Ein Kind inmitten von ukrainischen Geflüchteten am polnischen Bahnhof Przemysl: Von der Grenzstadt aus werden die Vertriebenen der russischen Invasion mit Zügen und Bussen weitergeleitet. epd/Christoph Pueschner/Diakonie Katastrophenhilfe

Als Peter Althaus (37) aus dem westukrainischen Lwiw (deutsch: Lemberg) floh, heulten die Sirenen: „Todesangst“ habe er das erste Mal im Leben verspürt, bis er am Donnerstag, zu Beginn des Ukraine-Krieges, am Steuer seines Transporters die polnische Grenze erreichte. Dorthin ist er nun wieder unterwegs, als ich den Unternehmer und Journalisten telefonisch erreiche: Von Berlin aus hat er private Hilfe organisiert, um 250 ukrainische Geflüchtete sicher in die deutsche Hauptstadt zu bringen.

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Peter Althaus (l.) mit Freiwilligen auf dem Weg von Berlin zur ukrainisch-polnischen Grenze.

Berliner KURIER: Du hast jahrelang in der Ukraine gelebt. Wie hast Du Deine eigene Flucht erlebt?

Ich war selbst letzte Woche von einem Luftalarm betroffen, habe die Stadt fluchtartig verlassen – schnell alles gepackt und bin zur Grenze. Wir hatten tatsächlich noch Glück, weil wir sowieso ausreisen wollten. Ich war nur noch einmal kurz da, um Sachen abzuholen, als der Angriff durch Russland kam. Meine Abreise ging dann schneller, und wir haben dann auch nur sieben Stunde an der Grenze gestanden.

Wie sieht die Situation aktuell für die Menschen an der Grenze aus?

Mittlerweile ist es so, dass die Menschen ein, zwei oder sogar drei Tage an der Grenze verbringen oder sich in Menschenmengen am Bahnhof quetschen müssen, um irgendwie aus der Ukraine rauszukommen. Wir gehen davon aus, dass das noch schlimmer wird.

Wenn die Geflüchteten aus der Ukraine Berlin erreichen, stehen bereits Zimmer für sie bereit

Was veranlasst Dich, dennoch an die Grenze zurückzukehren?

Ich habe in der Ukraine meine Existenzgrundlage komplett verloren. Als ich hier in Berlin ankam, wollte ich etwas tun: Die Menschen liegen mir am Herzen. Ich bin in der Ukraine immer freundlich willkommen geheißen worden und wollte in dieser Situation etwas zurückgeben. Die Evakuierung von Lwiw ist das Dringendste. Statt mit einem Auto hinzufahren, wollte ich viele Leute wegbringen.

Was habt Ihr dafür organisiert, Menschen sicher nach Berlin zu bringen?

Wir haben vier Busse mit der Gesamtkapazität von knapp 250 Leuten, die wir von der Grenze wegbringen können. Wir haben es jetzt schon so organisiert, dass, wenn diese Leute nach Berlin kommen, sie gleich eine Unterkunft finden. Das Elinor-Netzwerk ist eine Initiative, die alle Betten-Kapazitäten für ukrainische Geflüchtete zusammenfasst und organisiert. Die sind informiert. Wenn die Leute in Berlin ankommen, haben sie schon einmal ein Zimmer. Es sind viele Hotelzimmer, aber manche werden auch bei Privatleuten unterkommen.

Hilfsbereitschaft kommt nicht zu spät: So können Sie jetzt Geflüchteten aus der Ukraine helfen

Wenn ich jetzt bei dieser Initiative helfen möchte, kommt das zu spät?

Wir werden noch weitere Transporte unternehmen. Wir müssen allerdings erst einmal sehen, wie die Situation vor Ort ausschaut. Diese ist an den Grenzen derzeit sehr chaotisch. Wir werden das gegebenenfalls mit weiteren Partnern lokal organisieren. Was man auf jeden Fall tun kann ist, an Organisationen zu spenden, die akut Hilfe für Ukrainer organisieren. Das wäre zum Beispiel Libereco, mit denen wir hier zusammenarbeiten, sowie die Hilfsorganisation Space Eye mit Sitz in Regensburg, die auch in Berlin tätig ist. Diese helfen uns jetzt erst einmal, die Busse zu finanzieren. Über Elinor kann man Unterkünfte für ankommende Flüchtlinge bereitstellen. Wer mithelfen möchte, dem sagen die Organisationen, was man konkret tun kann.

Hast Du vor, wenn es irgendwann wieder möglich sein sollte, in die Ukraine zurückzukehren?

Ja, auf jeden Fall. Ich hatte mit meiner ukrainischen Frau längerfristig überlegt, unabhängig von unserer Flucht, nach Deutschland zu ziehen. Wir denken jetzt aber, wenn der Krieg vorbei ist und es nicht zu einer dauerhaften russischen Besatzung kommt, die Ukraine frei und demokratisch bleibt, wollen wir auf jeden Fall zurückgehen und mithelfen, das Land wieder aufzubauen.