Die Visualisierung zeigt den möglichen Standort eines reinen Fußballstadions von Hertha BSC in der Nähe des Olympiastadions. Foto: dpa

Bekommt Hertha BSC doch noch ein neues Stadion auf dem Olympiagelände? Der Senat macht einen politischen Fallrückzieher und gibt dem Verein neue Hoffnung.

Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey hat Fußball-Bundesligist Hertha BSC Hoffnungen auf den Bau eines neuen Stadions am Wunsch-Standort des Vereins gemacht. „Hertha hat einen Vorschlag für den Stadion-Standort gemacht, der mich ziemlich überzeugt hat. Gut angebunden und ein Ort mit Tradition“, sagte die SPD-Politikerin der B. Z. (Dienstag).

Allerdings schränkte sie ein: „Aber man muss eine Lösung für die Wohnhäuser finden, die dort stehen. Das kann nur im Einvernehmen mit den Anwohnern geschehen. Für sie bräuchte es ein attraktives anderes Wohnangebot. Ob es da eine Einigung geben kann, ist noch völlig offen.“

Alte Wohnhäuser müssten neuem Stadion weichen

Die Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892, der das Grundstück gehört, auf dem die Wohnhäuser stehen, sagte dem rbb, dass man weiterhin nicht bereit sei, die Wohnhäuser im Olympiapark aufzugeben. Stattdessen wolle man nun sogar die Pläne vorantreiben, die Wohnanlage noch zu erweitern.

Über den Standort für das neue Stadion herrschte seit Jahren Uneinigkeit zwischen Hertha und der Stadt. Die drei Orte, die hauptsächlich zur Debatte standen – auf dem Maifeld, dem Olympiagelände und im Bereich des ehemaligen Flughafens Tegel –, sind alle mit verschiedenen Problemen behaftet. 2025 sollte das neue Stadion eigentlich eröffnen.

Hertha zieht einen Bau auf dem Olympiagelände an der Rominter Allee vor, wo noch Wohnhäuser stehen. Der alte Senat sprach sich wiederholt für Tegel aus. Zuletzt gab es aber Berichte über eine Annäherung zwischen Politik und Verein, an der auch die Fan-Initiative Blau-Weißes Stadion maßgeblich beteiligt gewesen sein soll.

Giffey sagte, sie habe auch vor Ort schon einen Rundgang gemacht. „Ich finde, wir brauchen ein Gesamtkonzept für den Standort. Man muss insgesamt überlegen, was mit dem Olympiasportpark passieren soll“, sagte sie der Zeitung. Auf dem Areal könnten Familien ein ganzes Wochenende verbringen, viele der leeren Rasenflächen seien kaum genutzt. „Auf jeden Fall geht es nicht, dass ein neues Stadion errichtet wird und der Rest daneben einfach brachliegt.“

Hertha will neues Stadion komplett finanzieren

Aus der Opposition kamen Forderungen an den Verein und die Regierung. Stephan Standfuß, sportpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, teilte mit, dass man den Senat mit einer Antragsinitiative dazu ermuntern wolle, das „Vorhaben aktiv zu unterstützen und voranzubringen“.

Der Senat habe Hertha zuvor an das Olympiastadion binden wollen. „Es ist erfreulich, wenn es in der Sache jetzt endlich Bewegung gibt. Der Standortvorschlag des Vereins auf dem Olympiagelände ist überzeugend, eine Lösung für die dortigen Genossenschaftsmieter und anderen Betroffenen scheint möglich“, sagte Standfuß.

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Der FDP-Abgeordnete Roman-Francesco Rogat sagte, der Verein habe bei der Standortfrage überzeugen können. Er müsse nun mit allen Anliegern in vertrauensvolle Gespräche eintreten, „um ein überzeugendes Konzept vorzulegen, das allen gerecht wird“. Außerdem müsse der Klub sicherstellen, dass er den Bau des Stadions finanziere und nicht die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Hertha hat bereits erklärt, dass man die Arena mithilfe von Investoren komplett privat finanzieren will.