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"Goldenes Nest": : 80.000-Euro-Schatz aus Schule gestohlen - Razzia im Clan-Milieu

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Das Goldene Nest von dem Berliner Künstler, Thorsten Goldberg.

Foto:

Birgit Eltzel

Nach dem Diebstahl einer Vogelnest-Nachbildung aus Feingold aus einer Berliner Grundschule hat die Polizei mehrere Objekte durchsucht. In Britz, Buckow, Neukölln und Friedrichsfelde seien ein Auto und drei Objekte durchsucht worden, teilte die Polizei am Mittwochabend via Twitter mit. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) berichtete, es handele sich um Durchsuchungen im „Clan-Milieu“.

Diebe hatten das kostbare Wahrzeichen einer Biesdorfer Grundschule gestohlen. Mit Spezialwerkzeugen drangen die Täter in der Nacht zu Mittwoch in die Schule am Fuchsberg ein und entwendeten das gut gesicherte Kunstwerk „Goldenes Nest“, bestehend aus 74 filigranen Zweigen aus 999er Gold. Allein der Materialwert des Biesdorfer Schulschatzes beläuft sich auf mindestens 28.000 Euro.

„Eine echte Schande“, kommentierte Schulstadtrat Gordon Lemm (SPD) in einem Facebook-Eintrag den Vorfall. Das Kunstwerk sei der Schule als Kunst am Bau geschenkt worden. Seit der Neubau im Herbst 2018 bezogen wurde und das frisch geschaffene Kunstwerk im Gebäude seinen Platz fand, ist bereits zwei mal versucht worden, das gut gesicherte Kunstwerk zu stehlen.

Panzerglas und elektronische Sicherungssysteme

Die Vitrine mit dem goldenen Nest ist aus dickem Panzerglas, gasdicht verschlossen und mehrfach verankert in die Wand eingelassen. Zudem gab es elektronische Sicherungssysteme. Ein Sicherheitsmann hatten den Diebstahl kurz nach Mitternacht entdeckt. Ausgestellt war das Objekt des Künstlers Thorsten Goldberg zwischen Foyer und Pausenhof.

Der Diebstahl des nur 818 Gramm schweren Kunstwerkes, dessen tatsächlichen Wert einige Experten auf 80.000 Euro schätzen, erinnert entfernt an den Raub der teuren Goldmünze aus dem Bode-Museum auf der Museumsinsel. Anders als dort hatten die Diebe aber im konkreten Fall offenbar keine Helfer unter den Sicherheitsleuten. Sie brachen offenbar schlicht ein Fenster auf.

„Die kaputten Fenster werden heute noch ersetzt“, kündigte Stadtrat Lemm an. „Ob es auch einen Ersatz für das Kunstwerk geben wird, klären wir jetzt.“ Bei öffentlichen Bauten ist es bisher üblich, dass ein Prozent der Investitionssumme für Kunst am Bau ausgegeben wird. So sollen insbesondere Berliner Künstler gefördert werden.

Einbruchsspuren schon 2018 und 2019

Thorsten Goldberg hat in dem Biesdorfer Fall sogar auf sein Urheberrecht verzichtet. Die Schule hätte das unter den Schülern beliebte Kunstwerk nach 14 Jahren gegen seinen Materialwert eintauschen können. Der Künstler nannten das einen „ideellen Grundstock“. Den Erlös wollte die Schule für Projekte verwenden, die vorher gründlich diskutiert werden sollten.

Wie genau die Täter das Goldnest stahlen, will die Polizei nicht sagen. „Zu den Tatwerkzeugen äußern wir uns nicht. Erst muss die Spurensicherung ausgewertet werden“, sagte Polizeisprecherin Patricia Brähmer. Die Ermittler des Fachkommissariats für Kunstdelikte suchen Zeugen, die in der Nacht vor der Schule Autos oder Menschen gesehen haben. 

Bereits im November 2018 gab es Einbruchsspuren am Glas. Ende Februar 2019 sollen es die Kunstdiebe erneut versucht haben. (mit dpa)