Heizpilze könnten Kneipen-Aufenthalte auch im Herbst angenehmer machen. Foto: dpa

In der Corona-Krise gilt meistens: Draußen ist besser als drinnen. Solange Sommer ist, lässt sich das in der Gastronomie auch oft umsetzen, doch mit Herbst und Winter wird das schwieriger. Heizpilze könnten helfen, es den Gästen im Freien gemütlich zu machen, doch die Geräte gelten vielen als Klimakiller, weswegen sie in zahlreichen Städten verboten sind. Sollen sie nun vorübergehend freigegeben werden?

Contra: Die Heizpilz-Debatte ist typische Berliner Politik!

Das ist typische Berliner Politik. Ständig verteufelt der Senat Klimakiller wie das Auto, das man lieber heute als morgen aus der Stadt verbannen will. Auf der anderen Seite folgen die von den Grünen geführten Wirtschafts- und Umweltverwaltungen nun eine Forderung der FDP, und wollen einen längst geschassten Umweltschädling aus der Mottenkiste holen – den Heizpilz.

Offenbar betreibt der Senat eine Klimapolitik, wie es einem gerade in dem Kram passt. In der Tat verpesten Heizpilze die schon jetzt nicht mehr so gute Berliner Luft, weshalb sie vor elf Jahren ja auch größtenteils in Berlin verboten wurden. Und nun soll dieser, einst als Umweltschädling angeprangerter Wärmespender wieder gut sein, um die Berliner Gastronomie vor einer Pleitewelle zu retten? Das klingt unglaubwürdig. Der von Pop und Günther als Gegenleistung geforderte autofreie Sonntag ist auch nur ein Feigenblatt, um die ganze Sache schön klimaneutral aussehen zu lassen. (NKK)

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Pro: Gebt den Gastronomen endlich eine Chance!

In Berlin entpuppte sich während der Corona-Krise Solidarität als der neue Trend. Alle hielten zusammen in der ungewissen Zeit. Nun, da das Leben nach und nach wieder anläuft, müssen wir jenen helfen, die die Pandemie in existenzielle Sorgen stürzte. Ich gehe derzeit, öfter als sonst, in mein Stammlokal in Karlshorst. Ich sitze gern draußen. Es gibt da nur ein Problem: Ich bin eine echte Frostbeule, friere ständig. Schon am Wochenende, als andere noch in kurzen Hosen vor die Tür gingen, packte ich mich vierlagig ein, um den Abend draußen verbringen zu können. Ich würde mich mit einem Heizpilz wohler fühlen, länger bleiben, etwas mehr Geld bei gebeutelten Wirten lassen.

Viele andere Berliner auch. Gebt den Gastronomen die Chance, ihre Außenflächen auch im Herbst und Winter bespielen zu können. Nie war das nötiger als jetzt. Gebt ihnen die Chance, die Krise zu überwinden. Sie haben es verdient. Ein autofreier Tag ist in Zeiten der Solidarität ein Preis, den einfach jeder Berliner zahlen kann. (FTH)