In Berlin setzte es in diesem Jahr viele Beschwerden über die deutsche Post.
In Berlin setzte es in diesem Jahr viele Beschwerden über die deutsche Post. dpa/Lino Mirgeler

Es gibt bei der Post eine Norm: 80 Prozent aller Briefe müssen am nächsten Tag beim Adressaten im Postkasten liegen. Tatsächlich berichten immer mehr Berliner davon, dass dringend erwartete Postsendungen teils wochenlang auf sich warten lassen, seit Tagen überhaupt keine Post mehr zugestellt wurde, Sendungen gar verlorengegangen sind. 

Jede achte Beschwerde über die Post kommt aus Berlin

Die Probleme gibt es nicht erst seit gestern, bereits im Sommer gingen zahlreiche Beschwerden über die Post bei unserer Redaktion ein. Leser berichteten davon, sie hätten seit sechs Wochen keine Sendungen mehr erhalten! Viele Berliner beschweren sich bei der dafür zuständigen Kontrollbehörde, deren Sprecherin Marta Mituta bestätigt: „Aus Berlin erreichen die Bundesnetzagentur weiterhin auffällig viele Beschwerden“. Fast jede achte Post-Reklamation stammt aus der Hauptstadt: „Insgesamt gingen bis Ende September rund 20.420 Beschwerden aus dem gesamten Bundesgebiet ein, davon 2472 aus Berlin.“

Was ist da los? Offiziell bestreitet die Post, dass es solche massiven, flächendeckende Probleme gäbe, bestätigt jedoch, dass Personal fehlt, in der Folge immer wieder Kollegen mit anpacken mussten, die eigentlich für andere Auslieferungen eingeteilt waren. So erreichten Sendungen aufgrund abgebrochener Liefertouren zwar nicht am geplanten Tag den Empfänger, wurden dann aber am Tag darauf zugestellt.

Post bestätigt Probleme infolge „unerwartet vieler Krankheitsfälle“, doch die Probleme liegen tiefer

Doch die Flickschusterei ist offenbar am Ende der Möglichkeiten angekommen, inzwischen berichten immer mehr Post-Kunden von angekündigten Briefzustellungen, die aber bis heute nicht erfolgt sind. Dabei soll es um Sendungen gehen, die teilweise bereits Ende September aufgegeben wurden, Inhalt: wichtige Dokumente, Rechnungen, Rezepte – mit zum Teil fatalen Folgen.

Ein Postsprecher begründet Verzögerungen in der Zustellung an Berliner Haushalte mit „unerwartet vielen Krankheitsfällen“. Tatsächlich hatte es im Sommer eine Vielzahl von Corona-bedingten Ausfällen gegeben, zum Herbst kamen Grippe- und andere Erkältungsfälle dazu. Doch inzwischen gegen die Zahlen wieder herunter, die Beschwerden über Zustellprobleme häufen sich dagegen.

Bekannt ist: Der Post gelingt es nicht, genügend neues Personal zu finden, obwohl das Unternehmen mit festen Arbeitszeiten, Tariflöhnen, pünktlichen Gehaltszahlungen und einem krisensicheren Job lockt. Die Belegschaft steht wegen der angespannten Personallage unter Dauer-Stress. Hinter vorgehaltener Hand klagen Zusteller über faule oder dauer-krankgeschriebene Kollegen, deren Arbeit sie dann zusätzlich entrichten müssten – doch der Tarifbetrag verbietet den Zustellern, mehr als drei Überstunden pro Woche abzuleisten. Die Folge: Briefe bleiben liegen, werden verspätet zugestellt. Eine Ende der Probleme ist nicht in Sicht.