-Leute bewachen Flüchtlingsheime, kontrollieren Eintrittskarten, aber auch sensible Dokumente. Auch die spektakulären Diebstähle im Bodemuseum und im Dresdner Grünen Gewölbe gelanagen nur mit Hilfe von Clan-nahem Wachmännern. Um sicherzustellen, dass auch nur Leute im Security-Gewerbe den Auftrag erhalten, die vertrauenswürdig sind, soll unter Federführung von Bundesinnenministerin Nancy Faeser ein eigenständiges Sicherheitsgewerbegesetz entstehen. Das Vorhaben war im Koalitionsvertrag vereinbart worden. Doch die Umsetzung dauert. 

Öffentliche Auftraggeber, die bislang in der Regel den günstigsten Anbieter für Sicherheitsleistungen auswählen müssen, sollen dann  künftig auch nach Qualitätskriterien entscheiden können. Wer allerdings Nachweise kontrollieren soll, bleibt angesichts fehlendesn Personals in den Ämtern offen.