Mario Benedikt, der Geschäftsführer von Getränke  Hoffmann.  Foto: Gerd Engelsmann / Berliner Kurier 

Mario Benedikt aus Wolgast an der Peene hat als Student in der ersten Getränke Hoffmann-Filiale Ost-Berlins in der Leergutannahme angefangen. Heute ist er Geschäftsführer des Getränkehandels mit deutschlandweit 450 Filialen und hat ein Herz für Berliner Schauspieler und Künstler. In der Pandemie startet Benedikt einen Kreativ-Wettbewerb, die Art Parade, um die Hoffmann-Lkw-Flotte zu einer fahrenden Galerie zu machen.

Was trinken die Berliner im Lockdown? Gehen wirklich viel mehr Männer zu Getränke Hoffmann als Frauen? Und wie kommt das 55 Jahre alte Berliner Unternehmen mit Ursprung in Neukölln trockenen Fußes durch die Pandemie? Um Antwort auf diese Fragen zu erhalten, muss man vor die Tore der Stadt reisen. Getränke Hoffmann hat seit Mitte der 19990er Jahre seinen Sitz auf der grünen Wiese in Blankenfelde-Mahlow. Hier werden die Lkw befüllt, die den Berlinern Bier und Brause bringen.

Umsatzplus in der Corona-Krise 

In diesen Wochen und Monaten rücken die Laster öfter als sonst aus. „In der Pandemie trinken die Menschen mehr zu Hause – und zwar von allem“, sagt Mario Benedikt. Wasser, Bier und Säfte benetzen trockene Kehlen im Homeoffice und vor dem heimischen Fernseher und bescheren dem Unternehmen ein Umsatzplus  von 20 Prozent. Als Krisengewinnler würde der 56-Jährige sich dennoch nicht bezeichnen. Man müsse vielmehr jetzt rechts und links schauen, wo man etwas abgeben könne, so Mario Benedikt.

Mit dem VW-Bulli wurden nach der Gründung des Unternehmens Getränke ausgeliefert.  Foto: Getränke Hoffmann 

Tradition verpflichtet, schließlich hat der Getränkehandel, der am 4. März 1966 in der Hobrechtstraße in Neukölln zum ersten Mal Flaschen über den Tresen schob, schon immer Wert auf Gerechtigkeit und Ausgleich gelegt. Im Foyer des heutigen Firmensitzes zeigt eine Ausstellung, dass schon kurz nach der Wende, 1992 alle Mitarbeiter in Ost und West gleiche Löhne erhielten.

Männerparadies Getränke Hoffmann 

In der Zeit, als die Ost-Berliner ihre Coca-Cola bei Hoffmann kauften, sich durch Bayerische Biere probierten und über Henkel trocken doch wieder zurück zum Rotkäppchen-Sekt kamen, machte Mario Benedikt im Unternehmen Karriere. Erst als studentische Aushilfe, dann als Trainee, später als Filialleiter und Leiter von Marketing und Vertrieb.

Über all die Jahre sind sich die Hoffmann-Filialen in einem treu geblieben: für viele Kunden  sind sie ein Männerparadies, wo man sich zwischen den gestapelten Bierkästen verlieren kann.  „Ein Stück weit greift bei Getränkekauf noch die alte Rollenverteilung“, gibt Benedikt zu. „Wir haben zum Beispiel auch kaum Kindergetränke im Sortiment, einfach weil sie nicht nachgefragt werden.“ Männer kauften bei Hoffi höchstens mal eine Capri-Sonne.

Doch in den vier neuen, kleinen Kiezfilialen sieht das schon anders aus. Der Getränke-Handel will wieder näher zu den Menschen, die ohne Auto in den Innenstädten wohnen. In Kiezfilialen kann man sich etwa ein Lastenrad ausleihen und sich den Saftkasten nach Hause radeln. Konkurrenz für die Spätis? „Nein eher ein moderner Nachbarschaftsladen.“

Die Auslieferungsflotte des Getränkehändlers umfasst Lastenräder und Lkw.  Foto: Gerd Engelsmann / Berliner Kurier 

Berlins Kieze, seine Kunstszene und seine Kultur sind genau die Mischung, die Mario Benedikt liegt: „Nach der Krise werden die Menschen danach lechzen, wieder auf Partys zu gehen, Kunst und Kultur zu genießen“, glaubt er. „Es wäre ungeheuer schade, wenn dann keine Künstler mehr da wären.“ Im vergangenen Jahr hat der Unternehmer daher den Deutschen Schauspielpreis unterstützt, in diesem Jahr sind des bildende Künstler, deren Werke er auf seiner Flotte zeigen will. Eine fahrende Galerie mit Entwürfen Berliner Künstler soll die Straßen  bunter machen und in der Krise eine kleine Perspektive bieten, so die Idee.

Jury aus Kunst und Kultur bewertet die Entwürfe

Bis zum 12.März können Künstler Entwürfe einreichen, wie sie die Fläche der riesigen Getränke-Transporter gestalten würden. Eine Jury aus renommierten Künstlerinnen und Persönlichkeiten aus der Kunstszene, wie Hans Peter Adamski, dem New Yorker Kurator Leo Kuelbs, Schauspielerin und Künstlerin Annabelle Mandeng, Künstler Kimo von Rekowski, Journalistin Anna Russ, Michéle Victor Adamski, Schauspieler und Künstler Axel Schreiber, der internationalen Kuratorin und Direktorin Yasha Young  und  Mia Florentine Weiss (Konzept- und Performancekünstlerin) wird die Einsendungen begutachten und eine Vorauswahl treffen. Über die fertigen Kunstwerke können Interessierte dann auf einer Webseite abstimmen, die ersten drei Preisträger erhalten ein Preisgeld von bis zu 6000 Euro. Am Ende sollen die Lkw in einer Artparade durch die Straßen Berlins tuckern. www.artparade.getraenke-hoffmann.de